Switzerland

Hängt sie beide! Picassos Harlekins finden wieder zueinander

Pablo Picasso und Basel: Das ist eine grosse Liebes- und ein wichtiges Stück Kunstgeschichte. Beide wurden gestern um ein kleines Kapitel erweitert. Als Vorschau auf die Ausstellung «Picasso, Chagall, Jawlensky» im Kunstmuseum Basel, die in einer Woche öffnet, kam es zu einer Hängung. Der Hängung von zwei Picassos.

Beigewohnt haben ihr ein kleiner Kreis Journalisten und Teile der Belegschaft des Museums. Die böse Zunge sagt, das Ganze sei bloss ein halbwegs cleverer Marketing-Trick. Aber die böse Zunge hat auch in diesem Fall nur halb recht, oder gar nicht. Denn was hier zusammenkommt, sind zwei Gemälde des spanischen Meisters, die seit 1923 nie mehr zusammenkamen, weder öffentlich noch privat. Interessant ist jedoch nicht die nackte Zahl von beinah hundert Jahren, sondern die Geschichte dahinter. Sie handelt von gewieften Kunsthändlern, weitsichtigen Sammlern, verzweifelten Erben und einer kunstbegeisterten Stadt.

Von Paris nach New York nach Basel

1923 kam es in der Kunstwelt zu einer kleinen Sensation. Die New Yorker Galerie Wildenstein präsentierte drei Harlekins aus dem Pariser Atelier Picassos, nicht kubistisch gemalt, sondern wieder im Stil der blauen und rosa Periode.

Von langer Hand eingefädelt wurde der Coup vom Pariser Kunsthändler Paul Rosenberg, einer Institution im damaligen Markt. Bereits Jahre zuvor hatte er die Bilder bei Picasso bestellt. Und obwohl der eigenwillige Maler den Händler lange hinhielt und schmoren liess, zeigt das Beispiel, dass schon damals nicht bloss die kreativ-fröhliche Bohème, sondern auch knallharte Geschäftsstrategien die internationale Kunstwelt mitprägten.

Und, das ist ebenfalls bemerkenswert, in dieser obersten Liga spielten auch Basler Sammler mit. Karl Im Obersteg gelang es, einen der drei «Arlequins» bereits vor der New Yorker Schau zu kaufen. Sechs Monate später und einen Drittel des eh schon beachtlichen Preises mehr zahlend, zog sein Basler Sammlerfreund Rudolf Staechelin mit und kaufte den zweiten. Der dritte ging an einen Napoleon-Erben in Paris.

Obwohl in dieselbe Stadt importiert und im Besitz von befreundeten Sammlern, kamen die Basler «Arlequins» bis zur Hängung gestern nie mehr zusammen. Rudolf Staechelin platzierte seinen «Arlequin assis» 1947 als Depositum im Kunstmuseum Basel. Seine Sammlung vererbte er später dem Sohn Peter mit der Auflage, dass sie nur verkauft werden dürfe, wenn ein Familienmitglied in finanzielle Not gerate.
1967 war es so weit: Die Basler Fluggesellschaft Globe Air groundete nach einem Absturz mit 124 Todesopfern. Ihr Hauptaktionär, Peter A. Staechelin, geriet in Not und brauchte dringend Geld. Er verkaufte einen van Gogh in die USA und wollte auch den Picasso verkaufen. Die Stadt Basel sprang ein, wollte sechs Mio. Franken zum Kauf beisteuern und das Bild im Museum behalten, was zu einem Referendum, Demonstrationen gegen dieses und schliesslich zu einer Volksabstimmung führte, die als Basler Picasso-Wunder in die Annalen einging.

Der Maler war von der Begeisterung der Basler für sein Werk derart gerührt, dass er den damaligen Museumsdirektor Franz Meyer ins Atelier nach Südfrankreich lud, wo er ihm drei Gemälde und eine Skizze schenkte, den Grundstein zur Picasso-Sammlung in Basel.

Auch der zweite «Arlequin» beschäftigte einen Erben. Schon vor seinem Tod 1969 riet Karl Im Obersteg seinem Sohn Jürg, das Bild zu verkaufen. Dieser tat es auch, denn anders hätte er die Erbschaftssteuer für die gewichtige Kunstsammlung des Vaters nicht bezahlen können, und die Sammlung, die seit 2004 im Kunstmuseum Basel ist, wäre wohl auseinandergebrochen.

Seither ist das Bild in Privatbesitz einer nicht genannt sein wollenden Person und wurde nie mehr öffentlich gezeigt. Es ist Direktor Josef Helfenstein also schon ein kleiner Coup gelungen. Er habe über ein Jahr mit dem Besitzer verhandelt, bis dieser einwilligte. Der dritte Clown hängt mittlerweile im Centre Pompidou in Paris und wird, so Helfenstein, nicht ausgeliehen. Aber das Duo aus den Basler Sammlungen reicht bereits als Attraktion. Sie machen sich gut in der Picasso-Stadt am Rhein.


Picasso, Chagall, Jawlensky
22. Februar, bis 24. Mai, Kunstmuseum Basel.