Switzerland

In zehn Kantonen könnten am Freitag bereits alle Intensivbetten belegt sein – und alles Weitere zum Coronavirus in 27 Grafiken

Welches Land ist wie stark vom Virus betroffen? Was unternehmen Regierungen im Kampf gegen Sars-CoV-2? Die wichtigsten Daten und Fakten zum Coronavirus.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat am Montag (26. 10.) einen neuen Höchststand bei der Zahl der neu bestätigten Coronavirus-Fälle gemeldet. Über das Wochenende kamen über 17 000 neue Fälle dazu. Die neuen Meldungen verteilen sich auf Tests, die in den letzten paar Tagen durchgeführt wurden. Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag letzter Woche wurden demnach jeweils mehr als 6000 positive Tests verzeichnet.

Der 7-Tage-Schnitt der Neuinfektionen steigt deutlich

Bestätigte neue Coronavirus-Fälle pro Tag in der Schweiz und Liechtenstein, nach Testdatum

Der 7-Tage-Schnitt der Neuinfektionen steigt deutlich - Bestätigte neue Coronavirus-Fälle pro Tag in der Schweiz und Liechtenstein, nach Testdatum

Der 7-Tage-Durchschnitt der Zahl der Neuinfektionen ist auf über 5000 gestiegen. Anfang Oktober lag er noch deutlich unter 500, der bisherige Höchststand von Ende März wurde nun um ein Vielfaches übertroffen. Ein weiterer Anstieg des 7-Tage-Schnitts ist abzusehen.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in der Schweiz steigt sprunghaft an

Täglich bestätigte Neuinfektionen in der Schweiz und Liechtenstein, 7-Tage-Schnitt bis vor 3 Tagen

März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 2020Sept. 2020Okt. 2020020004000600050835083123456

1 16. März: Bundesrat erklärt die «ausserordentliche Lage».

2 27. April: Erste Lockerungen treten in Kraft.

3 11. Mai: Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet.

4 19. Juni: Bundesrat beendet die «ausserordentliche Lage».

5 6. Juli: Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr eingeführt.

6 1. Oktober: Grossveranstaltungen sind wieder erlaubt.

Angesichts der sich verschlimmernden Situation hat der Bundesrat letzte Woche im Rahmen der «besonderen Lage» neue Massnahmen eingeführt, wie eine erweiterte Maskenpflicht und ein Versammlungsverbot von mehr als 15 Personen im öffentlichen Raum. Wenn möglich, sollte auch wieder zu Hause gearbeitet werden.

Die derzeitigen Fallzahlen sind jedoch nicht direkt mit jenen aus dem Frühling vergleichbar. Das liegt vor allem daran, dass seit dem Sommer flächendeckender und systematischer getestet wird. Waren es im März im 7-Tage-Schnitt maximal 7500 Tests, sind es derzeit knapp 25 000.

Seit Oktober wird wieder mehr getestet

Anzahl positive und negative Sars-CoV-2-Tests in der Schweiz und Liechtenstein, Durchschnitt der letzten 7 Tage (in Tausend)

Doch auch wenn inzwischen absolut mehr getestet wird, dürfte die Anzahl der Tests in der Schweiz mittlerweile im Verhältnis zum Infektionsgeschehen unzureichend sein. Darauf weist der Anteil positiver Tests hin. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte dieser bei unter 5 Prozent liegen. In der Schweiz liegt sie aktuell bei 23,8 Prozent - und hat damit einen Höchststand erreicht. Diese Entwicklung ist bedenklich, da sehr hohe Positivitätsraten darauf hinweisen, dass sich das Virus unkontrolliert ausbreitet. Die Menge der durchgeführten Tests in der Schweiz reicht folglich nicht aus, um das Infektionsgeschehen nachvollziehen zu können.

Der Anteil positiver Tests erreicht Höchststand

Anteil der positiv ausgefallenen Sars-CoV-2-Tests (7-Tage-Schnitt) in der Schweiz und Liechtenstein, in Prozent

1 Ehemaliger Höchststand am 30. März mit einer Positivitätsrate von 20,1 Prozent

Im internationalen Testing-Vergleich steht die Schweiz schlecht da. Kaum ein anderes europäisches Land hat das Testing über die Sommermonate so schleppend ausgebaut. Das zeigt unsere ausführliche Analyse, die Sie hier nachlesen können.

