Switzerland

Ihr Baby wird zehn: Wie die Ballettschülerinnen zu Tanzschulleiterinnen wurden

Das üppige violett-grüne Graffiti sticht beim Betreten des Raums sofort ins Auge. «Moove Dance Studio», steht verschnörkelt an der Wand neben den grossen Spiegeln geschrieben. «Ein Kollege von mir hat das Graffiti für uns entworfen, als wir vor neun Jahren diesen Raum bezogen und umgebaut haben», sagt Houefa Phillip. Sie und ihre Freundin Morena Toma gründeten die Tanzschule «Moove Dance Studio» im Oktober vor zehn Jahren.

Im Untergeschoss an der Kirchstrasse 21 in Dietikon hat sich seitdem einiges getan. «Zu Beginn haben wir den Raum unserer ehemaligen Ballettlehrerin Penny Pelger übernommen. Mit der Zeit kamen drei weitere Lagerräume hinzu, die wir tanztauglich machten. Wir haben gestrichen, die Räume abgetrennt und einen Schwingboden eingebaut», erzählt Morena Toma und öffnet den Saal mit den lila-farbenen Wänden.

Einige Kinder besuchen vier verschiedene Tanzkurse

Der Ort bedeutet den beiden Frauen viel. Hier lernten sie sich im Unterricht kennen, hier übten sie ihre Choreografien für ihre eigenen Bühnenauftritte und hier wurden sie zu Geschäftsinhaberinnen. «Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben. Wir haben bei null angefangen, hatten keine Kundschaft, keine Erfahrung und nur wenig finanzielle Mittel», sagt Toma. Ihre Devise sei gewesen: «No risk, no fun.» Das Risiko hat sich gelohnt. Mittlerweile beschäftigen die beiden fünf Angestellte – darunter auch ehemalige Schützlinge und Familienmitglieder – und betreuen rund 200 Tanzschülerinnen und -schüler aus dem Zürcher und Aargauer Limmattal sowie dem Mutschellen. Erwachsene, Kinder ab vier Jahren und Jugendliche besuchen im «Moove Dance Studio» Jazz-, Zumba-, Ballett-, Hip-Hop-, Meditations- und Contemporary-Kurse. Vor allem die Kinder seien sehr ehrgeizig. «Einige belegen bei uns Kurse in vier verschiedenen Tanzstilen», erzählt Phillip.

Dass sie diesen Monat ihr Zehn-Jahr-Jubiläum feiern können, findet die 39-jährige Bergdietikerin unglaublich. «Die Zeit verging wie im Flug. Nach einem erfolgreichen 2019 bereitet uns dieses Jahr die Coronapandemie Sorgen. Ich habe gehofft, dass wir bis zum Jubiläum durchhalten», sagt Phillip. Den Lockdown und die dreimonatige Schliessung hat die Dietiker Tanzschule gut überstanden. «Es gab nach der Wiedereröffnung niemanden, der wegen des Virus nicht mehr ins Tanzen kommen wollte. Dank unserer Grösse und unseren treuen Schülern sollten wir die schwierige Zeit meistern», sagt Phillip.
Getanzt wird im «Moove Dance Studio» ohne Maske. «Eltern dürfen die Kinder aber nicht mehr nach unten in die Räume begleiten und in den Garderoben und in den Gängen herrscht Maskenpflicht», sagt Toma, die in Dietikon aufgewachsen ist. Die Tanzschulleiterinnen sind streng: «Wer sich nicht gut fühlt, bleibt zu Hause.» Die Schüler könnten die Kurse gratis nachholen und müssten keine Angst haben, dass sie etwas verpassen, sagt die 35-Jährige.

Den Stress in der Schule beim Tanzen vergessen

Wenn es nochmals zu einem Lockdown kommen würde, könnte es aber knapp werden, sind sich die beiden Frauen sicher. «Es wäre ein absoluter Horror. Daher hoffen wir, dass höchstens die Schutzmassnahmen erhöht werden. Wir tanzen lieber mit Masken, als wieder schliessen zu müssen», sagt Phillip. Vor allem für die Kinder und Jugendlichen sei der Ausgleich zur Schule wichtig. «Der Druck und Stress in der Schule nimmt zu. Hier bekommen sie den Kopf frei und können Dampf ablassen», sagt Toma. Zudem konnten Schülerinnen und Schüler beim Tanzen Ängste abbauen. «Als wir nach dem Lockdown wieder öffneten, kamen viele, vor allem Kinder, zu uns in den Unterricht und fragten, ob sie wegen des Virus jetzt sterben werden. Wir versuchten, sie zu beruhigen und ihnen die Ängste zu nehmen, indem wir sie ablenkten.»

