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Haare in der Corona-Krise: Jetzt ist die Zeit, rebellisch zu sein!

Wir müssen ohne Coiffeure auskommen. Locken und Strähnen wachsen ungehindert in alle Richtungen. Endlich! Unser Autor und seine Mähne freuen sich diebisch darüber.

Fransen zeigen, jetzt erst recht. Was kann uns Besseres passieren, da wir ohnehin nicht zum Coiffeur gehen können?

Fransen zeigen, jetzt erst recht. Was kann uns Besseres passieren, da wir ohnehin nicht zum Coiffeur gehen können?

Imago

Die Anarchie hat gesiegt. Und man kann nichts mehr dagegen tun. Der Versuch, dem Wildwuchs in den letzten Tagen vor dem Shutdown Einhalt zu gebieten, scheiterte kläglich – oder war es Absicht, Arglist gar, um sich gegebenenfalls verteidigen zu können? Damit man jetzt sagen kann: «Ich wollte ja zum Coiffeur gehen, ich hab ihm sogar eine Nachricht auf Band hinterlassen – aber er hat einfach nicht zurückgerufen!»?

Tja, Pech. Statt eines Termins habe ich eine halbwegs glaubwürdige Ausrede für meine Nicht-Frisur bekommen. Andere sorgen sich jeden Tag etwas mehr, weil ihr Haar, je länger es wird, je weniger tut, was sie wollen. Ich hingegen freue mich diebisch über diese «Notlage»: Endlich habe ich ein schlagendes Argument zur Hand, wenn ich von meiner Mutter zu hören bekomme: «Kind, du solltest wieder einmal . . .» – «Ja, wie denn?!»

Neckische Fransen – ein befreiendes Gefühl!

Seit ich nicht mehr zum Coiffeur gehen kann, trage ich meine Mähne noch stolzer zur Schau als vor der Pandemie. Bei Besuchen bei meinen Eltern (die in sicherer Distanz zwischen dem Fenster im ersten Stock und dem Vorplatz vor dem Haus stattfinden), aber auch unter Kollegen (was wegen Home-Office kaum mehr vorkommt) und bei Videokonferenzen (eine neue Erfahrung, doch am Laptop-Screen kommen die langen Strähnen besonders gut zur Geltung).

Der Druck ist weg. Die neckischen Fransen, die wellenden Locken über und hinter mir dürfen bleiben – ein befreiendes Gefühl! Sie müssen nicht fürchten, plötzlich den Konventionen eines immerzu zurechtgestutzten Erscheinungsbilds zum Opfer zu fallen. Sie dürfen weiterwachsen, in alle Richtungen! Jetzt ist die Zeit, rebellisch zu sein!

Was kann uns Besseres passieren?

Haare symbolisieren Kraft, Gesundheit, Erotik, so hat es eine Kollegin vor kurzem beschrieben. Ich kann das bei meinem Wuschel nicht beurteilen, und von der lichten Stelle am Hinterkopf wollen wir gar nicht reden, das ist ein wunder Punkt. Sicher hingegen ist: «Frisuren» wie meine stehen für die Lust, Erwartungen bewusst in den Wind zu schlagen, für einen unbändigen Freiheitswillen, für Provokation und Subversion.

Was kann uns Besseres passieren, jetzt, da wir sonst brav tun, was man von uns verlangt: zu Hause hocken, noch mehr auf den Bildschirm starren als im Büro, Abstand halten bei den seltenen Auftritten in der Öffentlichkeit. Der Mensch braucht ein Ventil für Protest – und sei es nur, dass sich seine Locken um Bürsten und Kamm foutieren.

Vom einen zum anderen Trauma, immer wieder

Allein, der Tag wird kommen, an dem das Schicksal auch mich wieder ereilen wird: ausgeliefert auf einem Sessel, vor einem riesigen Spiegel, eine übergrosse Serviette um den Hals, mit der man sich erst recht nicht wehren kann. Mein Gruseln ist nicht metaphysisch, wie es der Liedermacher Mani Matter einst so schön besungen hat, sondern sehr real: Jetzt wird es wieder zu kurz, zu schief, zu rasiert. Meine Persönlichkeit fliegt büschelweise zu Boden.

Übrig bleibt ein zurechtgestutzter Fremder, mit dem ich nichts zu tun haben will. Der noch dazu so tut, als sei alles in bester Ordnung – man will seine Konflikte ja für sich behalten.

Es ist eine grauenhafte Erfahrung. Den unvermeidlichen Gang zum Coiffeur versuche ich so lange wie möglich aufzuschieben (mein letztes Mal war im Juni 2019, ein neuer Rekord!). Das wiederum bringt es mit sich, dass bei den seltenen Terminen ordentlich geschnitten werden muss. So führt das eine zum anderen Trauma, immer wieder.

Zum Glück ist Shutdown. Wenigstens in der Hinsicht.

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