Neben dem Anteil positiver Tests steigt in der Schweiz auch die Zahl der neuen Hospitalisierungen und Todesfälle. Am Montag (26. 10.) meldete das BAG 259 weitere Hospitalisierungen und 37 Todesfälle.

Zahl der neuen Hospitalisierungen und Todesfälle steigt

7-Tage-Schnitt der täglich neu gemeldeten Todesfälle und Spitaleintritte in der Schweiz

März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 2020Sept. 2020Okt. 2020050100150200

Der Anstieg bei den täglich neu gemeldeten Spitaleintritten hat sich in den letzten Tagen stabilisiert, doch diese Eintritte werden dem BAG oft mit einigen Tagen Verspätung gemeldet. Gut möglich also, dass der aktuelle Knick auf einer unvollständigen Datenlage basiert.

Gemäss dem «ICU Monitoring» der ETH Zürich stossen die Spitäler in einigen Kantone schon jetzt an die Belastungsgrenzen. Schweizweit waren am Freitag bereits 66% aller Intensivbetten belegt, allerdings können die Kapazitäten bei Bedarf noch ausgebaut werden.

Die Intensivbetten im Kanton Solothurn sind momentan ausgelastet

Belegung der ICU-Betten nach Kanton in Prozent

BS 89 BL 65 SH 50 TG 62 JU 50 SO 100 AG 81 ZH 63 AR 33 AI -- NE 57 BE 72 LU 51 ZG 50 SZ 83 SG 76 VD 68 FR 96 OW -- NW 50 UR 50 GL 22 GR 75 GE 58 VS 64 TI 53

Derzeit sind die meisten Patienten, die in den Intensivstationen behandelt werden, nicht an Covid-19 erkrankt. Der Anteil der Covid-19-Patienten steigt jedoch an.

Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen steigt wieder

Anzahl der Patienten und der freien Betten auf Schweizer Intensivstationen

0500100015002000

In den kommenden Tagen könnte sich die Situation stark verschärfen. Die ETH-Forscher erwarten, dass am Freitag in zahlreichen Kantonen sämtliche Intensivbetten belegt sein werden.

Laut einer Prognose der ETH dürften die Intensivbetten in einer Woche in zahlreichen Kantonen nicht mehr ausreichen

Belegung der ICU-Betten nach Kanton in einer Woche in Prozent

BS 100 BL 105 SH 75 TG 89 JU 50 SO 106 AG 117 ZH 64 AR 50 AI -- NE 71 BE 77 LU 69 ZG 100 SZ 167 SG 115 VD 97 FR 100 OW -- NW 117 UR 83 GL 22 GR 100 GE 68 VS 88 TI 63

Mit den steigenden Fallzahlen hat sich Virus auch wieder vermehrt in vulnerable Bevölkerungskreise eingeschleust. Im Moment ist zwar die Bevölkerung zwischen 20 und 39 Jahren noch immer am stärksten betroffen, allerdings infizieren sich seit einigen Wochen wieder mehr Menschen in den älteren Altersklassen.

Wieder mehr ältere Infizierte

Bestätigte Coronavirus-Fälle in der Schweiz nach Altersklasse (in Jahren), Anteile in Prozent

März 2020Okt. 2020020406080100

In den vergangenen zwei Wochen am stärksten von der Pandemie betroffen waren die Kantone Genf, Jura, Appenzell-Innerrhoden und das Wallis wie die Zahl der Coronavirus-Fälle pro 100 000 Einwohner zeigt.

Die Corona-Hotspots sind das Wallis und Genf

Coronavirus-Fälle pro 100 000 Einwohner in den letzten zwei Wochen, nach Kanton

305 1659

Durchschnitt: 651,04

BS 328 BL 308 SH 346 TG 416 JU 1265 SO 305 AG 356 ZH 514 AR 568 AI 1010 NE 930 BE 504 LU 452 ZG 566 SZ 976 SG 590 VD 915 FR 1086 OW 415 NW 347 UR 406 GL 374 GR 405 GE 1310 VS 1659 TI 576

Die Entwicklung bei den Spitzenreitern ist besonders dramatisch: Innert weniger Tage ist dort die Zahl der Infizierten in die Höhe geschnellt.

