Switzerland

Grossveranstaltungen sind wieder erlaubt – nebst Sportanlässen ist 2020 allerdings nicht mehr viel geplant

Events mit über 1000 Personen dürfen unter strengen Auflagen wieder stattfinden. Grosskonzerte wird es dieses Jahr in Zürich aber fast keine mehr geben. Die Planungsunsicherheit bleibt auch für 2021 bestehen.

Konzerte mit über 1000 Personen sind zwar erlaubt, aber so ein Bild wird es in nächster Zeit nicht geben. Stehplätze sind vorerst noch untersagt.

Konzerte mit über 1000 Personen sind zwar erlaubt, aber so ein Bild wird es in nächster Zeit nicht geben. Stehplätze sind vorerst noch untersagt.

Dominic Steinmann / NZZ

Es ist soweit: Seit Donnerstag, 1. Oktober, sind Veranstaltungen mit über 1000 Personen unter Auflagen und mit Sonderbewilligung wieder erlaubt. Doch das Angebot für Grossevents ist noch überschaubar. Konzertveranstalter brauchten mehr Vorlaufzeit, wie die Betreiber der Samsung Hall und des Zürcher Hallenstadions erklären. «Dieses Jahr läuft nicht mehr viel», sagt Sandra Maron, Leiterin Kommunikation der Samsung Hall, «es geht nicht sofort los mit Events, es bedarf einer längeren Planungsphase. Die Veranstalter tragen ein grosses finanzielles Risiko, die Bewilligung des Kantons kann nämlich kurz vorher wieder entzogen werden. Niemand will mit diesen Risiken etwas planen», sagt Maron. Der Veranstalter erhält keine Entschädigung, falls die Bewilligung zurückgezogen wird. Daher erstaunt es nicht, dass in der Samsung Hall dieses Jahr kein Konzert mehr stattfinden wird.

«Ein rabenschwarzes Jahr»

Für viele Veranstalter waren die Hürden dieses Jahr zu hoch. Die meisten Grosskonzerte wurden bereits um ein Jahr verschoben oder abgesagt. Schon alleine wegen der Reisebeschränkungen und Quarantänelisten können viele internationale Künstler gar nicht nach Zürich kommen. «Sie gehen nicht auf Tour, weil sie nicht mehrere Städte abklappern können», erklärt Maron. Und fügt an: «Für uns ist das ein rabenschwarzes Jahr, mindestens 80 Prozent des Umsatzes fällt weg», sagt Maron. Seit Ende Februar stehe in der Samsung Hall bis auf kleine Firmenanlässe alles still, aber die laufenden Kosten würden bleiben. Kurzarbeit alleine reiche nicht aus.

Für kommendes Jahr sind einige Konzerte angekündigt. Man hoffe auf Besserung der Situation, sagt Maron, trotz Unsicherheit wolle man wieder zur Normalität zurückkehren. «Es wünschen sich alle wieder Konzerte. Die Live-Erlebnisse können schliesslich durch keinen Live-Stream ersetzt werden.»

Seit Anfang September bekannt wurde, dass Grossanlässe wieder erlaubt sein werden, sind bei der Staatskanzlei 16 Gesuche für Covid-19-Bewilligungen eingegangen. 6 Gesuche wurden bewilligt, 2 wurden zurückgezogen und eines wurde abgelehnt, weil das Schutzkonzept mangelhaft war, wie Regierungssprecher Andreas Melchior auf Anfrage der NZZ erklärt. Die restlichen Gesuche sind noch ausstehend. Weder werden Details zu einzelnen Fällen bekanntgegeben, noch die Art des Anlasses.

Die Staatskanzlei leitet die Gesuche jeweils an die Arbeitsgruppe Grossveranstaltungen des Sonderstabes Covid-19 weiter und von dort geht sie an die fachlich zuständige Direktion. Ob es Streitfälle gab, bei denen der Gesamtregierungsrat entscheiden musste, ist nicht bekannt. Dies fällt unter das Sitzungsgeheimnis. Jedes Schutzkonzept werde individuell beurteilt, denn jede Veranstaltung, jede Halle und damit auch die möglichen «Problemzonen» seien anders, sagt Melchior. «Der Veranstalter muss glaubhaft machen, dass er die Situation im Griff hat.»

Bei den meisten Bewilligungen für Grossanlässe handelt es sich um Heimspiele der Eishockey- und Fussballklubs. Für die Heimspiele der ZSC Lions brauchte das Hallenstadion eine einzige Covid-19-Bewilligung, diese ist gültig für alle Spiele dieser Saison. Gesuche für Konzerte hingegen müssen alle einzeln eingereicht werden. Der Direktor des Hallenstadions, Philipp Musshafen, will sich deswegen zusammen mit den Verbänden um eine Rahmenbewilligung bemühen und sucht dafür das Gespräch mit dem Kanton.

Auch André Béchir, der Senior Advisor des Konzertveranstalters Gadget abc Entertainment, setzt sich zurzeit für einheitliche Richtlinien für Sport- und Kulturanlässe ein. «Wir sind doch eine Einheit, wir verwenden die gleichen Hallen und Stadien», sagt Béchir. In Eigenregie erarbeitet er zurzeit ein nationales Schutzkonzept, damit für alle Grossanlässe dieselben Regeln gelten. «Wir müssen das Vertrauen des Besuchers zurückgewinnen. Er muss sich wieder sicher fühlen.»

