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Inseln in der weltweiten Pandemie: 14 Länder haben immer noch keine Corona-Fälle – kann das stimmen?

Einzelne Staaten sind bisher offiziell von Infektionen verschont geblieben. Unsere Übersicht zeigt, wo das tatsächlich möglich ist und wo starke Zweifel angebracht sind.

Wir befinden uns mitten in einer globalen Pandemie. Inzwischen haben sich laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon 115 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, über 2,5 Millionen sind daran gestorben – und das sind nur die bestätigten Fälle aus Ländern, die der WHO Daten liefern.

Es gibt tatsächlich 14 Staaten, die immer noch keine Corona-Fälle gemeldet haben. Bei manchen kann die WHO nicht unabhängig überprüfen, ob das wahr ist. Denn sie haben entweder gar keine Zahlen veröffentlicht oder nur solche, die stark angezweifelt werden. Andere Länder sind wirklich isoliert und deshalb wohl verschont geblieben. Und dann gibt es noch den skurrilen Fall Tansania, wie unsere Übersicht zeigt:

Länder, die tatsächlich isoliert sind

Prekäre Verhältnisse: Viele Spitäler auf Pazifikinseln wie hier in Kiribati wären bei einem Corona-Ausbruch heillos überlastet.

Prekäre Verhältnisse: Viele Spitäler auf Pazifikinseln wie hier in Kiribati wären bei einem Corona-Ausbruch heillos überlastet.

Foto: David Gray (Reuters)

Die meisten Staaten, die bisher keine Corona-Fälle verzeichnen, sind sehr klein. Nauru zum Beispiel, ein winziger Inselstaat mit etwa 10’000 Einwohnern. Er liegt isoliert im Pazifischen Ozean fast 320 Kilometer von jedem Ort entfernt und wird kaum von Touristen besucht. Weil das Land aber nur ein Spital hat, wäre es bei einer Epidemie hoffnungslos überfordert. Schon Anfang März 2020 verhängte es deshalb Einreisebeschränkungen und reduzierte die Flüge ins Land. Alle Ankommenden müssen zuerst zwei Wochen in Quarantäne.

Auch andere kleine Pazifikstaaten haben inzwischen den nationalen Notstand ausgerufen, darunter Kiribati und Tonga. Sie gehören gemäss UNO-Angaben zu den am wenigsten besuchten Orten der Welt. Es ist tatsächlich möglich, dass sie noch nicht vom Virus heimgesucht wurden.

«Die Isolation war für diese Inseln immer ein Problem – jetzt ist sie ein Schutz», sagte der frühere WHO-Beauftragte Colin Tukuitonga, der selbst aus Niue im Südpazifik stammt, gegenüber der BBC. Das seien kleine und fragile Nationen mit schwachen Gesundheitssystemen. Viele hätten keine Beatmungsgeräte. «Wenn es zu einem Ausbruch käme, würde die Bevölkerung dezimiert werden.»

Länder, die Fälle verschweigen

Feiern ihren Führer, der die Pandemie vermeintlich im Griff hat: Nordkoreaner an einem Umzug zu Ehren von Kim Jong-un (15. Januar 2021).

Feiern ihren Führer, der die Pandemie vermeintlich im Griff hat: Nordkoreaner an einem Umzug zu Ehren von Kim Jong-un (15. Januar 2021).

Foto: Jon Chol Jin (AP Photo/Keystone)

Nordkorea hat der WHO im Januar dieses Jahres gemeldet, dass es 13’257 Personen auf Covid-19 getestet habe – und keinen einzigen positiven Fall gefunden habe. Seither herrscht wieder Funkstille. Offiziell ist das Land mit fast 26 Millionen Einwohnern noch immer Corona-frei. Doch daran zweifeln praktisch alle Experten.

Nordkorea grenzt an China, wo die Pandemie ihren Ursprung hat und es bisher gut 100’000 Infektionen gab (wobei diese tiefe Zahl ebenfalls angezweifelt wird). Das Regime von Machthaber Kim Jong-un unterhält mit der grossen Volksrepublik einen regen Warenaustausch. Zudem sorgt es auch abseits von Corona dafür, dass kaum Informationen über die Lage im Land nach aussen gelangen.

Die gut informierte Nachrichtenagentur Daily NK, die von Südkorea aus über das nördliche Nachbarland berichtet, meldete schon Anfang März 2020 Todesfälle und Quarantäne-Massnahmen. Es wird vermutet, dass Kim Jong-un den Ausbruch vor seinem Volk verheimlicht, um sein System einmal mehr als überlegen darzustellen.