Starke Ausbrüche im Wallis und im Jura

Täglich bestätigte Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in ausgewählten Kantonen, 7-Tage-Schnitt bis vor drei Tagen

März 2020Okt. 2020050100150200

Was unbestritten ist: Der Schweizer Lockdown hat gewirkt. Das zeigen Berechnungen des Forscherteams um Tanja Stadler, Professorin am Departement für Biosysteme an der ETH Zürich. Anhand der bestätigten Infektionen, der Zahl der Hospitalisierungen und der Todesfälle rekonstruiert die Arbeitsgruppe laufend, wie sich die sogenannte Reproduktionszahl in der Schweiz entwickelt. Diese Zahl muss unter 1 liegen, damit das exponentielle Wachstum gestoppt wird. Zurzeit liegt der R-Wert aber deutlich über 1.

Reproduktionszahl in der Schweiz liegt bei weit über 1

Schätzung der Reproduktionszahl bis vor 13 Tagen, basierend auf den bestätigten Fällen in der Schweiz

1 13.–16. März: Grossteil der Lockdown-Massnahmen treten in Kraft.

2 27. April: Erste Lockerungen treten in Kraft.

3 11. Mai: Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet.

4 6. Juni: Veranstaltungen bis 300 Personen wieder erlaubt, Freizeitbetriebe öffnen.

5 20. Juni: Zahlreiche Lockerungen treten in Kraft.

6 Die Schätzung endet am 13. Oktober.

Die neuesten Schätzungen der Reproduktionszahl können in den Tagen nach ihrer Veröffentlichung leicht variieren und werden des Öfteren nachträglich nach unten oder nach oben korrigiert. Das liegt zum einen daran, dass die Zahl der täglichen bestätigten Neuinfektionen des BAG rückwirkend aufgrund von Nachmeldungen nach oben korrigiert werden kann. Dies wirkt sich dann auch auf die Zahl R aus.

Ein weiterer Grund, warum R schwankt, ist, dass nicht jeden Tag erwartbar viele Fälle gemeldet werden – die Fälle steigen nicht in einer glatten Kurve an. An Wochenenden gibt es deutliche Einbrüche, und auch an anderen Tagen gibt es scheinbar zufällige Schwankungen. Aufgrund dieser Schwankungen glätten die Forscher die Daten, um sich dem zugrunde liegenden Trend anzunähern. Ein unglücklicher Nebeneffekt ist, dass der geglättete Trend manchmal die Steigung der letzten Tage leicht verändern kann.

In der Statistik der wöchentlichen Todesfälle in der Schweiz sieht man zudem nun, wie schwerwiegend die erste Welle der Covid-19-Pandemie im Vergleich zu einer Grippewelle ist. In der Kalenderwoche 14 (endete am 5. 4.) wurden 443 Todesfälle bei Menschen über 65 Jahren mehr verzeichnet, als statistisch zu diesem Zeitpunkt zu erwarten wäre. In den Folgewochen ist die Zahl aber wieder zurückgegangen – durch den Lockdown dürfte eine weitaus grössere Übersterblichkeit verhindert worden sein. Seither bewegen sich die Todesfälle am unteren Rand der Bandbreite der statistischen Erwartung, teilweise ist es auch zu einer leichten Untersterblichkeit gekommen.

Die Sterblichkeit in der Schweiz bewegt sich innerhalb der erwartbaren Bandbreite

Statistisch erwartbare und tatsächlich eingetroffene Todesfälle pro Woche bei Menschen über 65 Jahren in der Schweiz

Erwartete Todesfälle (Bandbreite)

Tatsächliche Todesfälle

1 Starke Grippewelle

2 Hitzewelle

3 Starke Grippewelle

4 Corona-Welle

Das Total der Übersterblichkeit während der ersten Corona-Welle im März und April beträgt 1052 Todesfälle – allerdings starben auch in der Grippesaison 2015 1322 Menschen mehr, als statistisch erwartet worden war. Sämtliche Fälle der jetzigen Übersterblichkeit Covid-19 anzurechnen, wäre falsch, denn die Lungenkrankheit ist selten die einzige Todesursache. Viele Patienten haben Vorerkrankungen. Bei Personen unter 65 Jahren gibt es laut den Zahlen des Bundesamtes für Statistik gegenwärtig keine Übersterblichkeit.

Total zählt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit Ende Februar über 120 000 bestätigte Corona-Infektionen und über 1900 Todesfälle. Die meisten Patienten, die sich in der ersten Welle mit dem Virus angesteckt haben, gelten bereits als wieder genesen. Die Zahl der derzeit Infizierten hat nun aber wieder rapide zugenommen.