Am 28. Oktober tritt die deutsche Komikerin Carolin Kebekus im Hallenstadion auf, und den musikalischen Auftakt in der Corona-Zeit macht dort die Bieler Band Pegasus am 28. November – das Konzert wird diese Woche bewilligt. Diesen Auftritt habe man mit dem Veranstalter Gadget abc Entertainment vor einem halben Jahr angerissen, so Musshafen.

Die Corona-Beschränkungen sind strikt: Im Schutzkonzept müssen laut Behörden klare strenge Massnahmen definiert werden, entweder kann der Abstand eingehalten werden oder Maskentragen ist Pflicht. Zudem gilt eine Sitzpflicht mit personalisierten Sitzplätzen (für Freiluftveranstaltungen gibt es Ausnahmen). Vorerst muss im Hallenstadion eine Maskenpflicht befolgt werden, Stehplätze gibt es keine.

Aber wird Stimmung aufkommen, wenn alle Sitzen bleiben müssen? Oliver Rosa, Pegasus-Manager und Managing Partner des Veranstalters, zeigt sich zuversichtlich: «Unplugged» sei ein ruhigeres Konzept und eigne sich daher gut für ein sitzendes Publikum. Bisher wurden laut Rosa rund 2000 von 4500 Tickets verkauft – und dies noch ohne vorliegende Bewilligung.

Würde die Bewilligung wieder entzogen, entstünde beim Veranstalter ein hoher Schaden. «Es ist generell schwierig, unter diesen Rahmenbedingungen ein Konzert kostendeckend zu veranstalten», erklärt Rosa. Das finanzielle Interesse stehe hier nicht an erster Stelle, man wolle mit diesem Konzert das Zeichen setzen, dass der Betrieb wieder losgehe. Der Veranstalter hat noch keine Gesuche für die 2021 geplanten Konzerte eingereicht, die Planungsunsicherheit sei zu gross. Rosa geht davon aus, dass im ersten halben Jahr 2021 unter anderem wegen der unterschiedlichen Reisebeschränkungen kaum internationale Konzerte werden stattfinden können. Die Hoffnung ist da, aber die Unsicherheit bleibt gross. Lange sind die Einschränkungen für die Veranstalter nicht haltbar: «Die volle Kapazität ist wichtig für uns. Wenn über einen langen Zeitraum, die Besucheranzahl stark begrenzt bleibt, ist unser Geschäft nicht mehr möglich.»

Sorge vor Unverständnis der Fans

Philipp Musshafen ist etwas nervös vor den ersten Grossanlässen im Hallenstadion. Am Freitag spielen dort die ZSC Lions. Werden die Fans die Masken wirklich anlassen, nicht aufstehen bei Goals und einander auch nicht umarmen? Musshafen bezweifelt, dass der Torjubel ganz verhindert werden kann. Wenn eine Person zweimal wegen Missachtung der Schutzmassnahmen verwarnt wurde, werde sie aus dem Stadion befördert. Musshafen befürchtet: «So eine Szene würde sicherlich für eine schlechte Stimmung sorgen. Wir appellieren hier an die Eigenverantwortung aller Besucher, damit solche Massnahmen nicht nötig werden.» Für die Eishockeyspiele seien die Vorgaben klar von der Swiss Hockey League vorgegeben: Bei der Maskenpflicht gebe es keine Ausnahmen, auch nicht für Personen mit einem Attest. «Es tut mir sehr leid für die Betroffenen, aber Personen ohne Maske könnten andere dazu verleiten, die Maske selbst abzulegen», erklärt Musshafen.

Die Zuschauer werden über Anzeigen an die Schutzmassnahmen erinnert werden. Nebst dem Speaker sollen Sicherheitskräfte und Hostessen die nicht folgsame Besucher auf die Massnahmen hinweisen. Für die Grossveranstaltungen wurde massiv aufgestockt: Pro Event werden etwa 50 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz sein.

Das Schutzkonzept des Hallenstadions ist über 40 Seiten lang. Der Rauchbereich wurde vergrössert. Auch der Alkoholkonsum der Stadionbesucher ist ein Thema: Für den Moment habe man die harten Spirituosen aus dem Sortiment gestrichen, sagt Musshafen. Longdrinks werden keine angeboten, dafür Prosecco, Wein und Bier. «Man muss schon ein paar Bier mehr trinken, um auf denselben Alkoholpegel zu kommen, wie mit Longdrinks», sagt Musshafen. «Beim Hockey wird mehrheitlich Bier getrunken. Ein erhöhter Alkoholkonsum kann dazu verleiten, die Regeln nicht mehr so einzuhalten. Das wollen wir verhindern bzw. das Risiko minimieren», erklärt er weiter.

Wie wird überprüft, ob die Schutzkonzepte eingehalten werden? Es wird Kontrollen vor Ort geben: «Der Kanton Zürich setzt auf einen konsequenten Vollzug», schreibt Melchior in einer Stellungnahme. In der vergangenen Woche seien durch die zuständigen Ämter und die Polizei 475 Kontrollen von Schutzkonzepten durchgeführt worden.

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