Switzerland

«Ich sehe die Leichenteile heute noch vor Augen»: Feuerwehrmann über Einsatz nach Flugzeugabsturz in Würenlingen

Als erstes bekam Pedro Gisin einen Plastiksack und eine Zange. «Ein Polizist sagte uns: Geht und sucht Leichenteile zusammen», erzählt er dem Regional-TV-Sender Tele M1. Er war damals, am Sonntagmorgen nach dem Absturz des Swissair-Flugs 330, einer der Feuerwehrmänner, die an der Absturzstelle im Wald bei Würenlingen im Einsatz waren. Dieser Einsatz hat Spuren hinterlassen. «Ich sehe diese Leichenteile heute noch vor Augen. Wenn man das nicht gesehen hat, dann kann man sich das schlicht und einfach nicht vorstellen.» 

Pedro Gisin war einer von Hunderten, die am Freitagnachmittag, 50 Jahre nach dem Unglück, zur privat organisierten Gedenkfeier an die Absturzstelle kamen. Er erinnert sich, wie schwierig es war, die Schaulustigen damals von ebendieser Stelle fernzuhalten. «Mein Kollege war Schweizer Juniorenmeister im Judo. Er hat die Leute am Laufmeter aufs Kreuz legen müssen, weil sie nicht stoppen wollten.»

«Es krachte und dann sah man nichts mehr als eine Wolke»: der Flugzeugabsturz in Würenlingen in den Tagesschau-Ausgaben vom 21. und 22. Februar 1970

Peter Stoller verlor beim Absturz seine Verlobte. Sie war als Stewardess an Bord. Mit Tränen in den Augen erzählt er von jenem Tag und auch davon, dass danach «einfach nichts passierte». Heute lebt er in Zürich, doch damals hat er hat die Schweiz verlassen und jahrelang im Ausland gearbeitet. «Weil ich dachte, da hast du nichts mehr verloren.» Vergeblich hat er auch jetzt versucht, einen Vertreter aus dem Bundesrat zur Teilnahme am Gedenkanlass zu bewegen.

Der Vater von Ruedi Berlinger war der Pilot, der sich damals mit dem Funkspruch «Goodbye everybody» verabschiedete. «Dieser Tag ist immer wieder präsent», sagt er. Mit sieben Jahren verlor er am 21. Februar 1970 seinen Vater. «In diesem Alter realisiert man das noch nicht so richtig. Das kommt erst mit den Jahren.» Er hat mitgeholfen, den Gedenkanlass zu organisieren. «So ein Tag hilft dabei, das zu verarbeiten, wieder einen Schritt weiter zu kommen.» (smo)