Über 120 000 Corona-Fälle in der Schweiz

Bestätigte Coronavirus-Fälle in der Schweiz und Liechtenstein (in Tausend)

In vielen europäischen Ländern kämpfen die Regierungen derzeit gegen eine zweite Welle von Coronavirus-Infektionen und beschliessen meist regional wieder strengere Massnahmen. In Tschechien sind Veranstaltungen mit mehr als sechs Personen und Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verboten. Restaurants und Bars müssen schliessen, Universitäten und Schulen digital unterrichten. Man habe «nur einen Versuch», um die Pandemie beherrschbar zu machen, sagte Ministerpräsident Andrej Babis. In vielen französischen Städten trat die höchste Corona-Warnstufe in Kraft. Bars und Sporthallen müssen schliessen, Restaurants dürfen nur unter Auflagen offen bleiben. Auch in der Schweiz, in Deutschland und Italien wurden die Regeln wieder verschärft.

Die Schweiz gehört zu den Ländern, in denen sich die Situation in den letzten Wochen besonders verschärft hat. Deutschland hat mittlerweile das ganze Land als Risikogebiet eingestuft. Zuvor waren es immer nur einzelne Kantone.

Tschechien und Belgien melden am meisten Neuinfektionen pro Kopf in Europa

Tägliche Neuinfektionen mit Covid-19 pro 100 000 Einwohner (gleitender 7-Tage-Durchschnitt) in europäischen Ländern

Tschechien und Belgien melden am meisten Neuinfektionen pro Kopf in Europa - Tägliche Neuinfektionen mit Covid-19 pro 100 000 Einwohner (gleitender 7-Tage-Durchschnitt) in europäischen Ländern

Besonders stark steigen die Infektionszahlen aktuell auch in Frankreich. Die täglichen Neuinfektionen im 7-Tage-Schnitt sind dort nun höher als in Spanien und Grossbritannien. Aber auch in Italien steigen nun die Fälle, nachdem man das Infektionsgeschehen dort bis in den September hinein verhältnismässig gut unter Kontrolle hatte.

In Frankreich steigen die Neuinfektionen weiter stark an

Tägliche Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den fünf am stärksten betroffenen Ländern Europas,* gleitender 7-Tage-Durchschnitt

März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 2020Sept. 2020Okt. 20200204060

Weitet man die Betrachtung auf die ganze Welt aus, so zeigt sich, dass Belgien bei Ländern mit mindestens 5 Millionen Einwohnern derzeit am meisten Neuinfektionen pro Kopf verzeichnet, vor Tschechien, Frankreich und den Niederlanden. Die Schweiz liegt gleich dahinter auf Platz 5.

Die Schweiz liegt bei den Neuinfektionen pro Kopf weltweit auf Platz 5

Neuinfektionen mit Sars-CoV-2, 20 Länder* mit den Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner, gleitender 7-Tage-Durchschnitt

050100BelgienTschechienFrankreichNiederlandeSchweizSlowakeiSpanienGrossbritannienArgentinienPolenItalienPortugalÖsterreichJordanienRumänienUSALibanonUngarnBulgarienKolumbien

Die Lage im Nahen Osten beruhigt sich. Wegen stark steigender Infektionszahlen hatte Israel einen zweiten Corona-Lockdown verhängt, mittlerweile sind erste Lockerungen in Kraft getreten. Ein Erfolg ist deutlich erkennbar: Die Neuinfektionen sind in den vergangenen Tagen stark zurückgegangen.

Zahl der Neuinfektionen in Israel sinkt stark

Tägliche Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den fünf am stärksten betroffenen Ländern des Nahen Ostens,* gleitender 7-Tage-Durchschnitt

März 2020Okt. 2020020406080

Betrachtet man sämtliche Coronavirus-Fälle, die seit Beginn der Pandemie aufgetreten sind, so zeigt sich, dass insbesondere Länder Lateinamerikas pro Kopf sehr stark betroffen sind – allerdings hinter Israel. Auch die Schweiz ist nun wieder in dieser Liste der 20 Länder mit den meisten Corona-Fällen vertreten.

Israel und einige lateinamerikanische Länder sind pro Kopf stark betroffen

Alle bestätigten Coronavirus-Fälle auf 100 000 Einwohner, 20 Länder* mit den meisten Erkrankungen auf 100 000 Einwohner

0100020003000IsraelBelgienPeruChileUSABrasilienArgentinienTschechienSpanienKolumbienNiederlandeFrankreichGrossbritannienVAEBolivienSüdafrikaSchweizIrakDom. RepublikPortugal

In vielen lateinamerikanischen Ländern sinkt jedoch die Zahl der Neuinfektionen. Eine Ausnahme bildet jedoch Argentinien.

