Switzerland

Impfstoff gegen Technologiemüdigkeit

In den vergangenen Tagen zeigte sich eine Verschiebung von Tech- zu Pharma-Werten. Besonders im Fokus stehen Impfstoffhersteller. Sie haben den Schlüssel zur Wirtschaftserholung in der Hand – doch grosse Erfolge sind bereits eingepreist.

Ein Covid-19-Impfstoff würde dabei helfen, die Unsicherheit und damit die Volatilität aus dem Markt verschwinden zu lassen.

Ein Covid-19-Impfstoff würde dabei helfen, die Unsicherheit und damit die Volatilität aus dem Markt verschwinden zu lassen.

Ng Han Guan / AP

Nur etwas kann der Wirtschaft und damit auch der Börse kurzfristig die Zuversicht zurückgeben – ein Impfstoff gegen Covid-19. Der September, der Monat, in dem die Anleger angehalten wären, wieder in Dividendenpapiere zurückzukehren, nachdem sie sich im Mai davon verabschiedet haben, ist bisher enttäuschend ausgefallen. Der SMI notiert ziemlich genau auf dem Stand vom 1. September. Bis Mitte September kletterte das Schweizer Blue-Chip-Barometer aber vorübergehend auf fast 4%.

Der technologielastige US-Index Nasdaq Composite verlor dagegen im September bis anhin über 12%. Der Volatilitätsindex der Nasdaq, der unter «normalen» Umständen auf rund 15 notiert, ist wieder auf 35 gestiegen – im März notierte der Index kurz auf über 78. Am US-Aktienmarkt gab es im laufenden Jahr 24 Tage, an denen die Kurse um mehr als 2% korrigierten. Das gab es im laufenden Jahrtausend erst dreimal: in den Jahren 2002, 2008 und 2009.

Covid-19 paralysiert den Markt

Damit die Unsicherheit und damit die Volatilität aus dem Markt verschwinden, brauchte es einen Covid-19-Impfstoff. In den vergangenen Wochen ist eine Entspannung in der Corona-Pandemie zur Illusion geworden. Die Zahl der festgestellten Infektionen wächst weltweit. Als Reaktion verschärfen die Regierungen Einreise- und Schutzbestimmungen. Die Wirtschaft, allen voran Branchen wie Luftfahrt, Kreuzfahrt und Hotellerie, muss die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Verbesserung ohne ein Vakzin gegen Corona weiter aufschieben. Dabei überschlugen sich in den vergangenen Wochen die Meldungen um eine baldige Zulassung erster Impfstoffe, und die Aktien von Impfstoffentwicklern gingen durch die Decke.

Der Wechsel des Anlegerfokus von Amerika nach Europa ist auch eine Wette auf Pharma und gegen Technologie. Der Anteil von Pharmaunternehmen im Stoxx-50-Index ist annähernd so gross wie jener von Technologie im S&P-500 (28%).

Fast 200 Impfstoffprojekte

Gemäss WHO sind seit Jahresbeginn 195 Impfstoffprojekte gestartet worden. Die Zulassung von Impfstoffen umfasst drei Phasen mit Freiwilligen. In Phase I wird an 10 bis 30 Freiwilligen die Verträglichkeit geprüft. In Phase II werden an bis zu 500 Probanden die Dosierung und die Immunantwort getestet. In Phase III wird mit mehreren tausend Freiwilligen die Zuverlässigkeit des Schutzes festgestellt. Der russische Impfstoff «Sputnik V» wurde zugelassen, bevor die dritte Phase überhaupt begonnen wurde.

In Phase III befinden sich gegenwärtig zehn Impfstoffe. Drei dieser Anwendungen stammen aus China und eine aus Russland. Am Freitag gab das US-Unternehmen Novavax bekannt, dass in Grossbritannien Phase III der Wirksamkeitsstudie für die eigene Covid-19-Impfung gestartet wurde. Die Aktien legten zum Handelsstart über 7% zu. In dieser Woche ist auch Johnson & Johnson in diesen Kreis aufgestiegen. Bis zu 60 000 Freiwillige auf drei Kontinenten sollen die Sicherheit und die Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten testen. Die Besonderheit des Mittels ist, dass nur eine Dosis ausreichend Schutz bieten soll. Der Impfstoff soll dereinst auch im eigenen Werk in Bümpliz (Janssen Vaccines) produziert werden.

Aus Euphorie wird schnell Skepsis

Wie schnell die Euphorie in Skepsis umschlagen kann, erlebte vor zwei Wochen der schwedisch-britische Konzern Astra-Zeneca. Das Unternehmen unterbrach die Phase-III-Studie des neuartigen Covid-19-Impfstoffs, der in Kooperation mit der Universität Oxford entwickelt wurde. Angeblich stellte man bei einer Probandin eine Entzündung des Rückenmarks fest. Vor wenigen Tagen entwickelte ein zweiter Proband neurologisch auffällige Symptome. Astra-Zeneca will aber am bisherigen Zeitplan festhalten. Am Tag, als der Studienstopp bekannt wurde, brachen die Titel des Pharmakonzerns, der noch zahlreiche Anwendungen auf dem Markt und in der Pipeline hat, vorübergehend über 8% ein.

Aktienkurs von Moderna

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Jan. 2020Sept. 2020Date020406080100

Bereits im Juli mit Patiententests begonnen haben die US-Biotech-Firma Moderna und die deutsche Biontech mit ihrem Partner Pfizer. Beide Projekte haben bereits rund 30 000 Freiwillige in die Studie aufgenommen. Diese beiden Anbieter gehen im Idealfall davon aus, dass breite Impfungen noch in diesem Jahr aufgenommen werden können. Auch die übrigen in Phase III befindlichen Mittel rechnen bei idealer Entwicklung mit einer Markteinführung früh im Jahr 2021.

Auch Auftragsproduzenten im Hoch

Von der Zuversicht der Börse profitieren auch die Aktien der Produzenten des Impfstoffs. So ist die Schweizer Lonza mit ihren Werken in Visp und den USA die Produktionspartnerin von Moderna. Die deutsche Dermapharm gab vor kurzem bekannt, dass sie für Biontech Produktionskapazität zur Verfügung stelle. Mit der Herstellung des Vakzins wird bereits vor der Zulassung begonnen, so dass bei einer positiven Zulassung möglichst schnell geliefert werden kann. Die Aktien von Lonza haben im laufenden Jahr bereits 60% gewonnen, jene von Dermapharm 10%.

Aktienkurs von Biontech

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Jan. 2020Sept. 2020Date020406080100120

Die Aktienwerte der hier erwähnten Impfstoffentwickler und -produzenten sind in den vergangenen Wochen stark gestiegen – teilweise fast explodiert. Rückschläge in der Entwicklung und der Zulassung führen deshalb zu grossen Rückschlägen. Die Unternehmen, die als Erstes einen Impfstoff auf dem Markt haben, werden ein gutes Geschäft machen. Pharmakonzerne wie Pfizer und J&J haben angekündigt, keinen grossen Profit aus der Impfung ziehen zu wollen. Bei kleineren Biotech-Firmen und den Auftragsproduzenten dürfte dies etwas anders aussehen. Die ersten Anbieter, die einen wirksamen Impfstoff anbieten können, werden über mehrere Jahre grosse Mengen des Stoffs absetzen können. Das dürfte den Aktienkurs nochmals markant antreiben.

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