Switzerland

«Im Home-Office braucht man keine Feinstrumpfhose»

Der deutsche Strumpffabrikant Franz-Peter Falke ist ein Südafrika-Fan. Während der Corona-Krise aber wird die Treue zu dem Standort auf eine harte Probe gestellt.

Franz-Peter Falke ist ein Südafrika-Fan.

Franz-Peter Falke ist ein Südafrika-Fan.

PD

In normalen Zeiten würde Franz-Peter Falke jetzt vermutlich auf seiner Weinfarm «Groenvlei» in der Weinregion am Kap weilen und die ersten Tropfen des eigenen 2020er Jahrgangs verkosten. Schon seit Jahren fliege er einmal im Monat nach Südafrika, erzählt der Chef des deutschen Strumpf- und Sockenfabrikanten Falke. Der Grund ist weniger die Weinfarm – «ein schönes Hobby», wie er sagt – als die dortige Sockenproduktion. Südafrika ist einer von sieben Auslandsstandorten. Zwei Werke dort beliefern überwiegend den amerikanischen Markt.

Statt auf einer sonnenüberfluteten Terrasse sitzt Falke mehr als 10 000 Kilometer entfernt an seinem Schreibtisch in Deutschland vor einem Regal. Die Corona-Krise hat dem Hin- und Herjetten ein jähes Ende bereitet. Das sei nicht einfach, sagt er per Videoanruf. «Man kann eine Menge mit Videokonferenzen regeln, aber eben nicht alles.»

Der 69 Jahre alte Falke ist ein Grandseigneur der Strumpfwelt. Sein Urgrossvater Franz Falke-Rohen hatte 1895 das Unternehmen in Schmallenberg im Sauerland, bis heute der Stammsitz, gegründet. Er war Dachdecker, arbeitete zuerst im Winter als Tagelöhner in einer Strickerei. Sein Sohn, ein gelernter Schirmmacher, baute das Geschäft aus und erwarb 1939 die Strickwarenfabrik eines jüdischen Unternehmers. In den fünfziger Jahren dann übernahmen die Söhne Paul und Franz-Otto den Betrieb, und seit 1990 teilen sich deren Söhne, Franz-Peter und Paul, die Unternehmensleitung.

So viel Tradition kann man sich nicht entziehen. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass er oder einer seiner Brüder die Geschäftsführung übernehme, erinnert sich Falke. Sie hätten den Betrieb schon als Kinder miterlebt. Zunächst aber kamen klassische Lehrjahre: Abitur, Studium an der Universität St. Gallen, Berufserfahrung bei einem Nahrungsmittelkonzern. Im Familienunternehmen trieb er dann mit seinem Cousin die internationale Expansion voran. «Produziert wird bis heute überwiegend in Deutschland», sagt er und schiebt hinterher: Bei der Veredelung, die viel Handarbeit erfordere, sei man dort aber nicht mehr konkurrenzfähig. Alle Auslandswerke gehörten zu hundert Prozent zum Unternehmen. Das sei nötig, um Qualitätsstandards zu wahren.

Die Entscheidung, ausgerechnet in Südafrika Strümpfe und Socken zu produzieren, beruhte indes weniger auf Kostengründen. Sein Vater und sein Onkel hätten das Land in den siebziger Jahren besucht und seien begeistert gewesen. «Im Nachhinein sagt jeder, solche Schritte seien strategisch geplant gewesen, aber das ist meistens Quatsch.»

Leicht war das Unterfangen nicht, zumal Südafrika wegen der Politik der Apartheid immer mehr unter Druck geriet. Mitte der achtziger Jahre verhängten zahlreiche Länder Wirtschafts- und Finanzsanktionen. Doch sie waren begrenzt, wiesen Lücken und Ausnahmemöglichkeiten auf. Den deutschen Sockenhersteller hatten die Sanktionen nicht direkt getroffen. Man habe damals nur den lokalen Markt beliefert, erklärt Falke. Im Unternehmen habe man sich an die gleichen Werte und Prinzipien wie überall auf der Welt gehalten.

Seit dem Ende der Apartheid spielt die Politik des Black Economic Empowerment eine zentrale Rolle. Grössere Unternehmen können die Regeln kaum ignorieren. Grundsätzlich sei die Politik richtig, aber für Mittelständler stelle sie eine Herausforderung dar, sagt Falke, der auch Vizepräsident der deutschen Handelskammer im südlichen Afrika ist. Wenn es beispielsweise um die Beteiligung schwarzer Investoren gehe, werde die Sache kompliziert. Bisher sei Falke nicht zur Abgabe von Unternehmensteilen gezwungen gewesen, und auch in Zukunft sei man dazu nicht bereit. «Wir sind und bleiben ein Familienunternehmen.»

Derzeit stellt freilich die Corona-Pandemie die grösste Herausforderung dar. Südafrikas Regierung hatte auf die Krise im vergangenen Jahr mit drastischen Ausgangssperren reagiert. Anders als in Europa verflüchtigte sich die Hoffnung auf ein milliardenschweres staatliches Hilfsprogramm rasch. Oft kamen die Corona-Hilfen bei den Empfängern gar nicht an. «Es war ein riesiges Tohuwabohu», sagt Falke kopfschüttelnd, «wir haben unsere Leute zuerst weiterbezahlt. Danach haben wir versucht, unbürokratisch zu helfen. Bei vielen ging es um die nackte Existenz.»

Seit August läuft die Produktion wieder, aber nicht auf vollen Touren. Der Sockenfabrikant stellt auch international eine schwache Konsumneigung fest. Falke macht sich keine Illusionen: Wer im Home-Office arbeite, brauche nun einmal keine Feinstrumpfhose. Auch feines Garn für den Herrn – die beiden Falke-Chefs sind überzeugte Verfechter von Kniestrümpfen statt Socken – sei weniger gefragt. Gut laufe das Geschäft mit Sportsocken.

Gründe, nach Südafrika zu reisen, gebe es genug. Am liebsten stiege er morgen in ein Flugzeug, sagt der Unternehmenschef wehmütig zum Abschluss. Aber die Corona-Pandemie fegt nun heftiger durch das Land als zuvor. Seine Weinfarm ist geöffnet, doch Weine werden nicht ausgeschenkt, weil die Regierung abermals den Verkauf von Alkohol verboten hat.

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