Switzerland

Innert zwei Wochen sind 10 Millionen Amerikaner zu Bezügern von Arbeitslosenhilfe geworden

Der US-Arbeitsmarkt ist am Boden und der Ansturm auf Unterstützungsgelder wächst. Immerhin erhalten die Betroffenen vorübergehend recht grosszügige Leistungen.

Der Ansturm auf die Arbeitsämter in den USA hält an. In der letzten Woche haben über 6 Millionen Menschen einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe eingereicht.

Der Ansturm auf die Arbeitsämter in den USA hält an. In der letzten Woche haben über 6 Millionen Menschen einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe eingereicht.

John Locher / AP

Inzwischen sind rund 90% der amerikanischen Bevölkerung aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Vor diesem Hintergrund breitet sich die Schockstarre der US-Wirtschaft aus. Das Arbeitsministerium hat am Donnerstag die zweite Woche in Folge einen Riesenansturm auf Arbeitslosenhilfe vermeldet. Für die am 28. März zu Ende gegangene Woche wurden 6,65 Mio. Erstanträge auf Hilfeleistungen registriert.

In der Woche zuvor waren es 3,3 Mio. gewesen. Eine derartige Entwicklung hat es noch nie gegeben. Normal wären etwa 345 000 Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe pro Woche. Das ist jedenfalls der langjährige Durchschnitt der Jahre 2000–2019.

Explosion der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe

Anzahl Anträge pro Woche (in Millionen)

20072020024686,6486,648

Nachdem innert Wochen 10 Millionen Amerikaner arbeitslos geworden sind, dürfte der Rekord der Arbeitslosigkeit aus den Zeiten der Finanzkrise bereits wackeln. Eine Faustregel besagt, dass pro 1,5 Mio. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe die Arbeitslosenquote um etwa 1 Prozentpunkt steigt. 

Im Februar 2020, vor Ausbruch der Corona-Krise, galten offiziell 5,8 Mio. Amerikaner als arbeitslos (3,5%). Diese Zahl dürfte inzwischen gegen 16 Mio. streben (10%). Damit würde die Höchstzahl von 15,4 Millionen (10%) im Oktober 2009 im Zuge der Finanzkrise übertroffen. Die höchste Arbeitslosenquote seit dem Zweiten Weltkrieg überhaupt geht auf die Monate November und Dezember 1982 zurück, als eine Arbeitslosenquote von 10,8% gemessen wurden. 

Die offizielle Arbeitslosenzahl und -quote wird in den kommenden 10 Tagen via separate Umfragen erhoben. Die ausführliche Statistik dazu inklusive der Arbeitsmarktentwicklung nach Branchen wird aber erst am 8. Mai veröffentlicht. Der diesen Freitag publizierte Arbeitsmarktbericht deckt nur die Entwicklung bis Mitte März ab und ist deshalb bereits überholt.

Arbeitsämter machen Triage

Am meisten Gesuche auf Arbeitslosenhilfe wurden vergangene Woche in den Gliedstaaten Kalifornien, Pennsylvania, New York und Michigan verzeichnet. Wie schon für die Woche zuvor ist zu bezweifeln, dass die Arbeitsämter alle eingegangenen Gesuche zeitgerecht registrieren und behandeln konnten. Der Gliedstaat Maryland etwa bat die betroffene Bevölkerung um Geduld, stellte ein System mit alphabetischer Reihenfolge auf, verlängerte die Betriebszeiten und versprach, alle Ansprüche zu befriedigen, unabhängig davon, wann und wie die Anträge eingehen. 

Wo in den USA am meisten neue Anträge gestellt wurden

in der am 28. März zu Ende gegangenen Woche (in Tausend)

0200400600800KalifornienPennsylvaniaNew YorkMichiganTexasOhio

Starker Ausbau der Leistungen

Ein Grund für den Ansturm auf die Arbeitslosenhilfe ist der Corona-bedingt starke Ausbau der Leistungen. Betroffene werden von den Behörden derzeit regelrecht dazu aufgerufen, einen Antrag zu stellen.

In normalen Zeiten ist das US-System der Arbeitslosenversicherung vergleichsweise knauserig. Und nur wer entlassen worden ist, sich aktiv um eine Stelle bemüht und unmittelbar verfügbar ist, hat Anspruch auf die Leistungen. Die landesweit im Durchschnitt ausbezahlte wöchentliche Arbeitslosenhilfe erreichte im Februar 387 $, bei einer maximalen Bezugsdauer von 26 Wochen. Sie deckt damit etwa die Hälfte des bisherigen Lohnes.

Die Leistungen sind von Gliedstaat zu Gliedstaat verschieden. Die durchschnittlich pro Woche ausbezahlten Beträge vor Corona reichten von 215 $ in Mississippi bis zu 550 $ in Massachusetts. Nimmt man die maximal ausbezahlten Beträge, so sind die Unterschiede noch grösser. 

Wo die Arbeitslosenhilfe in den USA am höchsten ist

maximaler wöchentlicher Betrag in $

MassachusettsWashingtonMinnesotaNew JerseyNorth DakotaConnecticutHawaiiColoradoOregonPennsylvania823790740713633631630618590573

Die Maxima reichen von 235 $ pro Woche in Mississippi bis 823 $ pro Woche in Massachusetts. Der Ausbau der Leistungen wegen der Corona-Krise reduziert nun mindestens vorübergehend diese Unterschiede. Jeder Anspruchsberechtigte erhält nämlich zusätzlich zu den normalen Leistungen pauschal 600 $ pro Woche während 4 Monaten. Im landesweiten Durchschnitt dürfte damit die wöchentlich ausbezahlte Hilfe auf gegen 1000 $ ansteigen. Das wird Washington über 250 Mrd. $ kosten und ist Teil des vor einer Woche in Kraft gesetzten 2-Bio.-$-Hilfspakets des Bundes. 

Washington wird aufbessern müssen

Wirtschaftsprofessor Arindrajit Dube von der University of Massachusetts Amherst schätzt, dass damit rund 85% der bisherigen Löhne ersetzt werden statt der normalen 50%. Er glaubt auch, dass dank der starken Lockerung der Qualifikationskriterien rund drei Viertel aller Arbeitslosen in den Genuss der Leistungen der Arbeitslosenversicherung kommen werden. Typischerweise bezieht nur einer von vier Arbeitslosen Arbeitslosenhilfe. 

Wo in den USA die Arbeitslosenhilfe am niedrigsten ist

maximaler wöchentlicher Betrag in $

North CarolinaSouth DakotaSouth CarolinaMissouriAlabamaFloridaTennesseeLouisianaArizonaMississippi350345326320275275275247240235

Corona-bedingt haben mindestens vorübergehend auch Selbständige, unabhängige Auftragnehmer und freie Mitarbeiter von Fahr- und Lieferdiensten Anspruch auf Arbeitslosenhilfe. Durch die Maschen könnten allenfalls Studienabgänger fallen, wenn diese im Sommer und Herbst neu auf den Arbeitsmarkt stossen. Es ist davon auszugehen, dass bei einem längeren Andauern der Corona-Krise die Arbeitslosenhilfe auch für diese Gruppe geöffnet wird.

Ausserdem dürften sich die Arbeitslosenversicherungsfonds der Gliedstaaten, welche für die Auszahlung der Standardleistungen zuständig sind, bei einer längeren Krise rasch erschöpfen. Laut der Tax Foundation sind bereits jetzt die Hälfte der Gliedstaatenfonds nicht solvent genug, um eine Rezession zu meistern. Washington wird also früher oder später aufgerufen sein, diese Fonds wieder aufzufüllen.

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