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Hört das Morden denn nie auf? Ein bewegender Roman über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs

Der französische Schriftsteller Hubert Mingarelli erzählt in seinem Roman «Ein Wintermahl» von drei Soldaten, die der Tötungsmaschinerie zu entrinnen versuchen.

Sie wollen mit all dem nichts zu tun haben. Sie wollen nicht abkommandiert werden zum täglichen Erschiessen von jüdischen Gefangenen; sie wollen das Lager nicht mehr sehen, in dem sie ausharren müssen und wo ihnen der Leutnant, den «die Massenblutbäder stärker haben altern lassen als die anderen», den Befehl zum Töten ungerührt entgegenbrüllt, als ginge es ums Essenfassen. Er lässt «ein Eisen klirren», wenn die Stunde der Exekution gekommen ist.

Die drei Männer, einfache Soldaten am Ende Europas und in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, wollen weg, von der Scham und der Verantwortung. Also lügen sie und versprechen, im Umland nach Entflohenen zu suchen. Sie können Zeit schinden, stellen sie sich vor, und wissen doch, dass ihre Existenz nur noch ein Aufschub des eigenen Untergangs ist. Hier, irgendwo im hintersten Polen, werden sie einfach sterben in den Schlachten, vielleicht werden sie verhungern, auf jeden Fall menschlich scheitern, weil Anstand und Würde nicht zum Tagesbefehl gehören.

Erstarrt in Hilflosigkeit

Drei deutsche Soldaten schickt der französische Autor Hubert Mingarelli in seinem Roman «Ein Wintermahl» ins Ungewisse. Ihr zielloser Streifzug durch die Wälder und über gefrorene Steppen ist eine Flucht vor sich selber und der Wirklichkeit des Krieges, dessen Zweck sie nicht kapieren. Ihre kargen Dialoge bestehen nur noch aus Stummelsätzen, ihrer hoffnungslosen, absurden Lage ergeben sie sich wie Beckettsche Figuren: Sie reden und reden und gehen weiter und kommen doch keinen Gedanken voran und keinem Sinn auf die Spur.

Als sie tatsächlich auf einen versteckten und verängstigten Mann stossen, erstarren sie in Hilflosigkeit. Den Juden müssten sie jetzt mitnehmen, abliefern und vielleicht sogar selber ermorden. «Wir hatten so gut wie keine Chance gehabt, einen zu finden, und der Zufall spielte uns ausgerechnet einen zu, der etwas an sich trug, das mir weh tat», sagt der Ich-Erzähler einmal. Dieses «etwas» ist eine kleine Schneeflocke, die an der Mütze des Gefangenen hängt – und sich nicht löst, nicht schmilzt, die hängen bleibt wie ein winziges Mahnmal der Unschuld.

Aber die Direktive ist klar, die Buchführung des Todes muss stimmen: «Wir hatten nicht mehr das Recht, sie gleich dort zu töten, wo wir sie fanden. Es musste wenigstens ein Offizier als Zeuge dabei sein (. . .) Einige Male hatten nämlich Kameraden bei der Rückkehr zur Kompanie behauptet, welche getötet zu haben.» Das Opfer wird ein Klotz am Bein, es lastet auf der Seele.

Die Einsamkeit der Schuld

Wie sie nun mit ihrer Moral und mit dem kargen Mahl umgehen, das sie noch haben und in einer Hütte zelebrieren, wie sie Sympathie und Bissen verteilen, wie sie in quälender Kälte Funken von Menschlichkeit entzünden, wie sie auf Auswege hoffen und Lösungen verwerfen, wie das Böse banal wird und Gnade ein Fluch – das ist, wie es der 1956 in Lothringen geborene Hubert Mingarelli (ausgezeichnet mit dem Prix Médicis, nominiert für den Prix Goncourt) beschreibt, bewegende, sprachlich gefeilte (von Elmar Tannert einfühlsam ins Deutsche übertragene) Literatur. Nie moralisierend, hart und unerbittlich in den Gedanken, komisch in der unabänderbaren Tragik: ein grosses kleines Buch über die Einsamkeit und den unstillbaren Wunsch, der Schuld zu entkommen.

Wie könnte es anders enden? Die Realität verbiegt Mingarelli nicht, ein rettender Ausweg ist nicht vorgesehen: «Auf der Türschwelle zog der Jude wieder sein Jackett und seine Fäustlinge an und setzte die Mütze auf. Wir brachten ihn zur Kompanie.» Doch da war noch diese Schneeflocke an der Kappe, und der Erzähler kapituliert: «Ich tat, was ich konnte, ich sprach zumindest die Bruchstücke eines Gebets für ihn.»

Hubert Mingarelli: Ein Wintermahl. Roman. Aus dem Französischen von Elmar Tannert. Verlag Ars Vivendi, 142 S., Fr. 27.90.

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