Switzerland

Importe nehmen zu: Geschäfte sollen deklarieren, woher ihr Brot stammt

Künftig sollen Läden, Restaurants und andere Verkaufsstellen schriftlich festhalten, woher ihr Brot kommt. So will es das Parlament. Damit sollen die Konsumenten bewusster einkaufen können.

Hier ist es klar: Das Brot ist selbst gemacht. Doch nicht immer ist uns bewusst, woher das Brot stammt, das wir täglich essen. Das soll nun mit einer Deklarationspflicht geändert werden.

Hier ist es klar: Das Brot ist selbst gemacht. Doch nicht immer ist uns bewusst, woher das Brot stammt, das wir täglich essen. Das soll nun mit einer Deklarationspflicht geändert werden.

Foto: Christian Beutler (Keystone)

Wer kann schon dem Geruch von frischem Brot widerstehen? Was gibt es Leckereres, als in ein noch warmes Stück Brot zu beissen? Aber wissen Sie auch, woher das Brot stammt, das Sie am Sonntagmorgen zum Beispiel an der Tankstelle kaufen? Die naheliegende Antwort wäre ja: Es kommt aus der Schweiz, wird dann vor Ort aufgebacken. Doch dem ist bei weitem nicht immer so. Das soll nun deklariert werden.

Das Parlament will nun das entsprechende Gesetz anpassen. So soll bei Brot, welches direkt oder in verarbeiteter Form verkauft wird, also etwa bei Sandwichs, das Herkunftsland der Backware schriftlich angegeben werden. So wie dies etwa beim Fleisch heute schon üblich ist. Bereits heute könnte man mündlich nach der Herkunft des Brotes fragen.

Viele Schweizer wissen nicht, woher ihr Brot kommt

Offenbar ist vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht wirklich klar, dass nicht alles Brot aus der Schweiz stammt. Eine Umfrage, welche der Verein Schweizer Brot in Auftrag gegeben hat, ergab: «Die Befragten gaben denn auch an, zu 90 Prozent Schweizer Brot zu konsumieren – die Herkunft des Brotes und der verarbeiteten Rohstoffe ist ihnen wichtig.» Das Problem: Hier zeige sich eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Marktzahlen und der eigenen Einschätzung der Konsumenten und Konsumentinnen. «Die Entwicklung der Importzahlen zeigt nämlich einen steigenden Anteil an ausländischem Brot und ausländischen Backwaren», heisst es im Bericht von Schweizer Brot.

Mengenmässig habe der Backwarenimport im Zeitraum von 2007 bis 2017 um 66 Prozent zugelegt, heisst es in einem Marktbericht des Bundesamts für Landwirtschaft. Wie viel davon nun tatsächlich Brot ist, das wir im Laden kaufen oder im Restaurant zu uns nehmen, ist nicht ganz klar: Das hat mit der Zollstatistik zu tun, welche nicht ganz eindeutig ist und noch andere Dinge als Brot zählt. Fest steht aber: Die Zunahme findet statt. Und das auch nach 2017.

Wo die Importware genau verkauft wird, das ist weitgehend im Dunkeln. «Seit die sogenannte Brotkonsumstatistik im Jahr 2010 abgeschafft wurde, ist es schwierig, zu eruieren, in welche Kanäle die Importbrote genau gehen», sagt Urs Wellauer. Er ist Direktor des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbands. Da helfe es, wenn die Konsumenten entsprechend informiert würden, woher das Brot jeweils stamme. Für die Bäckereien sei der Aufwand machbar.

«Wir machen uns keine Illusionen. Es wird wohl auch in Zukunft weiter Brot importiert werden.»

Urs Wellauer, Direktor des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbands

Und: «Wir machen uns keine Illusionen. Es wird wohl auch in Zukunft weiter Brot importiert werden. Aber: Wenigstens werden die Kundinnen und Kunden darüber informiert, und im Zusammenhang mit Corona gehen wir davon aus, dass sie bewusster einkaufen.»

Migros und Coop verkaufen gemäss eigenen Angaben praktisch nur Brot aus der Schweiz. Bei Coop stammten fast 100 Prozent der Frischbrote aus der Schweiz, heisst es auf Anfrage. Bei Aufbackbroten oder Toastbrot gibt es aber auch Ware, die importiert wird. Die Migros-Bäckerei Jowa produziere 98 Prozent der Brote in der Schweiz, sagt eine Sprecherin. Bei den restlichen Artikeln handle es sich um Produkte, bei welchen spezifische Getreide in der Schweiz nicht verfügbar seien und diese deshalb aus dem nahen Ausland stammten.

Künftig soll deklariert werden, woher das Brot beim Sandwich stammt.

Künftig soll deklariert werden, woher das Brot beim Sandwich stammt.

Foto: Martin Rütschi (Keystone)

Bei Aldi stammten 80 Prozent der Brote aus der Schweiz. Die importierten Waren kämen hauptsächlich aus Frankreich, Österreich, Deutschland und Italien, heisst es auf Anfrage. Dabei handle es sich um landestypische Backwaren wie das «Französische Baguette». Dasselbe ist beim Discounter Lidl zu hören. Rund 75 Prozent des Angebots stammten aus der Schweiz. Dieses werde mit Spezialitäten aus der EU ergänzt.

Mit neuer Marke Schweizer Brot stärken

Klare Opposition gegen den Vorstoss kam von Gastro Suisse, Hotelleriesuisse, der Swiss Catering Association und dem Verband Tankstellenshops Schweiz. Entsprechend liegt es nahe, dass die Importware in diesen Kanälen verkauft wird. Für die IG Detailhandel sei der Geltungsbereich der Motion nicht im Detail geklärt. Sie stehe dem Vorstoss deshalb mit einer gewissen Zurückhaltung gegenüber und beobachte die laufende Entwicklung. Aber: Falls der Vorstoss eng ausgelegt werde und tatsächlich nur für Brot und Backwaren wie etwa Sandwichs im Offenverkauf gelte, bedeute er für die Detailhändler einen zusätzlichen Aufwand, der aber umsetzbar sei.

Doch nicht nur auf dem gesetzlichen Weg wird beim Thema Brotherkunft vorwärtsgemacht. Fritz Glauser, Präsident beim Schweizerischen Getreideproduzentenverband, sagt zum Vorstoss: «Uns ging es vor allem darum, dass die Konsumenten zumindest wissen, dass gewisses Brot nicht aus der Schweiz stammt.» Um dem Umstand Rechnung zu tragen, will die Branche nun reagieren. Gemeinsam mit dem Verein Schweizer Brot will sie die Marke Schweizer Brot stärken und auch offensiv damit werben, wie Fritz Glauser sagt.

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