Switzerland

Grosses Aufräumen bei Implenia: Baukonzern entlässt 750 Angestellte

Der internationale Baukonzern baut fast einen Viertel der Belegschaft ab. Es kommt zu 750 Entlassungen, davon 250 in der Schweiz. Wegen Abschreibungen und Wertberichtigungen fällt das Ergebnis 2020 in den Verlust. Künftig sind weitgehend nur noch Deutschland und die Schweiz der Kernmarkt.

Strassenbauarbeiter der Firma Implenia bei der Sanierung der Rosengartenstrasse in Zürich. Aufgenommen am 15. Juli 2015.

Strassenbauarbeiter der Firma Implenia bei der Sanierung der Rosengartenstrasse in Zürich. Aufgenommen am 15. Juli 2015.

Patrick B. Krämer / Keystone

Das Implenia-Management zieht den Stecker: Weil das bisherige Geschäftsmodell wiederholt zu unbefriedigenden Resultaten geführt hat, entledigt sich der führende Schweizer Baukonzern auf einen Schlag all seiner Altlasten. Er will sich künftig weitgehend aufs Kerngeschäft in Deutschland und der Schweiz konzentrieren. Das wird bis 2023 bis zu 2000 Vollzeitstellen oder einen Fünftel aller Arbeitsplätze kosten. Weil gewisse Aktivitäten nicht verkauft, sondern eingestellt werden müssen, rechnet das Unternehmen mit rund 750 Entlassungen, rund ein Drittel davon in der Schweiz.

Keine Halbheiten

Diese einschneidenden Massnahmen sind das Resultat einer umfassenden Strategieüberprüfung. Sie wurde im März 2019 vom neuen Konzernchef André Wyss angestossen, der sein Amt im Herbst 2018 vom langjährigen starken Mann bei Implenia, Anton Affentranger, übernommen hatte. Dabei hat sich offenbar herausgestellt, dass sich nicht nur einige Leichen, d. h. unrentable Projekte und ausweglose Gerichtsverfahren, im Keller befanden, sondern auch die auf vier Beinen stehende Struktur der Gruppe nicht optimal gewesen ist.

Aus diesem Grund wird sich Implenia von allen nicht mehr dem Kerngeschäft zugerechneten Bereichen und unrentablen Geschäften trennen. Wo keine neuen Eigentümer gefunden werden, sollen sie eingestellt werden. Von den 2000 gestrichenen Stellen können sich voraussichtlich 1250 Personen Hoffnungen machen, neue Arbeitgeber zu bekommen. Derzeit zählt Implenia rund 9700 Vollzeitpensen.

Tiefbau am Tiefpunkt

Vor allem im Tiefbau (Division Civil Engineering) baut Implenia im grossen Stil ab. Ausser im Tunnelbau sollen alle Aktivitäten in Schweden, Norwegen, Österreich und Rumänien verkauft oder aufgegeben werden, heisst es in einer Mitteilung. Der Tunnelbau in Frankreich steht unter Beobachtung, könnte also auch verkauft werden. Die missliche Situation ist vor allem in Schweden ans Licht gekommen: Um die Kapazitäten auszulasten, waren dort unrentable Geschäft an Land gezogen worden, die sich jedoch nie rechnen werden. Das Führungsteam in Schweden wurde ausgewechselt. Künftig wird sich Implenia im Tiefbau auf die Schweiz und Deutschland konzentrieren, wo es Gewinn erwirtschaftet, und in anderen Regionen nur noch im Tunnelbau tätig sein. Auch von einigen Werkhöfen und Baugeräten im deutschsprachigen Europa wird sich Implenia trennen.

Diese geografische Fokussierung auf die beiden Länder wird auch in den anderen Bereichen umgesetzt. Im Hochbau (Division Buildings) werden nicht rentable Einheiten wie die Bau GmbH in Deutschland geschlossen, das Geschäft in Österreich «an den bestmöglichen Eigentümer übertragen werden». Die über Akquisitionen verfolgte Internationalisierungsstrategie der vergangenen Jahre wird zu einem guten Teil zurückgedreht.

Sogar die Division Spezialitäten, die als Generalunternehmer im Bau- und Ingenieurwesen tätig ist, muss sich von Geschäften trennen, die zu wenig rentabel sind oder Verluste einfahren. Konkret wird für die Implenia Modernbau GmbH in Deutschland ein neues Zuhause gesucht.

