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Hugh Grant, der Prince Charming der Filmbranche? Alles nur Fassade, behauptet die Krimiserie «The Undoing»

Die HBO-Miniserie subvertiert geschickt das Image des britischen Darstellers. Dieser spielt an der Seite von Nicole Kidman einen Kinderarzt, der in einen Mordfall verwickelt wird.

Die Frasers sind ein serientypisches Uptown-New-York-Ehepaar: eine glitzernde Fassade mit tiefen Rissen.

Die Frasers sind ein serientypisches Uptown-New-York-Ehepaar: eine glitzernde Fassade mit tiefen Rissen.

PD

Man hört jetzt schon die Fangemeinde in den Ohren: Diese Augen können doch nicht lügen. Dieser schüchtern-verträumte Blick, dem einst Julia Roberts als Star wider Willen in der Hollywood-Schmonzette «Notting Hill» erlag, kann nichts als unverstellte Ehrlichkeit bedeuten.

Und doch sind nunmehr Zweifel berechtigt, wenn man dem britischen Prince Charming, Hugh Grant, inzwischen grau meliert, in der Miniserie «The Undoing» begegnet. An der Seite von Nicole Kidman spielt er darin einen Ehemann, der vermeintlich in ein Mordkomplott verwickelt ist. Mit jeder Folge wächst nicht nur das Misstrauen gegenüber dem erfolgreichen Onkologen, sondern schliesslich zerbricht eine ganze Familie.

Die Regisseurin Susanne Bier, bekannt für kitschige Film-Settings wie in «Things We Lost in the Fire» (2007) oder «Serena» (2014), bettet die Story in ein zuckerbäckerhaftes Arrangement. Die Szenen sind mit klassischer Musik unterlegt, und wir werden mit perfekten Hochglanzaufnahmen bedacht. Anfangs herrscht überall warmes Licht vor: im Fahrstuhl, um den Badspiegel und natürlich auf Kidmans stets perfekt sitzenden Locken. Überhaupt gleicht das New Yorker Stadthaus, worin das Upperclass-Paar mit seinem Sohn wohnt, einer Bilderbuch-Kulisse aus dem Möbelkatalog.

Hat er die Geliebte auf dem Gewissen?

Dass hierin jedoch nicht alles als Dekor dient, macht sich an den goldenen Pflanzengirlanden an vielen Wänden bemerkbar. Als ein Leitmotiv durchziehen sie alle Episoden, in denen sich mehr und mehr die Verstrickungen des einst geachteten Mediziners offenbaren. Die von Kidman gespielte Grace Fraser muss einsehen, dass Jonathan, den sie liebte, nicht der war, der er zu sein schien. Hat er wirklich seine aussereheliche Geliebte bestialisch ermordet?

Nicole Kidman spielt in «The Undoing» eine Psychotherapeutin. Taugt ihr Spürsinn auch bei der Aufklärung eines Mordfalls?

Nicole Kidman spielt in «The Undoing» eine Psychotherapeutin. Taugt ihr Spürsinn auch bei der Aufklärung eines Mordfalls?

Niko Tavernise / HBO

Was Hugh Grant mit «The Undoing» wagt, gehört wohl zum Projekt beruflicher Neuanfang, mit sechzig Jahren, fünf Kindern und einigen Falten mehr im Gesicht. Denn wie so mancher seiner Kollegen leidet der britische Schauspieler an einer Art Klebekrankheit: Seit Jahrzehnten bleibt er in denselben Genres und Narrationen haften.

Nach seinem Aufstieg mit «Four Weddings and a Funeral» (1994) tänzelt Grant durch gut verdauliche Komödien wie «Bridget Jones’s Diary» (2001) oder «About a Boy» (2002). Und wenn man ihn nicht in Unterhaltungsfilmen trifft, dann ganz sicher in Kostümklassikern und Romanzen à la «Sense and Sensibility» (1995) oder «Love Actually» (2003).

Nice-Guy-Image überstrahlt alles

Mal mimt er den smarten, schneidigen Städter und Schwerenöter, mal den verletzlichen oder verpeilten Liebestölpel. Zumeist mit einer gewissen Höflichkeit, bisweilen mit britischer Eleganz und Etikette. Trotz seiner öffentlichen Sex-Eskapade mit einer Prostituierten in einem Auto im Jahr 1995, die ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse war, schreibt man dem Künstler bis heute eine gewisse Seriosität zu.

