Switzerland

«Ich möchte in diese erfundene Welt hineinsteigen»

Bit-Tuner und Sie haben «Exo», eine Mischung aus Electro-Konzert und Videoshow, bereits live aufgeführt. Wie wars?
Zweimal spielten wir in einem Kino und einmal im Kunstraum Walcheturm. Im Kino, wo die Leute sassen, herrschte eine konzentrierte Atmosphäre, was dem Projekt sehr entgegenkommt. Mir persönlich sind die chaotischen Räume lieber, wo die Leute reden, zuhören und an die Bar gehen können, wie sie Lust haben. Bei der Dampfzentrale zeigt sich kurzfristig, ob wir Stühle aufstellen.

Hatten Sie sofort Bilder im Kopf, als Sie «Exo» hörten, oder mussten Sie lange nach Ihrer visuellen Interpretation von Bit-Tuners Musik suchen?
Die Grundstimmung, die eine Musik hat, ruft bei mir meistens schnell ein Bild hervor. Bei diesem Album war es dieses rosa Tentakelwesen, das ich «Mother-Gene» nenne und das ich tatsächlich schon als Kind in meiner Fantasie gesehen habe. Und zwar immer bei bestimmten Gerüchen. Aber ich weiss leider nicht mehr, bei welchen.

Herausgekommen ist eine seltsame Welt, in der abstrakte Dinge durch eine organische Matrix wabern. Möchten Sie den Zuschauer auch irritieren?
Ich hinterfrage schon gern Sehgewohnheiten. Das ist auch der Grund, weshalb ich mich in letzter Zeit vor allem mit 3-D-Animation beschäftige, statt beispielsweise mit dem Dokumentarfilmen weiterzufahren. Am Computer kann ich Dinge so bauen, wie ich sie mir vorstelle.

Wir schauen sozusagen in Ihren Kopf, wenn wir das «Exo»-Video schauen?
Stimmt.

«Passage», Stück aus «Exo» von Bit-Tuner (2020). Quelle: Youtube.com

Für Ihren letzten Film «Utopia» besuchten Sie Protestbewegungen in Südeuropa. Reizt es Sie nicht, am Thema dranzubleiben, vielleicht auch in der Schweiz?
Jetzt gerade gar nicht, mich beschäftigen andere Sachen gerade viel mehr.

Was zum Beispiel?
Im Herbst habe ich ein Masterstudium in Film angefangen. Vor allem interessieren mich momentan interaktive Medien, speziell Virtual Reality und Game-Design. Das hat sich im Projekt mit Bit-Tuner herauskristallisiert. Es genügt mir nicht mehr, dass ich nur das sehe, was mir der Bildausschnitt vorgibt. Ich möchte in diese erfundene Welt hineinsteigen, mich in ihr bewegen können.

Ein Konzert, welches das Publikum mit Virtual-Reality-Helmen auf dem Kopf schaut: Gibt es das?
Es hat Versuche mit Opern gegeben, soviel ich weiss. Aber die ganze Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Wie lenke ich einen Blick? Wie platziere ich Ton? Wie verstärke ich eine Illusion? Das zu lernen, finde ich spannend.

Dampfzentrale, Donnerstag 13. Februar, 20.30 Uhr