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Indische Quacksalberei in Zeiten der Corona-Panik

In der Hindu-nationalistischen Regierung von Narendra Modi gibt es ein Ministerium, das traditionelle indische Heilmethoden propagieren soll. Die haarsträubenden Methoden, die es nun für die Bekämpfung des Coronavirus vorschlägt, bringen die Ärzteschaft in Rage.

Indische Schulmediziner sind über den Umgang der indischen Regierung mit der Bekämpfung des Coronavirus entrüstet.

Indische Schulmediziner sind über den Umgang der indischen Regierung mit der Bekämpfung des Coronavirus entrüstet.

Sanjay Baid / EPA

In Indien tobt ein Streit darüber, wie dem Coronavirus zu begegnen sei. Die nationalistische Regierung Narendra Modis wird dabei von der Ärzteschaft des Landes als unverantwortlich kritisiert. Hintergrund ist eine Verlautbarung des Ayush-Ministeriums, einer Behörde, die traditionelle indische Heilmethoden erforschen und fördern soll («Ayush» steht für Ayurveda, Yoga, Unani, Siddha und Homöopathie). Kürzlich veröffentlichte sie einen Katalog von Massnahmen, mit denen sich die Bürger vor der Ansteckung mit dem Virus schützen könnten. Wer zum Beispiel drei Tage lang auf leeren Magen eine homöopathische Dosis Arsen einnehme, könne dadurch eine Infektion vermeiden. Auch ein übel schmeckendes Ingwerwasser und zwei Tropfen Sesamöl in jedes Nasenloch am Morgen seien ein guter Schutz. Wer schon Corona-Symptome wie Halsschmerzen habe, solle auf ayurvedische Arzneien aus Zimt, Chicorée oder Quitte zurückgreifen.

Der Aufschrei der Schulmediziner liess nicht auf sich warten. Die Indian Medical Association, in der 300 000 Ärzte zusammengeschlossen sind, warf der Regierung vor, der Quacksalberei Vorschub zu leisten. Die Vertreter der traditionellen Heilmethoden seien ja nicht einmal bereit, anzuerkennen, dass Krankheiten durch Mikroben ausgelöst würden. «Und diese Leute behaupten, sie könnten das Coronavirus behandeln», schnaubte der Vorsitzende des Ärzteverbands.

Der jetzige Streit ist Teil eines Grabenkriegs, den sich Wissenschafter und Anhänger alternativer Heilmethoden liefern, seit der damals frisch gewählte Premierminister Narendra Modi 2014 das Ayush-Ministerium gründete. Die Behörde fällt oft durch ideologisch aufgeladene Behauptungen auf: Sie scheint der Ansicht, dass am indischen Wesen die Welt genesen könne. Yoga zum Beispiel könne Aids, Krebs und jedes sonstige Leiden heilen, behauptet der Ayush-Minister Shripad Naik gern. Was die Ärzteschaft dabei besonders in Rage bringt, ist die Tatsache, dass ein Teil der für Gesundheitsausgaben vorgesehenen Mittel dem Gesundheitsministerium weggenommen wurde und an das Ayush-Ministerium geht.

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