Switzerland

In Grossbritannien wird der Corona-Winter Jahre dauern

Den grössten Einbruch der Wirtschaftsleistung seit mehr als 300 Jahren wird die britische Insel nicht leicht wegstecken. Davor warnt auch die Regierung. Bereits heute ist Grossbritannien das Schlusslicht in Europa.

Die berühmten Engel der Londoner Regent Street hängen bereits, aber die Geschäfte öffnen erst wieder im Dezember.

Die berühmten Engel der Londoner Regent Street hängen bereits, aber die Geschäfte öffnen erst wieder im Dezember.

Martyn Wheatley / I-Images

Grossbritannien wird noch lange mit den Folgen der Corona-Pandemie kämpfen müssen. «Der Gesundheitsnotstand ist noch nicht vorbei, der Wirtschaftsnotstand hat gerade erst begonnen», erklärte Schatzkanzler Rishi Sunak am Mittwoch vor dem Unterhaus, als er einen Finanzplan für die nahe Zukunft vorstellte. Die Corona-Hilfen und Zusatzausgaben wegen der Pandemie werden von bereits 280 Mrd. £ (340 Mrd. Fr.) nochmals um 38 Mrd. £ bis Ende März 2021 aufgestockt. Für das anschliessende neue Finanzjahr plant Sunak mindestens weitere 55 Mrd. £ ein.

Corona-Lücke über 2022 hinaus

Der Hintergrund ist düster: Die britische Wirtschaftsleistung dürfte im laufenden Jahr um insgesamt 11,3% einbrechen, sagte das Office for Budget Responsibility (OBR) ebenfalls am Mittwoch voraus. Das wäre das grösste Minus seit dem sogenannten Jahrtausendwinter von 1709. Die unabhängige Behörde zur Haushaltsüberwachung erwartet für 2021 zwar einen Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 5,5%. Doch erst Ende 2022 könne die Wirtschaft wieder das Leistungsniveau erreichen, auf dem sie vor der Pandemie stand, so das OBR. Und im Jahr 2025 werde sie immer noch 3% kleiner sein, als man im vergangenen März für 2025 angenommen hatte.

Bereits heute steht Grossbritannien im internationalen Vergleich schlecht da. Im zweiten Quartal war das BIP um knapp 20% zum Vorquartal gesunken. Die Erholung von fast 16% von Juli bis September blieb nicht nur hinter den Erwartungen zurück, sie verlor auch zusehends an Schwung – schon bevor ein zweiter Lockdown für England verhängt wurde. Im dritten Quartal war die Wirtschaft nach offiziellen Angaben noch knapp 10% kleiner im Volumen als Ende 2019. Das ist mehr als doppelt so viel wie in Deutschland, Frankreich, Italien und den USA sowie etwas mehr als in Spanien. Als Gründe gelten unter anderem die Länge und Härte des Lockdowns im Frühjahr sowie die hohe Abhängigkeit von Dienstleistungsbranchen, die besonders unter den Einschränkungen leiden.

Grossbritannien hinkt hinterher

Entwicklung des Bruttoinlandprodukts, viertes Quartal 2019 = 100

Juli 2019Aug. 2019Sept. 2019Okt. 2019Nov. 2019Dez. 2019Jan. 2020Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 202080859095100

Die britische Neuverschuldung klettert laut dem OBR im laufenden Finanzjahr um 394 Mrd. £ oder 19% des BIP, der höchste Wert in Friedenszeiten. Die gesamten Staatsschulden werden über die drei kommenden Jahre hinweg an der Marke von 110% des BIP kratzen. Schatzkanzler Sunak gab zu, dass dieses Niveau mittelfristig nicht tragfähig sei – doch noch wollte er nicht von Steuererhöhungen reden. Zunächst wird nur zaghaft gegengesteuert: Die meisten Staatsdiener und öffentlich Beschäftigten, mit Ausnahme des Gesundheitssektors, müssen auf eine Gehaltserhöhung verzichten. In einem umstrittenen Schritt wird die internationale Entwicklungshilfe von 0,7 auf 0,5% des BIP gekürzt.

Corona spaltet die Staatsfinanzen

Nettoverschuldung Grossbritanniens in % des Bruttoinlandprodukts

2000200120022003200420052006200720082009201020112012201320142015201620172018201920202021202220232024202520406080100120

Schon vor der Pandemie hatte die Regierung von Premierminister Boris Johnson eine höhere Neuverschuldung geplant, um Infrastrukturausgaben für abgehängte Regionen Englands zu finanzieren. Diese Versprechen, die Johnson zu einem fulminanten Wahlsieg im Dezember 2019 verhalfen, stehen weiterhin auf der Agenda. Neu wird eine staatliche Infrastrukturbank geschaffen, und auch ein neuer Fonds soll Geld an die Regionen verteilen. Über fünf Jahre hinweg sind weiterhin Investitionen unter anderem in Strassen, Schulen und Krankenhäuser von 100 Mrd. £ geplant, davon fast ein Drittel im kommenden Finanzjahr. Der Norden Englands wird gegenwärtig von der zweiten Corona-Welle besonders hart getroffen, ebenso von den daraus resultierenden Lockdown-Einschränkungen – Johnsons im Norden gesammelte Vorschusslorbeeren welken.

Unmittelbar weckt die steigende Arbeitslosigkeit Besorgnis, weshalb mehr als 4 Mrd. £ in Jobcenter, Trainings und die Vermittlung von Arbeitsplätzen investiert werden sollen. Zwar ist die britische Variante der Kurzarbeit bis zum Ende des Winters verlängert worden, aber das geschah zögerlich – und dieses Zögern blieb nicht ohne Folgen: Als sich Arbeitgeber auf das ursprünglich geplante Ende der Kurzarbeit im Oktober einstellten, stieg die Zahl der Entlassungen von Juli bis September im Vergleich zum Vorquartal um 181 000 auf 314 000. Beides sind Rekordwerte. Die Arbeitslosenquote kletterte von 4,5 auf 4,8%, wobei jedoch nur Arbeitslose berücksichtigt werden, die aktiv eine Stelle suchen. Das OBR erwartet einen Anstieg der Quote auf bis zu 7,5% im zweiten Quartal 2021.

Brexit als zusätzliche Bürde

Bei dieser Gemengelage wird das bevorstehende Ende der Brexit-Übergangsperiode eine besondere Belastung sein. Gegenwärtig verhandeln London und Brüssel intensiv über ein ab dem Jahreswechsel geltendes Freihandelsabkommen. Ein Scheitern der Gespräche würde Grossbritannien im kommenden Jahr zusätzliche 2% der Wirtschaftsleistung kosten, schätzt das OBR. In diesem vertragslosen Fall gelten im Warenhandel zwischen der EU und der britischen Insel Zölle nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO). Durch den Schaden für die britische Produktivität betrage die Einbusse auch nach fünf Jahren noch rund 1,5%, so das OBR.

Grossbritannien wird zum Jahreswechsel den EU-Binnenmarkt verlassen. Der Gouverneur der Bank of England (BoE), Andrew Bailey, warnte unlängst davor, dass die langfristigen Schäden durch einen No-Deal-Brexit grösser seien als jene durch die Pandemie. Unabhängig vom Verhandlungsausgang sagt die BoE für die ersten drei Monate 2021 einen Brexit-Abschlag für das BIP von 1% voraus – aufgrund der Verwerfungen, die durch notwendige Grenzkontrollen ausserhalb des Binnenmarkts entstehen.

Sie können Benjamin Triebe, Wirtschaftskorrespondent für das Vereinigte Königreich und Irland, auf Twitter folgen.

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