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Historische Romane: Lesefutter für Historienfans

Das Hier und Jetzt gestaltet sich ja derzeit etwas schwierig. Abenteuer in der Vergangenheit kommen da gerade recht – selbst wenn sie manchmal schmerzlich an die heutige Zeit erinnern.

Die Tower Bridge Ende des 19.Jahrhunderts: Hier ist Susanne Gogas Roman «Das Geheimnis der Themse» angesiedelt. Yes, das ist hochspannend!

Die Tower Bridge Ende des 19.Jahrhunderts: Hier ist Susanne Gogas Roman «Das Geheimnis der Themse» angesiedelt. Yes, das ist hochspannend!

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14. Jahrhundert: Verschwörung im Rheintal!

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Worum geht es? 1341, Chur: Kurz nach der Vermählung muss Graf Albrecht erkennen, dass seine Gemahlin, Gräfin Mechthild, an einer seltsamen Krankheit leidet. Eines Tages verschwindet sie spurlos. Der Graf sucht Hilfe am bischöflichen Hof in Curia, wird auf eine Pilgerreise ins Gelobte Land geschickt und gerät in eine Verschwörung um das Grabtuch Christi. Und seine Frau: lange unauffindbar. Ja, es ist der Teufel los in diesem Mittelalterroman!

Warum ist das so spannend? Weil es Dan Brown im Fürstentum Liechtenstein ist! Manchmal ist man beim Lesen ob des vielen Personals ein bisschen verwirrt, aber die Autorin Doris Röckle-Vetsch, die in Vaduz lebt, bringt die Mystik des Alpenrheintals und seiner Burgen so gut rüber, dass man sich auf schlaflose Nächte einstellen muss – die Spannung!

Wer soll das lesen? Heimweh-Ostschweizerinnen und alle, die sich gern im Mittelalter vergraben. Und natürlich Dan-Brown-Fans («Der Da Vinci Code»).

«Die Spur der Gräfin» von Doris Röckle, 528 Seiten, Knaur, ca. 17 Franken

18. Jahrhundert: Die Fast-Apothekerin

Ein «Findelkind» im gleichnamigen Roman sowie die Geschichte ihrer Mutter: Sehr spannend!

Ein «Findelkind» im gleichnamigen Roman sowie die Geschichte ihrer Mutter: Sehr spannend!

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Worum geht es? Celle, 1779: Catharine wächst im Glauben auf, Tochter der Dienstmagd des Vogts zu sein. Als sie sich in dessen Sohn verliebt, wird sie aber plötzlich als Findelkind beschimpft und aus dem Haus geworfen. Ihr Wunsch, einst in einer Apotheke zu arbeiten, rückt in weite Ferne. Doch was geschah wirklich siebzehn Jahre zuvor? Und wer sind ihre richtigen Eltern?

Warum ist das so spannend? Das Aussetzen von Kindern war im 18. Jahrhundert für verzweifelte (und verarmte) Mütter oft die einzige Möglichkeit, ihr eigenes sowie das Leben ihres Nachwuchses zu sichern. Die Geschichte basiert auf einem Urteil, das im benachbarten Hildesheim gesprochen worden war – sogar den Namen der Mutter hat die Autorin Farina Eden übernommen.

Wer soll das lesen? Wer gerade mit der aktuellen Situation hadert, findet hier Inspiration fürs Leben: Was heute selbstverständlich ist – nämlich, dass eine Frau Apothekerin werden kann –, war damals ein Ding der Unmöglichkeit. Und trotzdem gibt unsere Protagonistin ihren Traum nicht auf.

«Das Findelkind» von Farina Eden, 408 S., Piper, ca. 23 Franken

Anfang 19. Jahrhundert: Wilde Ehemannsuche auf Netflix-Art

Fast wie auf Netflix, aber zwischen Buchdeckeln: Die Abenteuer der Familie Bridgerton.

Fast wie auf Netflix, aber zwischen Buchdeckeln: Die Abenteuer der Familie Bridgerton.

