Switzerland

«Ich konnte kaum fassen»: Anina Kühnis wird Radio SRF 3-Best-Talent

Jetzt endlich kann Melday ihre rosa Perücke ablegen. Jetzt endlich kann sie einfach wieder Ani­na sein. Aber zuerst musste sie sich aus einem tiefen Loch herauskämpfen. Das Seil, an dem sie aus diesem hervorkletterte, heisst Musik.

«Ich habe in Los Angeles etwas Schlimmes erlebt», sagt die 22-Jährige. Das war vor zwei Jahren. «Ich konnte nicht ausstehen, dass alle sagten, alles würde wieder gut. Aber tief in mir wusste ich, das stimmt. Aber dafür muss man aufstehen.» Man spürt ihre innere Stärke in ihren Worten.

Anina Kühnis kann darüber sprechen, was ihr passiert ist. Aber sie findet es nicht mehr wichtig genug. Stattdessen zeigt sie, was sie aus jener Wut und Verzweiflung gemacht hat. «Ich hatte gar nicht die Wahl, ob ich Songs darüber schreiben wollte. Ich musste es einfach tun», sagt die junge Künstlerin, die schon als Kind immer gern gesungen hat.

Mit neun Jahren durfte die Widerin in Bremgarten erstmals Gesangsunterricht nehmen, später sang sie in Musicals, hatte viele Auftritte und besuchte weitere Schulen. Jetzt arbeitet sie in einem Café in Zürich, wo sie auch wohnt, und feilt weiter an ihrer Musikkarriere.

Von der Leere zur gemeinsamen Stärke

Aus ihrem Drang, ihr Erlebtes musikalisch zu verarbeiten, ist die EP «Stand or Fall» mit drei Songs entstanden, je mit Videoclips, ebenfalls aus ihrer Feder. In «Ballerina» zeigt Melday mit ihrer sanften, dunklen Stimme, wie leer und zerbrechlich sie noch vor zwei Jahren war.

Im Text sagt sie, man könne sie schon brechen, solle sie aber doch bitte auch wieder zusammensetzen. Der zweite Song heisst «Fire». «Hier möchte ich allen sagen, dass sie wieder aufstehen und ihre Krone richten sollen», erklärt Anina Kühnis, ihre Stimme wirkt stark und entschlossen.

Und im dritten Song «Stand or Fall» zeigt sie, was für sie Feminismus bedeutet: «Es geht nicht darum, dass Frauen die Welt regieren sollen. Für mich ist Feminismus einfach das ebenbürtige Miteinander. Beide Geschlechter sollen wissen, worin sie gut sind und wo sie Hilfe benötigen. Sie sollen merken, dass es gemeinsam am besten geht.» Das meint sie, wenn sie im Song singt, dass man entweder gemeinsam steht oder fällt.

Künstlername war wie ein Schutzschild

Ihr voller Name ist Anina Alessandra Melody Kühnis. «Ich fand, wenn ich die Melodie schon im Namen habe, wäre es schade, sie nicht zu nutzen», lacht sie. So stellte sie die Buchstaben ihres dritten Vornamens um, ergänzte sie und kam zum Künstlernamen Melday.

«Anfangs brauchte ich diesen Namen als Schutzschild.» Sie konnte Melday sein, wenn Ani­na zu schwach war. «Heute sind beide gleichberechtigt, beides bin ich, Anina und Melday.»

Als sie ihre EP im Frühling herausbrachte, hatte sie mit jenem schlimmen Erlebnis abgeschlossen. «Die Songs, die ich seither geschrieben habe, sind viel fröhlicher.» Das merkt man schon ihrem Neuling «Moonlight» an, den sie aus lauter Freude über einen Anruf veröffentlichte. Denn mitten in den Arbeiten zum Album, das sie im Herbst herausbringen will, rief SRF an.

«Ich konnte kaum fassen, dass sie mich zum Best Talent des Monats Mai erkoren haben», freut sie sich. «Und dass ich als Newcomerin eine Chance auf den Swiss Music Award habe, ist unglaublich.» Das soll auch anderen Mut machen.

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