Hugh Grant hat sich schlichtweg in die Herzen seiner Zuschauer gespielt, in den letzten zwei Dekaden mehr als Type denn als facettenreicher Charakterdarsteller. Besonders tragisch mutet indessen an, dass seine frühen, differenzierteren Figuren ziemlich in Vergessenheit geraten sind – oder vom Nice-Guy-Image überlagert wurden.

Man denke etwa an seine fabelhafte Darstellung von Frédéric Chopin in der Filmbiografie «Impromptu» von 1991. Oder seine Performance als Lord Byron in «Rowing with the Wind» (1988). Erst nach diesen ambitionierten Rollen locken die Bestseller-Genres, oft mit Auftritten neben gern gesehenen Leinwand-Damen wie Renée Zellweger oder Emma Thompson.

Profilerneuerung mit Ansage

Eine zaghafte Profilerneuerung deutet sich hingegen in jüngerer Zeit an. Allen voran die True-Crime-Serie «A Very English Scandal» von 2018 lässt sich als ein Wendepunkt bezeichnen: Darin verkörpert Grant den einstigen Liberal-Party-Vorsitzenden Jeremy Thorpe. Nachdem dieser in seinen frühen Parlamentsjahren einen Hilfsarbeiter emotional und sexuell ausgenutzt hat, reagiert sein Opfer später mit Erpressungsversuchen. Ob der Politiker tatsächlich einen Auftragsmord veranlasst hat, ist bis heute nicht zweifelsfrei bewiesen. Es folgte zumindest der Rücktritt von allen Ämtern.

Grant hat sich mit dieser zwielichtigen Rolle eines Egomanen wieder in das ernste Fach vorgearbeitet. Vielleicht mag ihm gerade das Format der Qualitätsserie mit der Möglichkeit, einen Charakter über einen längeren Zeitraum zu entfalten, eine Chance geboten haben, aus dem festgezurrten Rollenkorsett auszubrechen. Potenzial hat das Umschwenken durchaus – insbesondere weil der Schauspieler dem Publikum als «everybody’s darling» bekannt ist, neigt man dazu, ihn zu unterschätzen.

Ein Gentleman mit Schattenseiten? Hugh Grant in «The Undoing».

Ein Gentleman mit Schattenseiten? Hugh Grant in «The Undoing».

PD

Zumindest strategisch stellt er für einen etwaigen skrupellosen Killer die bestmögliche Besetzung dar – selbst in «The Undoing», dieser zu glatt polierten Thriller-Serie, die hier und da auch ihre Qualitäten hat. Im Schatten der Überstilisierung zeigt sich zumindest eine Könnerschaft, was Montagen anbelangt. Ein Beispiel: Als sich Jonathan Fraser im Gefängnis mit einem anderen Insassen prügelt, bleibt auf dem Boden eine dunkle Blutlache zurück. Es folgt ein harter Schnitt, und wir sehen schwarze, über den Asphalt laufende Frauenschuhe und anschliessend Grace in einer Panoramaaufnahme in der Innenstadt. Sie wird es schliesslich sein, die auch das Geheimnis um die Bluttat lüften und aus der Welt schaffen wird.

Doch was nützen schon derlei Feinheiten, wenn das ganze Werk unausgegoren und abgehalftert wirkt? Ermüdend kreist es immer wieder um die Frage, warum Jonathan nicht der Täter sein kann oder sein muss. Gespart wird unterdessen nicht an allen möglichen Klischees: nächtliche Albträume und Visionen von Grace, stereotype Anwälte und Ermittler. Nicht zuletzt eine Polizei-Szene, in der die Protagonistin ihren Spürsinn auf Basis ihrer langjährigen Arbeit als Psychotherapeutin betont – das ist nur eines: völlig überflüssig.

Um Hugh Grant in einer unberechenbaren Rolle zu erleben, lohnt sich aber diese naive und künstlich aufgepeppte Chose. Wir bleiben gespannt, wie es mit Grant weitergeht: vom Gentleman zum bösen Onkel. Why not?

«The Undoing», 6 Folgen à ca. 50 Minuten, ab 30. November auf Sky Show. Neue Folgen erscheinen jeweils montags.

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