Switzerland

Graubünden rüstet sich gegen Coronavirus: «Wir sind alarmiert – aber nicht in Panik»

Die Zahl steigt und steigt. Über 200 bestätigte Infizierte mit dem Coronavirus gibt es in Italien. Am stärksten betroffen ist die Lombardei an der Grenze zur Schweiz. Die Bündner Behörden beobachten und analysieren die Situation deshalb genau. «Wir sind intensiv mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Kontakt und verfolgen Medienberichte», sagt Rudolf Leuthold (57), Amtsvorsteher des Bündner Gesundheitsamtes, zu BLICK.

Vorrat an Tests, Atemmasken, Desinfektionsmitteln

Trotz grenznaher Infektionen bleibt der Amtsleiter ruhig: «Wenn man davon ausgeht, dass die Krankheit wie eine Grippe verläuft, sind wir gerüstet.» Die Bündner Spitäler besitzen Vorräte an Tests, Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln, – hinzu kommen noch die Lager des Kantons.

Laut Leuthold gibt es nicht ein einziges Notfall-Konzept – sondern mehrere Szenarien. Falls jemand positiv getestet wird, muss zuerst eruiert werden, zu wem die Person Kontakt hatte und wo sie sich aufhielt. «Bezüglich Massnahmen macht es einen Unterschied, ob jemand nach der Ansteckung allein zu Hause war oder den Fasnachtsumzug besuchte», erklärt Leuthold.

Involviert wären im Ernstfall die Spitäler, Kantonsärzte oder die Spitex. Fachkräfte könnten Personen auch zuhause isolieren und betreuen. Der «Worst Case» wäre wohl die Sperrung einer ganzen Gemeinde oder Region. Die Gesundheitsdirektion Graubünden ist zuständig für sämtliche Massnahmen auf Kantonsgebiet. Über internationale Aktionen wie Grenzkontrollen zu Österreich oder Italien entscheidet dagegen das BAG.

Ärzte auf dem Notfall schauen ganz genau hin

Infektiologe Felix Fleisch vom Kantonsspital in Chur erklärt auf Anfrage, «dass zurzeit das Personal auf dem Notfall ganz genau hinschaut, wenn jemand Symptome an den oberen oder unteren Atemwegen hat.» Eine infizierte Person würde sofort informiert. Falls es zu einem rasanten Ausbruch wie in Italien kommt, könnte man zusätzliches Pflegepersonal auf Abruf organisieren. Zudem arbeitet man mit den anderen Spitälern im Kanton zusammen, um möglichen Engpässen entgegenzuwirken.

Am äussersten Zipfel Graubündens umgeben von Italien liegt das Puschlav. Im Dorf Poschiavo ist das Coronavirus ein grosses Thema. Gesundheitsvorsteher Davide Vasella hat deshalb heute Montag seine Ferien frühzeitig abgebrochen. «Bis jetzt sind mir noch keine Fälle bekannt», sagt er zu BLICK. Doch falls es soweit kommt, müssten «erkrankte Personen isoliert werden». Dahingehend sei man in Kontakt mit dem Kanton. Auf eigene Faust will die Region nicht handeln. Vasella betont: «Wir sind alarmiert, aber nicht in Panik.»

Wie kann ich mich schützen?

Wie reagiert die Schweiz auf das neue Virus?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verfolgt die Entwicklung aufmerksam. Das BAG bereitet sich auf eine internationale Ausbreitung des neuen Coronavirus vor und steht mit allen relevanten Partnern in Kontakt. Die Informationen werden auf der BAG-Internetseite regelmässig aktualisiert.

Wie wird das Virus übertragen?

Übertragen wird das Coronavirus wie das Sars-Virus durch Tröpfcheninfektion, weshalb hustende und niesende Patienten hohe Ansteckungsgefahr bedeuten. Laut WHO soll die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) zwei Tage bis eine Woche betragen.

Welches sind die Anzeichen?

Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Atemprobleme wie Kurzatmigkeit, Lungenentzündung.

Sind Schweizer betroffen?

In Wuhan, wo das Virus entdeckt wurde, leben acht Schweizer. Gemäss BAG sind keine Schweizer von der Krankheit betroffen.

Wie gross ist die Gefahr eines Imports nach Europa?

Obwohl direkte Flugverbindungen von Wuhan nach London, Paris und Rom existieren, schätzt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) das Risiko einer Einschleppung aktuell als moderat ein. Gleiches gilt für die Schweiz.

Darf man noch nach Wuhan reisen?

Da die chinesischen Behörden die Stadt Wuhan praktisch unter Quarantäne gestellt haben und die Verkehrsverbindungen nur noch teilweise genutzt werden können, wird von Reisen dahin abgeraten.

Wie kann ich mich auf Reisen schützen?

Bei Reisen nach China empfiehlt das BAG:

Wann gibt es einen Impfstoff?

Zurzeit gibt es keinen Impfstoff. Die globale Impfallianz Gavi rechnet damit, dass die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die neue Lungenkrankheit mindestens ein Jahr dauern wird. Noch seien die Gefahren durch das Coronavirus auch schwer abzuschätzen, sagte der Gavi-Geschäftsführer und Epidemiologe Seth Berkley.