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In der letzten Fernsehdebatte vor der Wahl verzichtet Donald Trump darauf, gegen seinen Kontrahenten Joe Biden zu pöbeln – und verhindert damit ein weiteres Desaster

Während etwas mehr als 90 Minuten haben sich die beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Joe Biden am Donnerstag in Nashville (Tennessee) einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Sie trafen dabei aber einen zivilisierteren Ton als bei ihrem ersten Aufeinandertreffen vor Kameras vor einigen Wochen.

Er gilt gemeinhin als beratungsresistent. Aber der Donald Trump, der am Donnerstag an der zweiten und letzten Fernsehdebatte im Präsidentschaftswahlkampf teilnahm, schien seine Lektion gelernt zu haben. Statt zu pöbeln und seinem Kontrahenten, dem Demokraten Joe Biden, ständig ins Wort zu fallen, wirkte der Republikaner beherrscht. Und konzentriert. Zwar gelang es Trump nicht, das ganze Repertoire der vorbereiteten Attacken an den Mann zu bringen; aber immerhin schaffte es der Präsident, Biden als Berufspolitiker zu karikieren, und ihm vorzuwerfen, er mache leere Versprechen. Im besten Fall wird Trump damit den Absetzungsprozess unter Wechselwählern gestoppt haben, der sich in den vergangenen Tagen angedeutet hatte.

Präsident Donald (li.) mit First Lady Melania und der demokratische Herausforderer und frühere Vizepräsident Joe Biden (re.) mit seiner Frau Jill nach Ende der letzten Fernsehdebatte vor der Wahl am 3. November.

Präsident Donald (li.) mit First Lady Melania und der demokratische Herausforderer und frühere Vizepräsident Joe Biden (re.) mit seiner Frau Jill nach Ende der letzten Fernsehdebatte vor der Wahl am 3. November.

Michael Reynolds / EPA

Trump begann die etwas mehr als 90 Minuten dauernde Debatte, die auf dem Campus der Belmont University in Nashville (Tennessee) über die Bühne ging, mit dem Rücken zur Wand. Die Art und Weise, wie er die Arbeit seiner Regierung in der Coronakrise verteidigte, wirkte alles andere als überzeugend. Der Präsident wirkte herzlos, als er sagte, das Virus werde bald «verschwinden», obwohl mittlerweile wieder täglich gegen 1200 Amerikanerinnen und Amerikaner an den Folgen von Covid-19 sterben. Biden konterte, dass Trump «immer noch keinen» Plan habe, um die Krise zu beenden, obwohl doch schon bald ein «dunkler Winter» vor der Türe stehe.

Recht geschickt wies der Demokrat auch den Vorwurf Trumps zurück, er würde nötigenfalls erneut die gesamte Volkswirtschaft herunterfahren, wenn die Zahl der Coronafälle wieder massiv zunähme. Stimmt nicht, sagte Biden, er würde das Virus einstellen («to shut down»), und nicht die Geschäftswelt. Im Gegensatz zum Präsidenten sei ihm aber bewusst, dass sowohl Konsumenten als auch Unternehmer mehr staatliche Unterstützungszahlungen benötigten, um die Krise zu überwinden. Zurecht verwies Biden auch darauf, dass ein neues Konjunkturprogramm bisher am Widerstand der Republikaner im Senat gescheitert sei, die kein Interesse haben, kurz vor dem Wahltag Milliarden von Dollar an neuen Staatsausgaben zu bewilligen.

Trump gelang es auch nicht, das angeblich korrupte Verhalten Bidens, das in den vergangenen Tagen die konservative Medienwelt in Atem gehalten hat, einem breiten Publikum zu erklären. Zwar tat der frühere Vizepräsident ihm den Gefallen, das Thema aufzubringen, indem er die Vorwürfe gegen seinen Sohn Hunter Biden thematisierte. Trump aber deckte ihn dann mit einer Reihe von Vorwürfen ein, die für den durchschnittlichen Fernsehzuschauer, der die Karriere des Biden-Sprösslings nicht eng mitverfolgt hat, nicht nachvollziehbar waren.

Biden, der Trump im Gegenzug für ein angeblich geheimgehaltenes chinesisches Bankkonto kritisierte, hatte auch einen guten, einstudierten Konter parat. Er sagte, mit Blick in die Kamera: Der Wahlkampf drehe sich nicht um «seine Familie» oder «meine Familie», sondern um «Ihre Familie», die Familie des ganz normalen Amerikaners.

Sowieso: Rhetorisch war Biden besser. Er versprach, Präsident sämtlicher Amerikaner zu sein, und die Spaltung des Landes in «blaue» (demokratische) und «rote» (republikanische) Gliedstaaten zu überwinden. Trump hingegen verglich sich, einmal mehr, mit Abraham Lincoln, als die Präsidentschaftskandidaten über die Beziehungen zwischen weissen und dunkelhäutigen Amerikanern diskutierten.

Trump gelang es aber, Biden etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen – indem er kurzerhand behauptete, dies seien typische Politiker-Phrasen und er sei eben kein typischer Politiker. In der zweiten Debatten-Hälfte warf er Biden zudem immer und immer wieder vor, dass er sich seit fast fünf Jahrzehnten auf der politischen Bühne Washingtons bewege und deshalb wahrlich ausreichend Zeit gehabt habe, all diese Versprechen zu erfüllen. An die Moderatorin, die äusserst fähige NBC-Journalistin Kristen Welker gerichtet, sagte Trump aber: «Er tat überhaupt nichts.»

Biden sagt: «Der Typ ist verwirrt»

Biden wirkte zunehmend genervt über diese Debatten-Strategie des Präsidenten. Als ihn Trump beschuldigte, er wolle den Gesundheitssektor verstaatlichen, sagte Biden: «Der Typ ist sehr verwirrt», weil Trump offenbar glaube, er kandidiere gegen jemand anderen, einem Kandidaten von linken Rand der demokratischen Partei. Dabei habe er, Biden, doch diese anderen Demokraten in den Vorwahlen besiegt. Der Demokrat signalisierte mit einigen pointierten Stellungnahmen aber auch, dass er sehr wohl nach links gerutscht ist. So distanzierte er sich ziemlich energisch von der Einwanderungspolitik der Regierung von Präsident Barack Obama, unter dem er acht Jahre lang als Vizepräsident gedient hatte. Auch kündigte er an, als Präsident würde er dafür sorgen, dass Amerika sich aus der Umklammerung der Ölindustrie löst – eine Aussage, die zwar in der Branche niemanden überraschen wird, die aber vielen Amerikaner zu weit geht.

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