Mittlerweile ist die Panik verflogen und auch die Inhaberinnen wollen erst einmal nicht an einen zweiten Lockdown denken. Sie freuen sich, dass sie in ihrem Studio ihrer Leidenschaft nachgehen und weitergeben können. «Wenn du deine Passion zum Beruf machen kannst, ist das eine Bereicherung. Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun», sagt Toma, die vor der Eröffnung der Tanzschule als Dentalassistentin arbeitete. Sie und Phillip absolvierten eine dreijährige Ausbildung im zeitgenössischen Bühnentanz an der Zürcher Tanz- und Theaterschule. «Pro Monat zahlten wir 1100 Franken Studiengebühren. Wir finanzierten alles selbst. Es war eine strenge, aber auch eine schöne Zeit», blickt Toma zurück.

Neben den beiden Tanzräumen befindet sich ein Zimmer, in dem die Leiterinnen die Kostüme und Bühnenelemente aufbewahren. In der Ecke stehen verschiedene farbige Kugeln. «Das sind die Planeten, die wir für unsere letzte Aufführung im Juni 2019, gebastelt haben», sagt Phillip. Der Auftritt fand in der Kantonsschule Rämibühl in Zürich unter dem Motto «Planets of Dance» statt. «Im Limmattal fehlen uns leider Veranstaltungsorte. Wir haben bis zu 1000 Gäste und brauchen grosse Säle, Bühnen und Garderoben.» Entweder passe die Infrastruktur nicht oder die Lokale wie etwa die Stadthalle Dietikon seien zu teuer. «Wir sind keine Konzertveranstalter, sondern eine Tanzschule und können nicht 80 Franken pro Eintritt verlangen», findet Phillip.

Anlässlich des runden Geburtstags wäre im Frühjahr 2021 eine Tanz-Show geplant gewesen. Doch aufgrund der Corona-Unsicherheiten haben Toma und Phillip den Anlass verschoben. «Wir nehmen unsere Tanzstunden nun auf und schneiden Videos zusammen. Dann haben unsere Schülerinnen und Schüler trotzdem etwas, das sie zu Hause zeigen können», so Toma.

Hochzeit und Geburtstag tänzerisch begleiten

Ein weiteres Ziel der beiden ist, künftig mehr Events zu organisieren. So zum Beispiel Tanzkurse für Kindergeburtstage in ihrem Studio auf die Beine zu stellen. «Doch im Moment müssen wir warten, bis sich die Lage mit dem Virus verbessert.» Toma begann vor der Pandemie zudem, mit Hochzeitspaaren zu arbeiten. «Ich studiere mit ihnen und manchmal auch mit mehreren Personen der Hochzeitsgesellschaft Tänze ein. Ich hoffe, dass wir das intensivieren können.»

Der Wille und die Ideen scheinen den beiden Tänzerinnen nicht auszugehen. «Das Studio bedeutet uns sehr viel. Es ist unser Baby. Wir sind gewohnt, hart zu arbeiten, deshalb geben wir so schnell nicht auf», sagt Toma. Und Phillip fügt an: «Tanzen macht glücklich und Glück ist etwas, dass wir alle in dieser Zeit gut gebrauchen können.»

Football news:

Sulscher über das Spiel gegen Istanbul: Das ist der türkische Meister, es wird schwierig werden
Gasperini über die Nominierung für den besten Trainer des Jahres: wenn wir Liverpool schlagen, kann ich ein paar Stimmen gewinnen
Julian Nagelsmann: Leipzig will PSG dieses Gefühl des Finales geben, von dem Sie sprechen
Tuchel über Champions League: Das Spiel gegen Leipzig - das Finale unserer Gruppe
Antoine Griezmann: es ist Zeit, alles an seine Stelle zu setzen. Barcelona-Stürmer Antoine Griezmann hat sein Interview mit dem TV-Sender Movistar angekündigt. Unter anderem spricht der Franzose über seine Beziehung zum Katalanen-Stürmer Lionel Messi
West Bromwich-Torwart Sam Johnston Sprach über den Elfmeter, den sein Team im Spiel gegen Manchester United mit einem zweiten Versuch von Brune Fernandes ins Tor befördert hatte
Brügge-Trainer über das Spiel gegen Borussia Dortmund: Wenn man nur verteidigt, hat der FC Brügge-Trainer Philipp Clement die Erwartungen an das Spiel gegen Borussia Dortmund in der Champions-League-Gruppe geteilt