Switzerland

«Ich brauche Hilfe!»: Dieser Unternehmer lässt in der Corona-«Arena» der Wut freien Lauf

Es wäre wohl ein spannendes Experiment gewesen: Man packt Politikerinnen und Politiker ins SRF-«Arena»-Studio und lässt sie über das Wetter reden. Es war ja auch das dominierende Thema am gestrigen Freitag (zumindest etwa aus Ostschweizer und Zürcher Sicht).

Sandro Brotz und seine Leute verzichteten aber darauf und liessen den sehr vielen Schnee wortwörtlich ein Randthema werden. Es ging einmal mehr um Corona – diesmal zur Frage, ob die gesprochenen Hilfen für Wirtschaft und Co. wirklich ausreichen.

Brotz' Team lud dafür Nationalrätinnen und -räte (aus der Ostschweiz und Zürich) von links bis rechts ein: Céline Widmer (SP/ZH), Martin Bäumle (GLP/ZH), Regine Sauter (FDP/ZH) und Diana Gutjahr (SVP/TG). Als wissenschaftlicher Beistand kam die Gesundheitspsychologin Urte Scholz. Die neue BAG-Chefin Anne Lévy feierte gestern ihr «Arena»-Debüt.

Keine Pauschalkritik von Widmer bis Bäumle

Die Debatte drehte sich primär um zwei Punkte: Die beschlossenen epidemiologischen Massnahmen und die gelockerten wirtschaftlichen Hilfen. Und der generellen Frage, was im Kampf gegen Corona gut oder schlecht ist.

Wir erinnern uns: Der Bundesrat verlängerte diese Woche diverse «Shutdown»-Massnahmen. Restaurants und Co. bleiben zu, gewisse Läden müssen neu schliessen und Homeoffice muss angeordnet werden, wenn es einfach umsetzbar ist. Gleichzeitig können mehr Unternehmen als «Härtefall» durchgehen und so ihre Ausfälle mit staatlichen Hilfsgeldern (teilweise) decken.

Von Widmer und Bäumle gab es dazu keine Pauschalkritik. Die Freisinnige Sauter – selbst ernannte Befürworterin des «Schweizer Wegs» – vermisste bei den neuerlichen Bundesratsbeschlüssen sowas wie ein Gesamtkonzept. Ihre Ausführungen klangen so, als würde sie von der Landesregierung sowas wie ein Corona-Drehbuch verlangen, in dem fast schon algorithmisch Wenn-Dann-Anweisungen formuliert werden.

Mehrheit der Kantone und Wirtschaftskommissionen gegen Homeoffice-Pflicht

Kritik und nochmals Kritik gab es von der SVP-Vertreterin Gutjahr, die erstaunlich konsequent ihre Aussagen immer wieder gemäss Parteilinie framte. An ihrer Haltung, Laden- und Restaurantschliessungen seien schlecht, konnte man zwar lediglich epidemiologisch etwas aussetzen. Viel auffälliger war, dass wie gut sie die Oppositionsrolle spielte (trotz zwei Vertretern im Bundesrat).

So warf Gutjahr vor, die Landesregierung würde sich über «politische Prozesse» hinwegsetzen, weil die Mehrheit der Kantone und die Wirtschaftskommission gegen Homeoffice-Pflicht und Co. waren (Anmerkung dazu: die Kantone und die Kommission bestimmen solche Sachen nicht). Ihre Pauschalkritik richtete sich dementsprechend nicht gegen die Art und Weise, wie der Bundesrat kommuniziert, sondern was er beschlossen hatte.

Und da wurde es spannend, da es einen Graben zwischen der linken und rechten Studiohälfte gab. So kritisierte Sauter etwa, dass mit den Ladenschliessungen eine Ungleichbehandlung zwischen den Marktplayern geschaffen werde: Unterwäsche dürften im Grossverteiler weiterhin angeboten werden, ein Lingerie-Geschäft im «höheren Segment» müsse aber schliessen. Das Fazit der FDP-Nationalrätin Regine Sauter: «Man muss viel konsequenter entschädigen. Die Unternehmen würden aber viel lieber offen haben, Umsätze machen und sich sorgfältig verhalten.»

Diese Seite legte den Fokus auf die Details, während SP-Widmer und GLP-Bäumle sich auf die grosse Strategie konzentrierten. So störte sich die Zürcher Nationalrätin Céline Widmer an der Detail-Betrachtung und lobte, dass man nun erkannt habe, dass es mehr gesundheitlichen Schutz und mehr Entschädigungen braucht.

Das monatelange Warten auf Auszahlungen

Auch alt GLP-Chef Martin Bäumle kam zum Schluss, dass der Staat mehr Geld sprechen solle: «Ich bin ein knallharter Finanzpolitiker. Aber jetzt sage ich: Wir müssen denen helfen.»

Damit gemeint waren Unternehmerinnen und Unternehmer wie Peter Hug, Inhaber einer mobilen Gelateria. Regelmässige «Arena»-Zuschauer kennen ihn: Er war vor Monaten bereits im Studio als eine Stimme der Wirtschaft. Gestern Abend musste er den Resignierten spielen: Hug erzählte, wie schwierig es für ihn derzeit und für den kommenden Sommer sei, Umsätze zu machen. Er kämpfe sich durch zahlreiche Formulare durch, versuche staatliche Hilfen zu beantragen und müsse monatelang auf Auszahlungen warten.

Ein Lichtblick zum Ende der Sendung

Hugs Ausführungen zuzuhören tat weh: Der Unternehmer, dessen Beruf (Glacé verkaufen) mit so viel Freude verbunden ist, sass minutenlang mit verschränkten Armen da und mache ein traurig-wütendes Gesicht. Viel Freude war da nicht mehr zu sehen. «Ich brauche Hilfe und ich bin ein Härtefall!», sagte er und präsentierte mit seine Resignation ziemlich gut, was für Schicksale politisch gelöst werden sollten.

Gegen Ende gab es dann trotzdem einen kleinen Lichtblick: Die Impfung. Sie wurde von BAG-Direktorin Anne Lévy als Grund der Hoffnung präsentiert und von GLP-Vizepräsident Martin Bäumle als sicher erklärt: «Über die Strasse gehen ist auch gefährlich.»

Die Impfungen seien sehr sicher, man dürfe aber den Leuten nichts vormachen und behaupten, die Impfung täte nicht weh. «Sie tut weh. Sie tut weh beim piksen, es gibt vielleicht sogar Fieber – das muss man den Leuten ehrlich sagen.»

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