Switzerland

«Ich will, dass es auch in Zukunft weitergeht»: Aus dem Freiraum soll ein Gemeinschaftszentrum entstehen

«Die Gemeinschaft kann uns helfen, das Ziel zu erreichen. Denn wir wollen etwas für die Gemeinschaft aufbauen. Das ist zukunftsträchtig», sagt Norbert Joller. Vor rund zehn Jahren hat er begonnen, den Freiraum in der Bremgarter Altstadt an der Rechengasse aufzubauen. Ein Treffpunkt für Jung und Alt, wo sich Menschen austauschen können, Konzerte hören, Workshops machen oder einfach die Geselligkeit geniessen können.

Bisher hat Joller den ganzen Aufwand privat selber getragen – auch während der Coronakrise. Um sein Herzensprojekt, das er in seiner Freizeit betreut, breiter abstützen zu können, wurde jüngst ein Verein gegründet. «Dadurch möchten wir eine gewisse Unabhängigkeit erreichen. Falls ich morgen tot umfalle, will ich, dass es im Freiraum weitergeht», erklärt Joller.

Seit März gab’s wegen Corona keine Einnahmen

Rund ein Dutzend Menschen wirken aktiv mit im Verein. Gleichzeitig soll der Freiraum nun in ein Gemeinschaftszentrum umgewandelt werden und so weiterbestehen. Dazu wurde auf www.lokalhelden.ch im August ein Crowdfunding lanciert. Denn die Coronapandemie hat auch den Freiraum getroffen, seit März kamen keine Einnahmen herein, und Anträge auf staatliche Unterstützung wurden bisher alle abgelehnt. Das erste Ziel, von dem Norbert Joller zu Beginn sprach, liegt bei 8888 Franken.

«Mit dieser Summe können wir das Defizit, das durch die Coronakrise entstanden ist, decken», sagt der dynamische 56- Jährige. Die Spendensammlung sei gut angelaufen und die Rückmeldungen sehr positiv. Rund 80 Prozent des Betrags sind bereits zugesichert. Das grosse Ziel ist jedoch, bis Mitte Oktober 22'222 Franken Unterstützung zu erhalten.

Damit würden dringende Reparaturarbeiten in der Küche und den sanitären Anlagen erledigt werden, Wasserleitungen ersetzt oder dem Freiraum einen neuen Farbanstrich verpasst werden. «Zudem hätten wir einen gewissen finanziellen Rückhalt, um beruhigter in die neue Saison gehen zu können, falls Corona unseren Veran­staltungen wieder einen Strich durch die Rechnung macht», erklärt Norbert Joller, der den Freiraum als Kultur- und Bildungscafélier bezeichnet.

Nebst Barspenden würden sich die Freiraum-Macher auch über Sachspenden freuen. Gefragt wären unter anderem eine Musikanlage mit Mischpult für Konzerte und Tanzabende, ein A3-Drucker, um Plakate und Flyer selber herstellen zu können, oder eine einfache Foto­kamera für den täglichen Gebrauch. «Einen Beamer mit Leinwand für Filmabende und Vorträge haben wir von Juri Tirez vom Stiefelchnächt schon versprochen bekommen», freut sich Norbert Joller.

Statt Eintrittsgeld gibt es eine freiwillige Kollekte

Die Programmpunkte im Freiraum nehmen wieder zu. Ab Oktober finden wieder Konzerte statt, und donnerstags gibt’s beispielsweise einen Suppentopf mit Gemüse aus den eigenen Gemeinschaftsgärten. «Auch der Verein Soliba hält wieder den Treffpunkt für Flüchtlinge und Einheimische bei uns ab», blickt Norbert Joller voraus.

Eintritt wird im Freiraum übrigens nie verlangt. «Kultur soll für alle Menschen da sein, nicht nur für diejenigen mit Geld. Deshalb gibt es bei uns einfach eine freiwillige Kollekte», sagt Joller. Zu seinen Stammgästen zählt er rund 150 bis 200 Personen, an einem gut besuchten Konzertabend seien es bis zu 50 Besucher. Das Umsetzen der Coronamassnahmen stelle angesichts der Grösse des Raumes kein Problem dar. Zusätzliche Informationen gibt es auf der kürzlich neu kreierten Website freiraum-bremgarten.ch.

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