Switzerland

Grosses Interview mit SCB-Sportchefin Florence Schelling: «Nach dem Unfall war es brutal schwierig»

BLICK: Frau Schelling, der SCB startete am Montag mit dem Eistraining. Sie aber weilen in Arosa, leiten ein Girls Camp.
Florence Schelling:
Da habe ich bereits vor meinem Engagement in Bern zugesagt. Der Job als Trainerin bereitete mir viel Spass. Es ist aber nicht so, dass er mir fehlen wird.

Sie sind seit 118 Tagen im Amt. Ihre Bilanz?
Es ist sehr intensiv. Wegen Corona herrscht viel Ungewissheit. Die Dinge verändern sich ständig. Ich wurde mit vielen Problemen konfrontiert. Man kann jammern oder Lösungen suchen. Ich bin ein Mensch, der Lösungen sucht.

Welches war die grösste Herausforderung?
(überlegt lange) Von der Trainersuche bis über Schutzkonzepte gab es einiges.

Die Verpflichtung von Don Nachbaur überraschte. Sie sollen ein Anforderungsprofil mit 60 Kriterien erstellt haben.
Ja, wobei wir Kriterien wie Fachkompetenz höher gewichtet haben. Basierend auf diesem Katalog führten wir die Gespräche und füllten das Profil aus.

Als Unterstützung setzen Sie auf Christian Marcolli, der einst auch Roger Federer betreute. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Er ist mein Coach und Berater, bringt mich auf eine andere Sichtweise und zeigt alternative Wege auf. Während meiner Aktivzeit war er mein Psychologe. Als ich mit Bern ins Gespräch kam, habe ich ihn kontaktiert.

Wie oft treffen Sie ihn?
Das läuft telefonisch ab. Er fragt wöchentlich nach, was ansteht. Brauche ich Unterstützung, rufe ich an. Es geht um alltägliche Situationen wie die Entscheidungsfindung.

Sie sind die erste Sportchefin der Welt. Wie oft werden Sie darauf angesprochen?
Die Geschlechterfrage bekomme ich nur von Journalisten gestellt. Ich bin in dieser Männerwelt aufgewachsen, habe mehr Männer- als Frauenhockey gespielt. Es ist für mich völlig normal.

Es wird behauptet, CEO Marc Lüthi dulde keine starken Personen neben sich. Widersprechen Sie ihm auch mal?
Ja. Ich setze mich für meine Ideen ein. Wir arbeiten sehr gut zusammen. In einigen Bereichen hat er sich gefügt, in anderen ich. Es braucht eine Diskussionskultur.

Sie arbeiten nach einem Skiunfall, bei dem Sie sich den sechsten Halswirbel gebrochen haben, 80 Prozent. Bringen Sie alles unter einen Hut?
Es ist schwierig. Aber ich bin sehr organisiert und weiss, was ich wann tun muss.

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit?
Meine Freizeit hat sich dem Gesundheitsstatus angepasst. Ich lese gerne. Aber wenn ich mich den ganzen Tag konzentrieren muss, kann ich abends nicht noch ein Buch lesen. Ich koche, gehe spazieren oder leg mich einfach hin.

Bekommen Sie noch immer Müdigkeitsanfälle?
Anfälle nicht. Aber es kommt vor, dass ich mich zurückziehen muss. Manchmal helfen 10 Minuten, um runterzukommen. Manchmal dauert es eine Stunde. Und es gibt Tage, da brauche ich eine ganze Nacht.

Sprechen Sie das intern an?
Ja, das ist mir wichtig. Denn wenn es mir nicht gut geht, hilft das auch der Organisation nicht. Ich ging auch schon zwei- oder dreimal nach Hause.

Gibt es eine Garantie, dass die Symptome verschwinden?
Das kann man nicht sagen. Jeder Mensch reagiert anders und macht einen anderen Heilungsverlauf durch. Ich sehe, dass ich Fortschritte mache.

Haben Sie sich überlegt, ob es zu viel werden könnte?
Auf jeden Fall. Ich spürte aber, dass sie mich in Bern unterstützen. Trotzdem gab ich meine Zusage erst, als ich von den Ärzten grünes Licht bekam. Hätte auch nur einer abgeraten, ich hätte den Job wohl nicht angenommen.

Der Unfall liegt eineinhalb Jahre zurück. Noch immer gehen Sie an zwei halben Tagen die Woche in die Therapie.
Ich bin kein geduldiger Mensch. Nach dem Unfall war es brutal schwierig. Zuvor war ich nonstop unterwegs, machte Sport, habe gearbeitet und war dann von einer Sekunde auf die andere ans Bett gefesselt. Schliesslich realisierte ich, dass ich enormes Glück hatte. Mir wurde bewusst, dass ich zu 100 Prozent gesund werden kann. Da nimmt man diese zwei oder drei Jahre gerne auf sich. Ich kann den Kopf drehen und Treppen laufen. Das ist das Wichtigste.

Hat der Unfall Ihre Sicht aufs Leben verändert?
Ja, ich hätte sterben können oder könnte Tetraplegikerin sein und im Rollstuhl sitzen. Da bekommt man automatisch eine andere Sichtweise. Man sieht mehr Positives. Ich unternehme Dinge, die mir Spass bereiten und sage auch mal konsequent nein. Ich brauche nicht meine Zeit für Dinge zu verschwenden, die ich nicht tun will. Und falls ich mich im Auto ärgere, sage ich mir, dass es nichts bringt – und gut ists.

Fällt man nicht irgendwann in den alten Trott zurück? Wie nach einem Urlaub?
Du kannst dich in den Ferien nicht so grundsätzlich verändern, damit gewisse Situationen nicht mehr dieselben Reaktionen auslösen. Meist ist alles wie vorher. Mir aber wurde dieses frühere Leben genommen. Ich habe Schrauben und Platten im Körper, muss vor Reisen abklären, ob die Metalldetektoren am Flughafen reagieren könnten. Nach einem solch prägenden Ereignis bist du nicht mehr derselbe Mensch. Im Grundsatz wurde ich ruhiger, gelassener.

Sie wollten danach auf Weltreise gehen.
Der Unfall ermöglichte mir etwas, das ich zuvor gar nicht in Erwägung gezogen hatte. Meine Ärzte meinten, eine Weltreise würde mir wohl unglaublich gut tun. Ich hätte mir natürlich Physiotherapeuten gesucht unterwegs.

Welche Länder hätten Sie bereisen wollen?
Australien. Neuseeland. Asien. Ich war schon einmal in Japan und China. Aber nur wegen des Hockeys. Ich will unbedingt auch nach Indien. Ich liebe es, neue Kulturen zu entdecken und Sprachen zu lernen (Schelling spricht Deutsch, Französisch, Englisch und Schwedisch, Anm. d. Red.). Doch dann kam vieles dazwischen: Meine Trainerposition bei der U18. Der Job beim SRF. Corona. Zum Glück habe ich nichts gebucht.

Wohin soll die Reise mit Bern gehen?
Es bringt nichts, von meinen Visionen zu erzählen. Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass wir im September spielen und Fans zulassen können.

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