In Argentinien steigen die Neuinfektionen noch immer an

Tägliche Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den fünf am stärksten betroffenen Ländern Lateinamerikas*, gleitender 7-Tage-Durchschnitt

März 2020Okt. 2020010203040

Die Länder Asiens verzeichnen pro Kopf weitaus weniger Infektionen als Länder anderer Kontinente. In Indien gab es jedoch über einen sehr langen Zeitraum ständig steigende Fallzahlen – dort scheint sich die erste Welle über mehrere Monate hinweg ausgebreitet zu haben. In letzter Zeit sind die Neuinfektionen in Indien allerdings wieder gesunken.

In Asien sind vor allem die Entwicklungsländer betroffen

Tägliche Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den fünf am stärksten betroffenen Ländern Asiens,* gleitender 7-Tage-Durchschnitt

März 2020Okt. 202002468

In absoluten Zahlen zählt Europa derzeit am meisten täglich neu bestätigte Fälle. Europa hat in den letzten Wochen immer stärker steigende Zahlen verzeichnet und mittlerweile Asien wieder überholt.

In Europa steigen die Coronavirus-Infektionen wieder steil an

Tägliche Anzahl der neu bestätigten Coronavirus-Fälle, gleitender Durchschnitt über die letzten sieben Tage, nach Kontinent (in Tausend)

Während die Zahl der täglichen bestätigten neuen Fälle in der EU im Sommer lange Zeit konstant tief blieb, war sie in den USA stark angestiegen. Die Vereinigten Staaten zählen derzeit absolut gesehen immer noch die meisten bestätigten Fälle der Welt. Zuletzt war über mehrere Wochen ein Rückgang der täglich neu bestätigten Fälle zu verzeichnen, nun steigen die Zahlen wieder. Da aber viele europäische Länder im Moment stark steigende Fallzahlen melden, liegt die EU hinsichtlich der Neuinfektionen momentan deutlich vor den USA.

In der EU nehmen die Neuinfektionen stark zu

Zahl der neu bestätigten Coronavirus-Fälle pro Tag, gleitender Durchschnitt über die jeweils letzten 7 Tage (in Tausend)

Insgesamt haben sich laut der Johns-Hopkins-Universität bereits mehr als 41 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Es sind fast alle Länder der Welt von der Pandemie betroffen.

Die weltweit bestätigten Infektionszahlen überschreiten 41 Millionen

Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle weltweit (in Millionen)

Die Anzahl bekannter Infizierter hinkt stets der Realität hinterher. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der effektiv mit dem Virus infizierten Personen überall höher liegt. Zum einen haben die Länder sehr unterschiedliche Testverfahren – in manchen Ländern werden zum Beispiel nur Risikopatienten und Patienten mit starken Symptomen getestet –, zum anderen verstreichen zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome etwa fünf Tage, und auch der Sars-CoV-2-Test und seine Auswertung brauchen Zeit.

Bei der Anzahl Tests pro Kopf gehört die Schweiz nicht zu den Spitzenreitern

Coronavirus-Testhäufigkeit, tägliche Anzahl an Tests (Auswahl von Ländern), gleitender 7-Tage-Durchschnitt

Land Positivitätsrate
Luxemburg 12 2,7
VAE 11,2 1,2
Bahrain 6 3,2
Belgien 5,6 15,7
Dänemark 5,6 1,4
Malta 5,2 1,2
Island 4,7 4,7
Israel 4 5,7
Kanada 3,8 1,8
Frankreich 3,7 9,7

Wenn es darum geht, die Auswirkungen der Pandemie zu zeigen, ist einer der verlässlicheren Anhaltspunkte die Zahl der Toten. Denn im Gegensatz zu den bestätigten Infektionszahlen, wo es grosse Unsicherheiten wie unterschiedliche Zählweisen und hohe oder niedrige Testing-Intensitäten gibt, sind die Todeszahlen in der Regel zuverlässiger.