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Worum geht es? Als Daphne Bridgerton ihren Namen in der Kolumne von Lady Whistledown liest, kümmert es sie nicht besonders. Ganz anders ihre Mutter, die will, dass Daphne endlich einen Ehemann findet, bevor ihr Ruf in dieser Ballsaison völlig dahin ist. Daphne schliesst einen Pakt mit Simon Basset, dem heiratsunwilligen Duke of Hastings: Indem er ihr den Hof macht, erscheint der umschwärmte Aristokrat vergeben. Sie dagegen rückt gesellschaftlich in den Mittelpunkt und entflieht den Kuppelversuchen ihrer Mutter. Natürlich verlieben sie sich.

Warum ist das spannend? Weil Julia Quinn, genau wie einst Jane Austen, eine irrwitzige Zeit beschreibt. Wer allerdings meint, in ihren Regency-Romantic-Comedys historisch Wertvolles zu finden, irrt. Es geht hauptsächlich um die Liebe – und Küsse und Sex (die beide keinesfalls vor der Ehe stattfinden dürfen).

Wer soll das lesen? Wer die Netflix-Serie, die auf Quinns Romanreihe basiert, gesehen und geliebt hat. Achtung: Die Queen kommt nicht vor. Dafür wird viel mehr geplaudert. Manchmal fast ein bisschen zu oft.

«Bridgerton. Der Duke & ich» von Julia Quinn, 400 Seiten, Harper Collins Germany, ca. 15 Franken

Ende 19. Jahrhundert: Die Cholera wütet in Hamburg

«Die Hafenschwester» 1 von Melanie Metzenthin, Band 2 «Als wir wieder Hoffnung hatten» ist bereits erschienen, Band 3 folgt im Sommer.

«Die Hafenschwester» 1 von Melanie Metzenthin, Band 2 «Als wir wieder Hoffnung hatten» ist bereits erschienen, Band 3 folgt im Sommer.

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Worum geht es? Hamburg, 1892: Die Cholera erschüttert die Stadt und fordert Tausende Opfer – vor allem in den Armenvierteln am Hafen. Als ihre Mutter stirbt, muss Hauptfigur Martha das Überleben ihrer Familie sichern. Sie bewirbt sich um eine Lehrstelle im Krankenhaus und arbeitet sich dort hoch. Hamburg ist im politischen Umbruch, Hafenarbeiter streiken, die Frauen kämpfen ums Wahlrecht. Und dann gibt es natürlich noch einen Mann, der Martha gefällt – und der als Sozialdemokrat Reden schwingt. Unter anderem.

Warum ist das so spannend? Wahlrecht für Frauen, Epidemie, politische Unruhen – wir stecken irgendwie immer noch im Hamburg von vor über hundert Jahren. Wer soll das lesen? Die Sprache dieses Romans ist simpel, das Buch besticht vielmehr durch historische, medizinische Fakten, bei denen man sich die Augen reiben muss. Nicht nur, wer in der Pflege arbeitet.

Wer soll das lesen? Coronamüde vielleicht? «Als wir zu träumen wagten» ist Band 1 einer Trilogie. Der zweite Band «Als wir wieder Hoffnung hatten» ist eben erschienen, Band 3 «Als wir an die Zukunft glaubten» erscheint im Sommer.

«Die Hafenschwester» von Melanie Metzenthin, 464 Seiten, Diana, ca. 22 Franken

Ende 19. Jahrhundert: Kriminelle Machenschaften in London

Die Themse und ihre Geheimnisse im Krimi von Susanne Goga.

Die Themse und ihre Geheimnisse im Krimi von Susanne Goga.

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Worum geht es? London, 1894: Zwei Jahre nach ihrer Hochzeit liegt ein Schatten über dem Glück von Charlotte und Tom Ashdown. Durch ihre Kinderlosigkeit steht vieles unausgesprochen zwischen ihnen. Gut, werden sie von einem spannenden Buchprojekt über die magischen Orte Londons abgelenkt. Das bringt die beiden einander unverhofft wieder näher. Aber auch in tödliche Gefahr: Charlotte und Tom beginnen nach einem Leichenfund an der Themse zu recherchieren und stossen auf allerlei Hokuspokus. Und eine ägyptische Gottheit, die doch sehr menschlich handelt – und Frauen abmurkst.

