Switzerland

Im Corona-Winter kann Grossbritannien nicht jeden Job retten – und will es zum Glück auch nicht versuchen

Die britische Insel wurde von einer zweiten Corona-Welle erfasst. Erst folgten neue Restriktionen, jetzt neue Wirtschaftshilfen. Doch die Wunderwaffe Kurzarbeit wird zu Recht langsam demontiert.

Die frühe Sperrstunde ist ein Rückschlag für die britischen Wirte.

Die frühe Sperrstunde ist ein Rückschlag für die britischen Wirte.

Peter Summers / Getty

Der Staat gibt, der Staat nimmt. London hat manchen Briten in dieser Woche die wirtschaftlichen Perspektiven genommen, als es die Sperrstunde in der Gastronomie nach vorn verlegte und für Büroangestellte die Rückkehr zur Heimarbeit anordnete. Das schädigt Pubs und Restaurants, Transportunternehmen und Läden in den Innenstädten und drückt auf die Konsumentenstimmung. Am Donnerstag hat der Staat auch wieder gegeben. Viele Corona-Hilfen werden verlängert, auch die britische Variante der Kurzarbeit – um sechs Monate, genau wie die Restriktionen. Das ist eine Kehrtwende. Eigentlich hätte die Kurzarbeit, ein für britische Verhältnisse revolutionäres und ungewohntes Instrument, Ende Oktober auslaufen sollen.

Kommando zurück

Es ist auch ein Hinweis auf ein politisches Debakel. Noch vor vier Wochen tat die Regierung von Premier Boris Johnson alles, um die Briten zu einer Rückkehr an die Bürostandorte zu bewegen oder dazu, zum Shoppen und zum Essen zu gehen. Schatzkanzler Rishi Sunak hatte im August gar ein weltweit einmaliges Subventionsprogramm für Restaurantbesuche aus dem Boden gestampft. An bestimmten Tagen übernahm der Staat die Hälfte der Zeche (Alkohol ausgenommen). Darum ist die frühe Sperrstunde, in Kombination mit alten Kapazitätsbeschränkungen und neuen Kontaktregeln, solch ein Rückschlag für die Wirte.

Die Sommerruhe war kurz und trügerisch. Pünktlich mit dem Neustart der Wirtschaft Anfang September schoss die Zahl der Corona-Infektionen in die Höhe. Am Mittwoch wurden im Vereinigten Königreich mehr als 6000 neue Fälle gemeldet. Das war nahe am landesweiten Rekordwert von Anfang Mai. Zwar wird nun deutlich mehr getestet, aber der Anteil positiver Tests steigt ebenso wie die Zahl der Hospitalisierungen. Gleichzeitig läuft die Kontaktverfolgung schlecht, und die Laborkapazitäten halten dem Testansturm nicht stand. Die Regierung hat den Sommer nicht optimal genutzt, um sich für den Herbst zu wappnen. Eine Verschlechterung der Lage und damit weitere Einschränkungen sind wahrscheinlich.

Ein Plan für einen langen Winter

So kommt es nicht von ungefähr, dass Rishi Sunak die nun verkündeten Hilfen als «Winterwirtschaftsplan» bezeichnet. Grossbritannien ist traditionell ein Land mit einem sehr liberalen Arbeitsmarkt. Unkompliziertes Entlassen und unkompliziertes Einstellen machen die Wirtschaft dynamisch und anpassungsfähig. Doch die Corona-Rezession wurde durch staatliche Eingriffe erzeugt – ein Sonderfall. Aussergewöhnlich schnell hat sich London deshalb auf die Rezepte des Kontinents besonnen, vor allem auf diejenigen Deutschlands, um die Wirtschaft «einzufrieren».

Die britische Version der Wunderwaffe namens Kurzarbeit war anfangs starr, wurde später aber nicht nur flexibilisiert, sondern zum Herbst hin auch eingeschränkt. Das setzt sich im Winterplan fort, der «furlough»-Zustupf sinkt: Wenn ein Unternehmer einen Vollzeitangestellten künftig in Teilzeit beschäftigt, übernimmt der Staat nur noch maximal 22 Prozent des Vollzeitlohns. Bisher kostete die Kurzarbeit die britischen Steuerzahler 46 Milliarden Franken. Die Rechnung für das Winterhalbjahr könnte einen Zehntel betragen.

Biegen, nicht brechen

Sunak sagt, er könne nicht jeden Job retten. Er soll es auch gar nicht versuchen. Die schleichende Demontage der Wunderwaffe zeugt von der weiterhin geltenden Einsicht, dass Strukturkonservierung und die Rettung überlebensunfähiger Firmen kein Ziel sein dürfen. Der Ruf der Labour-Opposition, Kurzarbeit für einige Sektoren einfach unverändert weiterzuführen, verhallte zu Recht ungehört. Der Finanzminister biegt die Prinzipien des britischen Arbeitsmarkts noch etwas länger, aber er bricht sie nicht. Er sucht die Balance. Das ist in einer Regierung unter Führung des Opportunisten Boris Johnson ein Lob wert.

Sie können Benjamin Triebe, Wirtschaftskorrespondent für das Vereinigte Königreich und Irland, auf Twitter folgen.

Football news:

PSG ist an einer Einladung von Zinedine zidane zum Cheftrainer Interessiert. Die Vertreter des Pariser Klubs hätten in den vergangenen Wochen Kontakt zum Trainer von Real Madrid gehabt, sagte Okdiario-Journalist Eduardo indua in der Sendung El Chiringuito. Der 48-jährige kehrte 2019 nach einer Pause auf den posten des Cheftrainers der Cremes zurück und gewann 2020 die Spanische Meisterschaft
Flick-Assistent - Plus 1000 Punkte für die Atmosphäre in Bayern. Er startete die Karriere von Müller und Lama, stellte Pep in die Bundesliga vor, brachte Coman bei, seit 30 Jahren im Verein zu spielen
Milan 11 Spiele in Folge erzielt 2 + Tore und wiederholt seinen Rekord von 1959
Harry Kane: dieser Tottenham kann etwas besonderes erreichen
Mourinho über die Verbindung von Son und Kane: die Verständigung kam seit Pochettino. Tottenham-Trainer José Mourinho hat sich über die Verpflichtung von Nationalspieler Son Heung-Min und Stürmer Harry Kane geäußert
Bernard Silva: wenn Manchester City Mbappé kaufen könnte, wäre es gut, wenn Manchester City Mittelfeldspieler Bernard Silva sagen würde, wen er gerne als citizens sehen würde
Bartomeu antwortete Piqué: es sei nicht Wahr, dass Barcelona Geld für die Kritik der Spieler in den sozialen Netzwerken ausgegeben habe. Der Präsident des FC Barcelona, Josep Bartomeu, hat die Aussage von Verteidiger Gerard Piqué widerlegt, dass der Klub negative Rückmeldungen von Spielern in den sozialen Medien bezahlt habe