Switzerland

Hannes Binders verdunkelte Schweiz

Alles zerfliesst bei ihm. Der Strich, mit dem Hannes Binder eine Strasse ritzt, schwillt zum Fluss. Vor einem Bildschirm sitzt ein Skelett, das Kabel gleitet aus seinem Rücken und schlängelt sich zur Steckdose wie ein Wurm. Die Papiere eines Bürolisten türmen sich zu einer Welle, die über ihm zusammenbrechen wird. Sogar die Zürcher Hardbrücke, auf der sich der Verkehr durch die Nacht windet, kommt einem unheimlich vor, düster wie das Paris von Tardi, dem französischen Cartoonisten, der die Detektivromane von Léo Malet visualisierte.

Dass bei Binder Wachzustand und Halluzination ineinander übergehen, das kennt man bei ihm, es bestimmt seine Arbeit im Lauf seiner ganzen, langen Karriere bis hin zu «Der digitale Dandolo», seinem neuen Buch. Das Museum Strauhof zeigt nun eine Auswahl seiner Bilder. «Die doppelte Lektüre» heisst die Ausstellung und drückt den Wunsch des Künstlers aus, so gelesen zu werden wie eine Schrift: zweideutig klar.

Was einem an dieser Zusammenstellung auffällt (sie ist von Rémi Jaccard klug kuratiert): wie viele Schweizer Schriftsteller Binder zu seinen kontrollierten Psychosen inspiriert haben. Und umgekehrt: wie sehr man das albtraumhafte, drohend Wuchernde in den Texten wiederfindet, das Binder aus ihnen gelesen hat. Friedrich Glauser und Urs Widmer haben Albträume, Gottfried Keller treibt apokalyptisch «Kristallgeister des menschlichen Gemüts» mit einem Heer der Ratten und Mäuse zusammen. Max Frisch steht am Bildrand mit Pfeife und vergittertem Gesicht. Und Friedrich Dürrenmatt spielt Schach mit Menschen wie ein schlecht gelaunter Gott.

Kontrolle und Wahn

Binders dunkle Illustrationen, präzis und detailliert, entstehen in einer Feinarbeit, die dem Zeichner in den besten Momenten mental entgleitet. «Es gibt einen gewissen Automatismus in meiner Arbeit, bei dem ich nicht mehr denke», sagt er. «Manchmal schaffe ich dabei etwas, das ich gar nicht beabsichtigt habe.»

Hannes Binder bei der Arbeit. Foto: Carlotta Holy

Binders Bilder wirken wie aus einer anderen Zeit, vielleicht weil seine Technik, die den entwertenden Titel «Schabkarton» trägt, an die Holzschnittkunst des 19. Jahrhunderts erinnert. Das gibt ihr etwas wie aus der Zeit Gefallenes, das gerade deshalb seltsam zeitlos wirkt. Hannes Binder sieht das ähnlich: «Aus der Vergangenheit schaue ich die Gegenwart an.»

So düster die Bilder und Szenen und Schreckträume sind, die der Illustrator zu den literarischen Vorlagen halluziniert, so helvetisch kommt einem diese Kombination aus Kontrolle und Wahn vor, ähnlich wie die jurassischen Uhrmacher, die tagsüber Details verschraubten und sich in der Nacht in den Rausch tranken. Oder wie er selber es formuliert: «Die Textur der Striche vermittelt eine Sicherheit, die dann im Bild verschwindet. Du brauchst eben einen Boden, um ihn dann zu durchbrechen.»

Strauhof Zürich, bis 17. Mai.

Hannes Binder: Der digitale Dandolo. Graphic Novel. Limmat, Zürich 2020. 64 S., ca. 30 Fr.

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