Switzerland

Ihre Tiere verstecken sich mitten im Wald: Erika Müller hat ein kleines Ausflugsziel geschaffen

Eine Wildsau trottet durch den Wald, ein paar Meter weiter schlendert ein Dachs vorbei. Und wer genau hinsieht, entdeckt auch den Tausendfüssler, der gemächlich den Baum hochkraxelt. Insgesamt über 20 Tiere tummeln sich in der Nähe der Kreuzung im Lengnauer Wald bei Himmelrich oberhalb der Wannewies.

Die Rede ist aber nicht von echten Waldtieren: Sie sind alle von Hand gemacht, aus Naturmaterialien wie Heu, Moos und Nüssen. Geschaffen hat sie die Lengnauerin Erika Müller.

Das erste Tier, ein Vogel aus Moos, Tannzapfen und Schneckenhäuschen, kreierte und stellte die 57-Jährige im vergangenen Frühling während des ersten Lockdowns zusammen mit ihrem Sohn auf. Seither thront der Vogel auf einen Baumstrunk neben dem Schild, das in Richtung Etelweiher zeigt – und hält bisher allen Witterungen stand:

«Wir waren während des Lockdowns oft im Wald unterwegs», sagt Erika Müller. «Der Wald war für mich schon immer etwas Wichtiges.» Dabei sei die Idee entstanden, Waldtiere herzustellen, um sich sinnvoll zu beschäftigen. Bedingung war, Materialien zu verwenden, die sie entweder noch Zuhause hatte oder in der Natur finden konnte: Birkenrinden, Stecken, Heu, Moos, Nüsse, Schneckenhäuschen, Knopfaugen für Teddybären und Rebdrähte, die sich wieder auflösen. «Einkaufen konnte man ja damals nicht, da alle Läden geschlossen waren.»

Kinder suchen regelmässig nach neuen Tieren

Die Spaziergänger freuten sich über die kleinen Kunstwerke, und Erika Müller erhielt immer wieder Rückmeldungen. «Verschiedene Leute haben mir spontan geschrieben und sich bedankt», sagt die Lengnauerin. «Das hat mich motiviert, auch im Sommer nach dem Lockdown weiterzumachen.» Regelmässig kamen zu den bisherigen Kunstwerken neue hinzu. Und immer wieder streiften Erwachsene und Kinder durch den Wald rund um die Kreuzung auf der Suche nach neuen Tieren.

«Es ist erstaunlich, dass niemand die Tiere kaputt gemacht hat», sagt ein Lengnauer, der gerade mit seinen Walking-Stöcken im Wald unterwegs ist und regelmässig an den Tieren vorbeiläuft. Das kann auch Erika Müller bestätigen, die soeben den Hasen mit einem neuen ersetzt hat. Er stand seit Ostern dort und begann nach über acht Monaten dem Wetter ausgesetzt zu zerfallen. Der Igel ist bereits auseinandergebrochen und kaum mehr zu erkennen.

Ein Vogel stahl Baumnuss des Eichhörnchens

Nur die Kröte, die direkt am Wegrand stand, ist spurlos verschwunden. «Wahrscheinlich hat sie ein Tier mitgeschleppt», sagt Erika Müller. Und die Baumnuss, die das Eichhörnchen in der Hand hält, verschwand regelmässig:

Sie vermutet, dass ein Vogel die Nuss stahl. «Ich versuchte es zuerst mit einer leeren Nuss.» Aber auch die verschwand. «Unterdessen habe ich sie mit einem Draht befestigt», erzählt die Lengnauerin mit einem Schmunzeln.

Auch sonst hat sie immer wieder Anpassungsarbeiten gemacht wie Öhrchen ersetzt. Erika Müller rechnet damit, dass bis im Frühling die Tiere wohl zerfallen sind. «Das aktuell nasse Wetter mit dem vielen Schnee wird dies noch beschleunigen.» Ob sie weiterhin Tiere ersetzt oder neue schafft, ist noch nicht klar. «Unterdessen habe ich viele Waldtiere gemacht», sagt sie. «Da sie aus Naturmaterialien sind, sind sie vergänglich – und es darf auch wieder etwas Neues kommen.»

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