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Handball-Hexer Portner: «Es ist krass, wie wir uns gegenseitig unterstützen»

Mit seinen Paraden hält Nikola Portner die Schweiz an der Handball-WM gegen jeden Gegner im Spiel. Bild: keystone

Handball-Hexer Portner: «Es ist krass, wie wir uns gegenseitig unterstützen»

Torhüter Nikola Portner hat eine schwierige Zeit hinter sich. Dennoch überzeugt er an der WM in Ägypten. Zum Abschluss treffen die Schweizer am Sonntag auf Algerien.

sascha fey / keystone-sda

Corona ist derzeit omnipräsent. Portner bekam am eigenen Leib zu spüren, was das Virus auslösen kann. Im Oktober erwischte es ihn voll. «Ich hatte, glaube ich, alle Symptome», erzählt der 27-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Nach einer Woche war er zwar «mehr oder weniger gesund, ich war aber insgesamt dreieinhalb Wochen positiv» – er liess sich jeden zweiten Tag testen. Sein Geschmacks- und Geruchssinn ist nach wie vor nicht zurückgekehrt, Portner bezifferte ihn zwischen 10 und 30 Prozent.

Immerhin durfte er in Chambéry nach dem Abklingen der Symptome trotz Quarantäne trainieren, konnte er beispielsweise alleine den Kraftraum benutzen. Anfang November kehrte er dann im EM-Qualifikationsspiel gegen Nordmazedonien (23:25) aufs Parkett zurück. Portner machte nicht nur Corona zu schaffen, Ende September verstarb überraschend sein Vater im Alter von nur 58 Jahren. Zlatko Portner war ein ehemaliger Weltklasse-Handballer.

Nikola Portner mit seinem Vater Zlatko am Handball Youth Cup vor zehn Jahren. Bild: imago sportfotodienst

«Mein Vater war der Hauptgrund dafür, dass ich zum Handball gekommen bin», so Nikola Portner. Insofern hatte er zunächst das Gefühl, den Grund, den Sport auszuüben, verloren zu haben. «Das tönt verrückt», so Portner, «es ist nun aber einfach nicht mehr das Gleiche wie zuvor.» Immerhin könne er nun mit seinen Leistungen dazu beitragen, dass sein Vater den Leuten noch lange in Erinnerung bleibe.

Zlatko Portner hätte während der WM, am 16. Januar, Geburtstag gefeiert. An diesem Tag spielten die Schweizer gegen Norwegen (25:31). Nikola Portner brillierte in dieser Partie nach seiner Einwechslung nach der Pause mit acht Paraden. «Natürlich dachte ich daran, aber es war nicht ein Kampf wie Ende September. Mir war wichtig, dass es meiner Mutter gut geht», sagt Nikola Portner. Mit ihr habe er am Morgen noch telefoniert.

Der Auftakt ins Turnier war Portner noch misslungen. Gegen Österreich (28:25) liess er sämtliche elf Schüsse auf sein Gehäuse passieren, ehe er ausgewechselt wurde. Wie er darauf reagierte, unterstreicht seine Klasse – gegen Island (20:18) verzeichnete er eine Abwehrquote von 43 Prozent (13 Paraden). «Ich kenne meine Qualitäten, weiss was ich kann, was ich brauche. Das Wichtigste ist, ruhig zu bleiben und an sich selber zu glauben», führt Portner aus.

Portner gewann 2018 mit Montpellier die Champions League. Nachdem der Trainer dort nicht mehr auf ihn gesetzt hatte, wechselte er auf diese Saison hin zu Chambéry. Diesen Schritte bezeichnete er als «perfekt». Alle seine Erwartungen seien übertroffen worden. In der kommenden Spielzeit erhält er noch mehr Verantwortung, da der Goalie Nummer 2 den Verein verlässt und kostenbedingt durch einen Junior ersetzt wird.

«Ich fühle mich momentan extrem gut», sagt Portner. Das ist zu sehen. Der Vater einer Tochter führt die Mannschaft als Captain an, ist aber keiner, der viel sagt, vielmehr «will ich auf dem Feld da sein, wenn es schwierig wird.» Auf die Frage, ob er solch gute Auftritte der Schweizer erwartet hatte, antwortete er: «Eigentlich schon. Ich weiss, dass wir ein gutes Team haben und jeden Gegner schlagen können. Es ist krass, wie jeder zu jedem steht, wie wir uns gegenseitig unterstützen. Jeder kennt seine Rolle und akzeptiert diese. Das macht uns aus.»

Portner ist gar enttäuscht, dass es nicht zum Einzug in die Viertelfinals gereicht hat, was seinen grossen Ehrgeiz unterstreicht. Nun möchte er wenigstens den 4. Rang in der Hauptrundengruppe 3 erreichen, der gleichbedeutend mit einer Klassierung in der ersten Ranglistenhälfte (Top 16) wäre. «Das wäre super für den Schweizer Handball. Keiner hatte mit uns gerechnet.»

Um das zu schaffen, benötigt die SHV-Auswahl im letzten Spiel gegen Algerien am Sonntag einen Sieg. «Die Beine sind zwar schwerer als sonst und mental ist es nicht ganz einfach. Wir spielen jedoch an einer WM und das vereinfacht ziemlich vieles», erklärt Portner. Zudem haben die Schweizer nur eines von zehn Duellen gegen die Nordafrikaner verloren. Die Chancen auf einen positiven Abschluss des WM-Abenteuers stehen also gut. (abu/sda)

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