Switzerland

Hotspot für Coronakritiker: In Weinfelden treffen sich wöchentlich mehrere Personen zum Lichtermarsch, um gegen die Massnahmen zu demonstrieren

Weinfelden ist der kantonale Hotspot. Nicht etwa wegen der Ansteckungszahlen, sondern wegen Massnahmekritikern, die sich wöchentlich für einen Lichtermarsch im Dorfzentrum treffen. Initiiert hat diesen Anlass Thomas aus Weinfelden. Er möchte nicht seinen ganzen Namen preisgeben, da er wegen seiner coronakritischen Einstellung Repressalien befürchtet.

Der 34-jährige Logistiker hat über die sozialen Medien von anderen Lichtermärschen erfahren und dies in Weinfelden auf die Beine gestellt, weil es ihm ein Anliegen ist, in der Öffentlichkeit eine breite Diskussion über das Virus anzutreten. Jeweils um 19 Uhr treffen sich die kritischen Stimmen.

Vor einer Woche waren rund 15 Personen dabei. «Auch schon waren es über 30», sagt er. Sie spazieren eine Stunde lang durch Weinfelden und verteilen Flyer. In der Hand tragen sie eine Kerze. Der Treffpunkt ist der Marktplatz. Wer dort auf die Gruppe trifft, sieht sofort, dass hier ein freudiges Wiedersehen herrscht. Man umarmt sich. Maske trägt hier niemand. An die Wirksamkeit dieser Massnahme glaubt auch niemand.

Das Thema sei nicht nur schwarz-weiss

Generell wehren sich die Menschen der Gruppe gegen die erlassenen Massnahmen. «Das Thema ist nicht schwarz-weiss. Vieles rund um das Virus ist einfach nicht bewiesen und die Menschen sind zu wenig aufgeklärt, weil sich alles nur auf dieses Virus versteift», sagt der Weinfelder.

Es sei unmenschlich, die älteren Personen einfach so wegzusperren und Kontakte wegen einer möglichen Gefährdung schlicht zu verbieten, findet er. «Nur weil es möglicherweise gefährlich ist, stehen diese ganzen Massnahmen mit dem Risiko, die Wirtschaft in den Ruin zu treiben, in keinem Verhältnis. Autofahren wird ja auch nicht verboten, obwohl es potenziell tödlich ist», sagt Thomas.

Ihnen gehe es um den Diskurs

Rund zehnmal sind die Kritiker mit Kerze und Flyer für die Wiederherstellung aller Grundrechte bisher auf die Strassen gegangen. Eine von ihnen ist auch Rosemarie Leu. Sie wohnt oberhalb Weinfeldens und ist vor allem auch in einer Diskussionsgruppe auf Telegram aktiv. So wollte sie wissen, warum nicht mehr der 180 Teilnehmer in der Diskussionsgruppe am Lichtermarsch teilnehmen.

«Das Resümee ist ernüchternd. Es gibt nur wenige, die aktiv etwas tun, zum Teil auch aus Angst vor Diffamierungen», sagt sie. Ihr persönlich gehe es um den Diskurs. «Ich kenne natürlich auch die Verschwörungstheorien, aber ich halte mich lieber an die Realität und die Fakten», sagt Leu. Auch in der Gruppe, die sich in Weinfelden trifft, seien die Ansichten unterschiedlich.

Sie würde es sich wünschen, dass die Regierung auch die kritischen Stimmen hört und ernst nimmt. Gerade weil es schnell gehen muss, müsse man sich trotzdem die Zeit nehmen und fundierte Untersuchungen als Grundlagen haben. Auch für sie ist vieles in der Sache rund um die Pandemie noch nicht bewiesen.

Es sollten auch kritisch Ärzte angehört werden

Die Grundlagen für die scharfen Massnahmen würden fehlen. «Ich frage mich, warum diese Massnahmen nötig sind. So etwas gab es bei anderen Grippewellen auch nie und dieser Vergleich ist aufgrund der Faktenlage durchaus angebracht. Warum werden nicht auch kritische Ärzte und Pflegefachkräfte angehört – das frage ich mich.»

Sie macht sich Sorgen, etwa um das Gastgewerbe oder allgemein um die Wirtschaft. Die Kollateralschäden seien nicht absehbar und der Nutzen dieser Massnahmen würden für sie in keinem Verhältnis stehen.

Als Mitglied der «Mündigen Bürger Thurgau» habe sie auch schon an den Thurgauer Regierungsrat oder an Kantonsräte geschrieben. Eine Antwort bekam sie nie. «Kritische Stimmen zu ignorieren ist alles andere als demokratisch», sagt Leu. Sie sei als eingebürgerte Deutsche immer so stolz auf die direkte Demokratie gewesen. Davon sei die Schweiz momentan weit entfernt. «Das ist für mich nicht hinnehmbar.»

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