Regiert mit eiserner Hand: Der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuhamedov bei einem Auftritt vor den Medien.

Regiert mit eiserner Hand: Der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuhamedov bei einem Auftritt vor den Medien.

Foto: Alexander Vershinin (AP Photo/Keystone)

Auch Turkmenistan hat der WHO noch keine einzige Corona-Ansteckung gemeldet. Doch es ist höchst unwahrscheinlich, dass es im zentralasiatischen Land zu keiner Ausbreitung gekommen ist. Es grenzt an den Iran, der mit über 1,6 Millionen Fällen zu den am stärksten betroffenen Staaten weltweit gehört. Und verschiedene Berichte zeigen, dass Turkmenistan mit seinen über sechs Millionen Einwohnern sehr wohl ebenfalls betroffen ist.

Die US-Botschaft im Land hat Kenntnis von Menschen mit Covid-Symptomen, die sich Tests unterzogen haben und unter Quarantäne gestellt wurden. Und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft der Regierung vor, dass sie die Pandemie verleugnet und das Gesundheitspersonal zwingt, über die Verbreitung von Covid-19 zu schweigen.

Überraschend ist das nicht: Turkmenistan ist eine repressive Autokratie, auf offizielle Statistiken ist laut Kennern des Landes kein Verlass. «Wir wissen, dass die Regierung schon etliche Epidemien verschwiegen hat», sagte Martin McKee von der London School of Hygiene and Tropical Medicine im vergangenen Jahr zur BBC.

Der skurrile Fall Tansania

Spielt die Gefahr des Coronavirus herunter: Tansanias Präsident John Magufuli spricht am 21. Februar dieses Jahres zum Volk.

Spielt die Gefahr des Coronavirus herunter: Tansanias Präsident John Magufuli spricht am 21. Februar dieses Jahres zum Volk.

Foto: Keystone

Offiziell galt Tansania lange Zeit als Corona-frei, was bei Beobachtern für Fragezeichen sorgte. Denn der ostafrikanische Staat hat rund 58 Millionen Einwohner und grenzt unter anderem an Kenia, das bisher über 100’000 Fälle bestätigt hat. Dann machte die Regierung doch noch Zahlen publik: 509 Infektionen und 21 Tote waren es im Mai vergangenen Jahres. Seither liefert Tansania der WHO aber überhaupt keine Daten mehr.

Denn die Regierung zweifelt an der Gefahr des Virus. Präsident John Magufuli stellt die Glaubwürdigkeit von Corona-Tests infrage und warnte die Bevölkerung auch schon vor Impfungen: «Vertraut diesen Vakzinen nicht.» Der schwer erkrankte tansanische Finanzminister Philip Mpango gab Ende Februar eine Pressekonferenz, um Gerüchte über seinen Tod zu zerstreuen – hustend und röchelnd, ohne Maske und Abstand. Die Empörung war gross.

In Tansania gibt es keine Maskenpflicht oder -empfehlung, keine Distanzregeln oder geschlossenen Geschäfte. Das Land hat sich auch wieder für den Tourismus geöffnet, zum Beispiel für das Besteigen von Afrikas höchstem Berg, dem Kilimandscharo. Kirchen, Moscheen und Schulen sind offen, Sportveranstaltungen erlaubt.

«Wir werden keinen Lockdown verhängen, weil ich glaube, dass das vorübergehen wird, wenn wir uns Gott unterwerfen», sagte Magufuli kürzlich. Statt anerkannte Massnahmen empfiehlt der Präsident unkonventionelle Mittel wie Dampfbäder, Gebete oder Gesundheitsdrinks. Auch eins seiner Kinder sei infiziert gewesen, hatte er im Vorjahr erklärt. Es sei aber geheilt, nachdem es unter anderem Zitronen und Ingwer gegessen habe.

Die WHO hat Magufuli schon zweimal aufgefordert, endlich Transparenz zu schaffen. Laut Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus wurden etliche Tansanier positiv getestet, als sie in Nachbarländer gereist sind. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass alle Staaten Daten liefern. Nur so kann die WHO die Pandemie global verfolgen und wenn nötig schnell einschreiten, um grosse Ausbrüche zu verhindern. Solange sich das Virus mancherorts unkontrolliert weiterverbreiten kann, ist das nicht nur eine Gefahr für das betroffene Land selbst, sondern für die ganze Welt.

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