Auch die Todesfallzahlen sind jedoch mit einer Unsicherheit behaftet, denn in den meisten Ländern gehören zu dieser Statistik nicht nur jene Personen, die an Covid-19 gestorben sind, sondern auch jene, die im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben sind. Das sind also zum Beispiel Personen, die einen Herzinfarkt erleiden und sterben und die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, aber keinerlei Symptome gezeigt haben. Belgien wiederum zählt auch die Todesfälle in Pflegeheimen, die Verdachtsfälle sind – bei denen also unklar ist, ob die Personen tatsächlich mit Covid-19 infiziert waren.

Abgesehen von Belgien verzeichneten die lateinamerikanischen Länder im Gesamtverlauf die meisten Toten pro Kopf. Auch Spanien und die USA mussten bisher viele Tote beklagen.

Peru und Belgien haben am meisten Tote pro Kopf zu beklagen

Anzahl Corona-Tote pro 100 000 Einwohner, 20 Länder* mit den meisten Toten pro 100 000 Einwohner

PeruBelgienBolivienBrasilienChileSpanienEcuadorMexikoUSAGrossbritannienArgentinienItalienKolumbienSchwedenFrankreichNiederlandeIranSüdafrikaRumänienIrak106,7594,6476,1574,974,4574,3873,4870,4768,8467,6664,9461,7960,4258,2651,7641,2539,8732,8332,8227,64

Für die Einschätzung der gegenwärtigen Lage ist es auch wichtig zu wissen, wie sich die Todeszahlen entwickeln. Die folgende Grafik zeigt daher, wie sich die tägliche Anzahl der Toten in den 30 Ländern weltweit entwickelt, die derzeit die höchste Anzahl an neuen täglichen Todesfällen melden.

In welchen Ländern die Todesfallzahlen steigen, sinken oder stagnieren

Tägliche Anzahl der Coronavirus-Toten, gleitender Durchschnitt über die letzten 7 Tage

In vielen Ländern zeigt sich die mehr oder weniger gross ausfallende zweite Coronavirus-Welle auch beim Blick auf die Todeszahlen – so etwa in Rumänien, Polen, Ungarn oder Tschechien.

Eine Analyse von Nikolai Thelitz, Alexandra Kohler, Barnaby Skinner, Jonas Oesch, Balz Rittmeyer, Joana Kelén, Anja Lemcke, Julia Monn, Christian Kleeb, Dominik Batz, Kaspar Manz, Florian Seliger und Eike Hoppmann.

Hinweis: Um sich über die Gefahren, die mit dem Coronavirus einhergehen, wie auch über aktuelle Massnahmen in der Schweiz zu informieren, besuchen Sie die Informationswebsite des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Weitere Informationen auf Englisch erhalten Sie auf der Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die NZZ hat alle Artikel zum Coronavirus hier zusammengestellt. Alles zu den Symptomen und Tipps für den Alltag finden Sie hier.

Methodikhinweis: Für die Schweiz nutzen wir die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG), die das BAG auf seiner Homepage zur Verfügung stellt, und die Zahlen der Kantone, bereitgestellt vom Statistischen Amt des Kantons Zürich. Zurzeit werden die Zahlen des BAG Montag bis Freitag upgedatet, jeweils kurz nach Mittag. Bei internationalen Vergleichen verwenden wir die Zahlen der Johns-Hopkins-Universität (JHU). Die Forscher der JHU erheben die Infiziertenzahlen aus verschiedenen Quellen, darunter jene von den Gesundheitsministerien, aber auch mittels inoffizieller und schneller Quellen wie Online-Nachrichtendiensten, und lassen sie jeweils von offiziellen Stellen bestätigen (im Detail hier erklärt). Die Grafiken mit Zahlen des BAG werden jeweils Montag bis Freitag gegen Mittag aktualisiert. Die Grafiken mit Zahlen der JHU werden jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag aktualisiert. Die BAG-Daten vom Wochenende werden zudem am Montagmorgen aktualisiert.

Alle Zahlen, die wir zeigen, beziehen sich nur auf die bestätigten Coronavirus-Infektionen in den jeweiligen Ländern. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der effektiven Corona-Infizierten überall höher liegt. Die Wissenschafter sind darauf angewiesen, dass die Regierungsstellen korrekte Angaben machen, was nicht immer sichergestellt ist. Zudem können national oder regional unterschiedliche Vorgehensweisen und eine variierende Häufigkeit von Tests einen Einfluss auf die Vergleichbarkeit der Fallzahlen haben. Die Zahlen der JHU weisen zum Teil kleine Lücken und Korrekturen auf. Mehr dazu, wie die NZZ Daten zum Coronavirus verwendet, lesen Sie hier.


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