Alles, was sich nicht rentiert, wird entsorgt. Implenia kann es sich nicht länger leisten, dass die schwachen Geschäfte das Gesamtergebnis ständig trüben und Substanz vernichten. Zu viel Kapital wurde damit gebunden, und der Unternehmenswert ging in den Keller. Seit Anfang Jahr ist der Aktienkurs von Implenia um 22% getaucht. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Börsenkapitalisierung mehr als halbiert, ein Leistungsausweis, der keine Unternehmensführung lange untätig akzeptieren kann.

Die umfangreichen Massnahmen dienen einer Entschlackung und dem Umschwenken auf ein weniger kapitalintensives Geschäftsmodell. Zuerst muss das Unternehmen jedoch nochmals Geld in die Hand nehmen, um die einschneidende Restrukturierung überhaupt durchführen und finanzieren zu können. Für Wertberichtigungen auf bestehenden Projekten müssen ausserordentliche Wertberichtigungen von 200 Mio. Fr. gemacht werden. Forderungen und der Erfolg von Rechtsstreitigkeiten seien «in der Vergangenheit zu optimistisch» eingeschätzt worden, heisst es. Dabei handelt es sich laut Angaben bei allem um Projekte, die vor 2019 abgeschlossen worden sind, also noch unter der Obhut der ehemaligen Führung. Beim Goodwill müssen um 30 Mio. Fr. abgeschrieben werden. Die Restrukturierung kostet rund 60 Mio. Fr. Bis 2023 sollen damit jährlich mindestens 50 Mio. Fr. gespart werden.

Kaum mehr Eigenkapital

Die Restrukturierung hat zur Folge, dass die bereits dünne Eigenkapitaldecke noch dünner wird. Weil das Eigenkapital nur noch etwa 300 Mio. Fr. beträgt, wird die Eigenkapitalquote im laufenden Geschäftsjahr nur noch knapp über 10% zu liegen kommen (Ende Juni: 16,7%). Grund ist der von der Restrukturierung in diesem Jahr verursachte Fehlbetrag. Auf Stufe Ebitda wird mit einem Verlust von 70 Mio. Fr. gerechnet. Die Einbussen wegen der Pandemie (temporäre Schliessung von Baustellen, zusätzliche Hygienemassnahmen, Stornierungen von Aufträgen) werden die diesjährige Rechnung im erwarteten Rahmen von 50 Mio. Fr. belasten. Rein operativ, also alle Sonderkosten ausgeklammert, wird sich der Ebitda leicht auf 200 (i. V. 187) Mio. Fr. verbessern.

Im Weiteren will sich das Implenia-Management in Zukunft nicht mehr an den Ebitda-Zielen messen lassen, sondern an der Ebit-Marge, also nach Abzug von Wertberichtigungen und Amortisationen. Für das kommende Jahr nimmt sich das Unternehmen vor, einen Betriebsgewinn auf Stufe Ebit von mindestens 100 Mio. Fr. zu erwirtschaften, was einer Marge von gut 3% entspricht. Auf der bisherigen Basis (Ebitda) wären dies etwa 5,5%. Seit Jahren hat Implenia eine Ebitda-Marge von 6,5% im Visier, ein Ziel, das es nie erreicht hat. Von allen Altlasten entledigt, sollte es nun endlich machbar sein.

Football news:

Gasperini über das 2:0 gegen Liverpool: das ist unglaublich. Atalanta hat seinen Fußball gespielt
Simeone über den Tod von Maradona: es ist Unmöglich zu glauben. Er hat uns mit Fußball infiziert. Es ist ein großer Verlust für mich
Bayern und City sind bereits in den Playoffs der Champions League. Wer ist schon bei Ihnen, und wer ist im Schritt?
Conte über das 0:2 von Real Madrid: Wir haben den Unterschied zwischen Ihnen und uns gesehen. Inter machte zu viele Geschenke
Liverpool hat in einem Heimspiel in der Champions League noch nie ein Tor von Atalanta erzielt
Liverpool hat zum ersten mal seit 2 Jahren zu Hause verloren! Er gab Atalante ein paar Tore und traf nie auf das Tor
Zidane über 2:0 mit Inter: Real hat sich den Sieg verdient und spielt perfekt. Ich bin sehr zufrieden mit den Spielern