Switzerland

«Im Schaukasten»: Das Strohmuseum im Wohler Park

Strohhüte, hergestellt im Freiamt und aus Freiämter Stroh, schmückten während der letzten Jahrhunderte Häupter weltweit. Die Gemeinde Wohlen im Kanton Aargau, damals «Chly Paris» genannt, galt als Stroh- und Modemetropole, denn von dort wurden die schicken Hüte nach Paris, Berlin, Wien oder New York gesendet.

In der altehrwürdigen Villa Isler, mitten in einem pittoresken Park in Wohlen, befindet sich das Strohmuseum. Die Ausstellung zur Wohler Strohkunst ist in hellen Räumen untergebracht und beginnt mit einer kurzen Video-Einführung. Die Stimme eines alten Herren erklingt. Es hört sich an, als käme er aus einem anderen Jahrhundert. Das stimmt.

Der Sprechende stellt sich als Jakob Isler vor, passend dazu wird an der Wand ein Porträt von ihm beleuchtet. Er erzählt, dass Stroh lange als Abfallprodukt galt, bis die Freiämterinnen und Freiämter in Heimarbeit anfingen, daraus Hüte zu flechten. Isler gründete um 1780 eine erfolgreiche Handelsgesellschaft für Strohprodukte. Dabei kam er zu grossem Reichtum. Er erzählt: «Deswegen konnte ich mir auch diese Wohnvilla bauen lassen, für mich und meine Familie.»

Dann entlässt Isler die Besucher in die anderen Räume seines Hauses. Im Obergeschoss beginnt die Ausstellung. Immer noch mit den Worten des Fabrikanten im Ohr, dass er selbst in diesem Haus mit seiner Familie gewohnt hat, lassen sich beinahe die stampfenden Füsse der Kinder auf dem Parkett hören.

Nur eines von vielen Stroherzeugnissen des Wohler Museums.

In der Ausstellung erfahren die Besucher, wie der Strohhut von einem einfachen Sonnenschutz für Arbeiter zum modischen Accessoire wurde. Die ausgestellten Hüte überbieten sich selbst in Feinarbeit, Geschick und Eleganz. In einem kleinen Raum, so eingerichtet wie ein altmodisches Badezimmer, läuft französischer Chanson. Ein Mädchen, mit ihren Grosseltern auf Besuch im Strohmuseum, probiert gerade verschiedene Hüte an und hat grosse Freude daran.

Bei Kindern sorgt im Strohmuseum das Maskottchen Zaggli für Unterhaltung. Die jungen Besucher bekommen beim Eintritt einen speziellen Schlüssel, mit dem sie im Haus versteckte Boxen öffnen und Rätsel lösen können.

Vom Trocknen des Strohs bis zur Herstellung aufwendiger Bordüren ist die Ausstellung mit interaktiven Tools ausgestattet. So zeigt eine Freiämterin in Videos, wie sie Stroh flechtet und webt. In Tonaufnahmen erfährt man mehr über den Strohhandel oder hört ein Gedicht über Freiämterinnen, die in Heimarbeit Stroh verarbeiteten. Und ganz geschickte Besucher können sich gleich selbst im Strohflechten üben.