Warum ist das spannend? Na ja, eine Leiche, ein ziemlich undurchsichtiger Auftraggeber und Nebel über der Themse: Mehr braucht es wirklich nicht für einen – sehr einfühlsamen! – Krimi. Wieder einmal hat Susanne Goga es geschafft, dass man nach ein paar Seiten nur selber durch die Strassen läuft, in denen sie ihre Geschichten spielen lässt.

Wer soll das lesen? London-Liebhaberinnen, Krimigeübte und alle, die Susanne Gogas Buchreihe über Leo Wechsler, einen Ermittler im Berlin der 20er-Jahre, gemocht haben (zum Beispiel «Die Tote von Charlottenburg», dtv).

«Das Geheimnis der Themse» von Susanne Goga, 448 Seiten, Diana, ca. 17 Franken

Ende 19. Jahrhundert: Im Bier wie im Tod sind alle gleich

München zur Jahrtausendwende: «Der falsche Preusse» ermittelt. Oder wird ermittelt?

München zur Jahrtausendwende: «Der falsche Preusse» ermittelt. Oder wird ermittelt?

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Worum geht es? «Im Bier wie im Tod sind in Bayern alle gleich.» Das gilt im München zur Jahrhundertwende. Es ist auch die Zeit der pferdegezogenen Trambahnen, der riesigen Bierpaläste und der gebratenen Kapaune. Und es ist der Beginn einer jungen Wissenschaft namens Kriminalistik. Wilhelm Freiherr von Gryszinski zieht von Preussen nach Bayern, um als Sonderermittler für die Königlich Bayerische Polizeidirektion tätig zu werden und den Beamten Errungenschaften wie den Fingerabdruck und die Spurensicherung am Tatort näherzubringen. Sein erster Fall: Ein stadtbekannter Bierbeschauer wird tot an der Isar gefunden – eingehüllt in einen kostbaren Federumhang aus unter anderem Kapaunfedern, daneben der Abdruck eines Elefantenfusses. Gryszinski kommt bald einer Verschwörung nationalen Ausmasses auf die Spur.

Warum ist das spannend? Weil es viele Überraschungen gibt. Und weil der Roman historisch einiges hergibt: Der Hauptprotagonist ist zwar frei erfunden. Andere hat es wirklich gegeben, zum Beispiel seinen Kriminalistikmentor, ausserdem die ganze Biertrinkerei. Ein Oktoberfest vor über hundert Jahren!

Wer soll das lesen? Alle! Weil Uta Seeburg es versteht, mit Sprache zu bezaubern, wir sind richtig verliebt! Bei ihr wird ein Gang über den Münchner Markt schon zum Erlebnis, und die Beschreibung des Nachtessens Wilhelm Freiherr von Gryszinskis ist ein wahrer Genuss. Dass dieser nebenbei noch Mordfälle aufklärt, ist ein weiteres Zückerchen, und: Das soll eine Serie werden!

«Der falsche Preusse» von Uta Seeburg, 352 Seiten, gebunden, Harper Collins, ca. 31 Franken

Anfang 20. Jahrhundert: Coco Chanels Aufstieg

Die Geschichte von Coco Chanel: So schön wie ihre Mode.

Die Geschichte von Coco Chanel: So schön wie ihre Mode.

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Worum geht es? Frankreich, 1897, im Park, wo man viele schöne Kleider sieht: «Wie schön muss es sein, nichts anderes zu tun zu haben, als sich als Bonbon zu verkleiden und völlig sorgenfrei durch den Park zu spazieren», denkt sich Antoinette Chanel, Schwester von Gabrielle Chanel, die später unter dem Namen Coco weltberühmt werden sollte. Die beiden leben im Waisenhaus, Armut und harte Arbeit bestimmen ihren Alltag. Doch Coco wie auch Antoinette arbeiten sich in die feine Pariser Gesellschaft hoch, wo man schon bald von den «Schwestern Chanel» spricht. Auf dem Höhepunkt des Erfolges müssen die Frauen aber erkennen, dass selbst Geld und Unabhängigkeit kein Ersatz für das sind, nach dem sie sich am meisten sehnen: Liebe.

