Switzerland

Haftstrafe und Landesverweis: Kriminaltouristen klauten bei Migros und Coop

Beim letzten Mal, Ende Juni 2019, nimmt Wassili auch seinen Bekannten Symon B., 31, mit. Die beiden Weissrussen reisen via Basel mit dem Vorsatz in die Schweiz, gemeinsam Diebstähle zu begehen und das erbeutete Deliktsgut weiterzuverkaufen, wie es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten heisst. Wassili und ­Symon kommen nicht weit.

Am 6. Juli 2019 werden sie verhaftet, seither sitzen sie in Lenzburg in Haft. Weil sie auch in Bremgarten bei Migros und Coop zuschlagen und die erbeutete Ware – praktisch ausschliesslich Rasierklingen – am gemeinsamen Logierort in Wohlen aufbewahren, standen Wassili und Symon gestern vor dem Bezirksgericht Bremgarten.

Sperren für den Schengen- Raum schmerzt Diebe

Ihnen werden gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl sowie illegale Einreise und Aufenthalt in der Schweiz vorgeworfen. Die Deliktsumme beträgt über 7500 Franken. Weil beide vollumfänglich geständig sind und die Strafanträge der Anklage akzeptieren, wird der Prozess im abgekürzten Verfahren durchgeführt.

Für Wassili beantragt die Anklage eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten unbedingt plus Landesverweis von sieben Jahren, für Symon eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten und ein Landesverweis von fünf Jahren. Staatsanwältin Ilona Saputelli beschreibt Wassili in ihren Ausführungen so: «Er ist der Inbegriff eines Kriminaltouristen. Er hatte in seiner Heimat eine geregelte Arbeit und ist ohne Not extra angereist, um sich zu bereichern.»

Sowohl Wassili als auch Symon zeigen sich reuig. Besonders der mehrjährige Landesverweis, der für den gesamten Schengen-Raum gilt, scheint sie zu schmerzen. Wassili sagt zu Gerichtspräsidentin Corinne Moser über seine Zukunftspläne: «Ich verspreche, dass ich sicher zehn, 20 Jahre nicht mehr in die Schweiz komme. Aber bitte verzichten Sie auf die Sperre für Schengen. Das schadet meinem Leben. Ich arbeite oft in Polen, weil es in Weissrussland zu wenig zu verdienen gibt. Ich möchte so schnell wie möglich zurück zu meiner Familie.»

Seit letztem Oktober ist er Vater, seine Ehefrau lebt in Weissrussland. Symon seinerseits versteht nicht, wieso er fünf Jahre fern bleiben solle. Er habe erst im Januar eine Verfügung des Migrationsamtes über drei Jahre erhalten. Gerichtspräsidentin Moser belehrt ihn: «Es tut mir leid, aber da kann das Gericht nichts ändern. Das Strafgesetzbuch schreibt bei qualifiziertem Diebstahl zwingend einen Landesverweis von fünf bis 15 Jahren vor, der auch den Schengen-Raum umfasst. Bei Ihnen sind wir am Minimum.»

Für einen der Diebe könnte Hoffnung bestehen

Strafmildernd kommt den Beschuldigten zugute, dass sie bei ihren Taten keine Personen direkt geschädigt haben und sich bei der Untersuchung kooperativ verhielten. Die unterschiedlichen Straflängen hängen mit ihren Vorleben zusammen.

Wassili ist ein notorischer Delinquent, der nach eigenen Aussagen schon zum vierten Mal in der Schweiz im Gefängnis sitzt. Die Staatsanwaltschaft stellt ihm keine positive Prognose. Anders verhält es sich bei Symon. Er besass zuvor einen einwandfreien Leumund und hat freiwillig ihr Domizil offenbart, wodurch weiteres Diebesgut gefunden werden konnte.

Auf die schiefe Bahn sei er geraten, weil er daheim wegen eines kaputten Autos Schulden hatte. Gerichtspräsidentin Moser warnte in ihrer Urteilsrede: «Bei der Strafhöhe sind wir an der unteren Grenze. Falls es je wieder vorkommt, fällt sie höher aus.»

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