Switzerland

Hoffnungsträger mit drei Motoren

Schwarzwald, kurz hinter Todtmoos an einem Montagmorgen. Rund um den Schauinsland schlängeln sich die Strassen scheinbar unaufhörlich durch die verträumte Landschaft. Die Gegend ist längst kein Geheimtipp mehr: Kurven-Aficionados jagen hier auf zwei oder auf vier Räder von Einlenkpunkt zu Scheitelpunkt den Radien nach. An sonnigen Sonntagen kann die Beliebtheit der Region zu Schritttempo führen.

An diesem winterlichen Montagmorgen ist hingegen weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer zu sehen. Dafür liegt hier und da etwas Schnee, die Strecke ist mal feucht, mal trocken, mal eisig. Dass man bei diesen Bedingungen keine Bestzeiten fahren will, ist klar. Doch um die Vorzüge des neuen Opel Grandland X Hybrid4 zu erleben, sind die Konditionen ideal – die neue Version des SUV ist nämlich nicht nur am Stecker aufladbar, sondern verfügt dank zwei Elektromotoren über Allradantrieb. Doch der Reihe nach.

«Die Reise ‘Opel wird elektrisch’ beginnt heute mit dem Grandland X Hybrid4», sagt Opel-Sprecher Christopher Rux an der Pressekonferenz vor der Probefahrt. Dabei werden die erfolglosen Modelle Ampera (ab 2012) und Ampera-e (ab 2017) geflissentlich übergangen – viel lieber schaut Opel nach vorn: Im März folgt mit dem Corsa-e die vollelektrische Version des beliebten Kleinwagens, danach folgen der Transporter Vivaro-e und der Elektro-Mokka, der für Ende des Jahres erwartet wird. Auch der Dauerbrenner Astra wird bald elektrifiziert – 2021 sollte es soweit sein. «2024 wird in jeder Baureihe mindestens eine elektrifizierte Variante erhältlich sein», verspricht Rux. Und er macht keinen Hehl daraus, wieso Opel auf Elektrifizierung setzt: «Natürlich geht es um die strengen CO2-Richtlinien. Doch wir werden in diesem Jahr die Vorgaben von 95 Gramm pro Kilometer ohne Strafzahlungen oder Kompensations-Deals erreichen».

Retter in der Not: Der Plug-In-Hybrid soll mit seinem geringen Verbrauch die CO2-Bilanz von Opel senken.

Dazu sind neue Modelle wie der Grandland X Hybrid4 unabdingbar. Der Plug-in-Hybrid (PHEV) drückt mit einem Durchschnittsverbrauch im WLTP-Messverfahren von 1,2 bis 1,7 Liter auf 100 Kilometer und einem entsprechenden CO2-Ausstoss von 28 bis 39 Gramm pro Kilometer den Flottendurchschnitt gehörig nach unten. In der Realität hängt das wie bei jedem PHEV stark vom Gebrauch ab: Fährt man nur kurze Strecken und lädt dazwischen immer auf, verbraucht man nur Strom und emittiert lokal gar nichts. Wer selten bis gar nie lädt, treibt den Verbrauch entsprechend nach oben – da Batterie und Elektromotoren ein beträchtliches Mehrgewicht bedeuten, kann ein PHEV mehr verbrauchen als ein Modell mit herkömmlichem Verbrenner.

In der Theorie ist der Grandland X Hybrid4 gut gerüstet, um grosse Teile des Alltags emissionslos bewältigen zu können: Seine elektrische Reichweite von maximal 59 Kilometern (WLTP) sollte für den Weg zur Arbeit in den meisten Fällen ausreichen. Auf der Probefahrt von Basel in den Schwarzwald war hingegen schon kurz nach der Grenze die Batterie leer – und dann schnellt der Verbrauch in die Höhe. Immerhin: Laden geht ziemlich schnell, sofern eine Wallbox (7,4 kW) zur Verfügung steht –eine volle Ladung so zwei Stunden, an der Haushaltsteckdose sind es sieben. Um unterwegs bequem Strom zu «tanken», kann über die «Free2Move»-App von PSA auf über 125'000 Ladestationen in Europa zugegriffen werden – die Kostenabrechnung erfolgt bequem per Monatsrechnung.

Für den zuschaltbaren Allradantrieb sitzt ein E-Motor an der Hinterachse, ein zweiter ist im Getriebe integriert und treibt die zusammen mit dem Benziner die Vorderachse an.

Der Hybridantrieb besteht aus einem 1,6-Liter-Turbobenziner und zwei Elektromotoren. Der eine sitzt zwischen dem Verbrennungsmotor und dem Getriebe und treibt die Vorderachse an, der zweite ist in die Hinterachse integriert und sorgt für Allradantrieb, zumindest bis 135 km/h. Im reinen E-Modus werden hingegen nur Hinterräder angetrieben, im kombinierten Hybrid-Modus wird der hintere E-Motor nur zugeschaltet, wenn viel Leistung abgerufen wird. Im Sport-Modus schliesslich holt der Grandland X die gesamte Power von 300 PS aus allen drei Motoren. Eine Variante nur mit Frontantrieb und 225 PS wird später im Jahr folgen.

Der neue Grandland X Hybrid4 kommt wie gerufen für Opel. Neben der wichtigen Rolle bei der CO2-Reduktion für den Hersteller wird die Allradvariante in vielen Märkten willkommen sein – nicht nur in der 4x4-verrückten Schweiz, sondern auch im grossen Russland, wo Opel endlich wieder Fuss fassen will. Der Plug-in ist sicher auch ein spannender Einstieg in die Elektromobilität für Käufer, die sich noch kein Auto mit reinem E-Antrieb anschaffen wollen. Der Hybrid-SUV wird also für zusätzliches Volumen sorgen – und Volumen wird Opel nach all den Übernahmen-Wirren auch brauchen, um sich im neuen Geflecht von PSA und der FCA behaupten zu können.