Warum ist das so spannend? Die Eckdaten sind alle wahr. Coco Chanel machte allerdings zeit ihres Lebens ein Geheimnis aus ihrer Herkunft, deshalb ist vieles auch Fiktion. Wie etwa das Leben von Antoinette von ihr ist fast nichts bekannt. Judithe Little hat sich wunderschön ausgemalt, wie es sein musste, die Schwester der grossen Modemacherin zu sein.

Wer soll das lesen? Modebegeisterte. Leserinnen, die Biografien lieben, in denen Personen wirklich zum Leben erweckt werden.

«Die Schwestern Chanel» von Judithe Little, 400 Seiten, Harper Collins Germany, ca. 22 Franken

20. Jahrhundert: Psychologie und Skimode in den Anfängen

«Elsas Glück» von Beate Maly.

«Elsas Glück» von Beate Maly.

Worum geht es? Wien, 1928: Elsa Sonnstein studiert Psychologie und Pädagogik an der Universität und kann es gar nicht abwarten, das Erziehungswesen zu revolutionieren. Schon Elsas Mutter Lotte war eine innovative Frau, über zwanzig Jahre zuvor hat sie zusammen mit der berühmten (real existierenden) Mizzi Kauba die erste Skimode für Frauen erfunden. Aber auch Elsas Tatendrang kann nicht verhindern, dass sich so einige dunkle Wolken über der Familie Sonnstein zusammenbrauen. Und dann stösst Elsa noch auf die Liebe und auf ein Geheimnis, das nicht ganz ohne ist …

Warum ist das spannend? Weil dieser Roman viel mehr als eine Liebesgeschichte ist, sondern sich auch um Emanzipation dreht und zeitgeschichtliche Diskurse wie die Psychoanalyse, die Folgen des Ersten Weltkriegs und die Wirtschaftskrise oder den zunehmenden Antisemitismus. Die nicht allzu anspruchsvolle Sprache macht diese schweren Themen leicht.

Wer soll das lesen? Alle, die auf ihre Skiferien verzichten mussten, wer sich für Psychologie interessiert und grundsätzlich wer sich lieber im 20. Jahrhundert aufhält als irgendwo im Mittelalter.

«Elsas Glück» von Beate Maly, 480 Seiten, Blanvalet, ca. 17 Franken

20. Jahrhundert: Aufruhr im Empire

Velokuriere in den Siebzigern flitzen durch «Ein englischer Winter».

Velokuriere in den Siebzigern flitzen durch «Ein englischer Winter».

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Worum geht es? England, 1978/1979. Alles versinkt in Schnee, Chaos und Generalstreik. Da weder Züge noch Busse fahren, ist es die Stunde von Fahrradkurieren wie Candice. Die schöne junge Frau flitzt wie eine Königin mit ihrer Botentasche zwischen Müllbergen und Ratten durch Londons Strassen und deklamiert dabei laut Shakespeare: «Dies ist der Winter unsres Missvergnügens», denn eigentlich ist Candice Schauspielerin.

Warum ist das spannend? Machen wir es kurz: Dem Empire hat die letzte Stunde geschlagen. Wilde Streiks lähmen das Land, und die Labour-Regierung taumelt – ein Fressen für Historienfans. Selbst wenn dieser Roman ganz und gar nicht dem Klischee einer historischen Romanze entspricht, gibt es auch eine Liebesgeschichte.

Wer soll das lesen? Musikbegeisterte. Und Cineastinnen: «Ein Roman wie ein Film von Ken Loach», hat «Le Nouvel Observateur» über das Buch (eines Franzosen!) geschrieben. Es stimmt. Keine Angst vor dem Düsteren: Die Stimmung ist grossartig, und auch der Rest ziemlich Rock’n’Roll.

«Ein englischer Winter» von Thomas Reverdy, 208 Seiten, gebunden, Berlin, ca. 31 Franken

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