Switzerland

Gilt die Maskenpflicht auch im Bahnhof?

Wie wollen die SBB die Maskenpflicht im ÖV umsetzen? Experten des Bundes informieren ab 13.30 Uhr über die neuen Corona-Regeln. Wir berichten live.

Das Wichtigste in Kürze:

Ab 13.30 Uhr informieren Fachpersonen und Amtschefs des Bundes in Bern über die aktuelle Corona-Lage in der Schweiz. Folgende Experten geben Auskunft:

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 134 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Zum dritten Mal in Folge überschritt die Zahl damit die Hundertermarke.

Insgesamt gab es bisher 32'101 laborbestätigte Covid-19-Fälle, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Freitag mitteilte. Am Donnerstag wurden 116 neue Fälle gemeldet, am Mittwoch 137. Die 137 Neuinfektionen stellten gegenüber dem Dienstag mehr als eine Verdoppelung dar. Am Montag waren dem BAG noch 35 neue Ansteckungen gemeldet worden.

Bisher starben gemäss Angaben von Freitag 1686 Menschen, die positiv auf Covid-19 getestet worden waren. Das Bundesamt bezieht sich auf die Meldungen, die die Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Meldepflicht bis am Donnerstagmorgen übermittelt hatten. In Spitalpflege befinden sich 4055 Personen, vier mehr als am Vortag.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 614'283. Bei 6,3 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. Von Donnerstag auf Freitag wurden dem BAG 15'178 neue Tests gemeldet.

Grund zur Sorge gibt weiterhin die Reproduktionszahl R, also die Anzahl Personen, die eine mit dem Coronavirus infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Diese liegt nach Angaben der Swiss National Covid-19 Science Task Force des Bundes seit Mitte Juni wieder signifikant über 1. Das heisst, dass eine infizierte Person im Durchschnitt mehr als eine weitere Person ansteckt.

Das Coronavirus breitet sich in der Schweiz wieder stärker aus. Als Präventionsmassnahmen hat der Bundesrat deshalb ab Montag eine Maskentragpflicht im öffentlichen Verkehr beschlossen und die Einreisebestimmungen verschärft.

«Wir haben in den letzten Tagen gesehen, wie schnell sich das Virus wieder ausbreiten kann», sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am Mittwoch vor den Bundeshausmedien. Es brauche eine neue Balance zwischen Vorschriften und Lockerheit. Man dürfe nicht überreagieren, aber auch nicht zu lange zuwarten.

Die Maskenpflicht gilt für Personen ab zwölf Jahren in Zügen, Trams und Bussen, Bergbahnen, Seilbahnen und auf Schiffen. Bisher gab es im öffentlichen Verkehr die dringende Empfehlung, zu Stosszeiten eine Maske zu tragen. Diese wurde aber wenig befolgt.

Es habe dem Bedürfnis mehrere Kantone sowie von Transportunternehmen entsprochen, eine solche Pflicht national einzuführen, sagte die Bundesrätin. Denn der öffentlichen Verkehr sei schliesslich ein über das ganze Land verteiltes Netz. Entsprechend positiv reagierten die Kantone.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga informierte gemeinsam mit den Bundesräten Ueli Maurer, Guy Parmelin und Alain Berset über die neuen Corona-Regeln. (1. Juli 2020)

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga informierte gemeinsam mit den Bundesräten Ueli Maurer, Guy Parmelin und Alain Berset über die neuen Corona-Regeln. (1. Juli 2020)

Foto: Anthony Anex/Keystone

Quarantäne bei Einreise

Der Bundesrat will auch der erneuten Einschleppung des Virus aus dem Ausland Einhalt gebieten: Ab Montag muss sich für zehn Tage in Quarantäne begeben, wer aus gewissen Gebieten in die Schweiz einreist. Welche Länder auf dem Index stehen, steht noch nicht fest. Gesundheitsminister Alain Berset nannte Schweden und Serbien als mögliche Risikoländer.

Vor dem Hintergrund zahlreicher Ansteckungen in Bars und Clubs nahm Bundespräsidentin Sommaruga auch die Kantone in die Pflicht. Diese müssten handeln, wenn Betreiber gegen die Vorschriften verstiessen.

Superspreader-Fall weitet sich aus

Von Dienstag auf Mittwoch wurden dem BAG 137 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet. Es war das erste Mal seit Anfang Mai, dass die Zahl wieder über die hunderter Marke gestiegen ist.

Zur Zunahme beigetragen haben unter anderem auch sogenannte Superspreader-Events in Clubs. Ein derartiger Fall in einem Zürcher Club zog inzwischen Kreise bis in Lokale in Aargau und Solothurn.

Weil zahlreiche Besucherinnen und Besucher in dem Zürcher Club falsche Namen und Adressen hinterlegten, müssen die Veranstalter ab Freitag neu Identitätskarten verlangen und Handynummern überprüfen, wie die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) bekannt gab.

Auch an diversen Schulen sind neue Corona-Fälle bekannt geworden. So haben etwa für 240 Schüler der Sekundarschule in Bassecourt JU die Sommerferien vorzeitig begonnen, weil ein Lehrer positiv auf Covid-19 getestet worden ist. Auch für einen Teil der Urner Schülerinnen und Schüler beginnen die Sommerferien eineinhalb Tage früher. Hier war aber eine Ansteckung im Umfeld eines Schulkindes Grund dafür.

Selbständige erhalten länger Erwerbsersatz

Parallel zu den neuen Einschränkungen beschloss der Bundesrat an seiner Sitzung eine Reihe von wirtschaftlichen Begleitmassnahmen: So können direkt oder indirekt von der Corona-Krise betroffene Selbständigerwerbende – wie von Parlamentskommissionen und der Veranstaltungsbranche gefordert – bis Mitte September Erwerbsausfallentschädigung beziehen.

Auch die Kurzarbeitsentschädigung wird von zwölf auf achtzehn Monate verlängert. Damit will die Regierung einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit entgegenwirken.

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Matthias Egger, Chef der Corona-Taskforce des Bunds, forscht am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern.

Matthias Egger, Chef der Corona-Taskforce des Bunds, forscht am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern.

Foto: Marco Zanoni

Matthias Egger, Leiter der Corona-Taskforce, will noch nicht von einer zweiten Welle sprechen – aber die steigende Zahl der Infektionen hält er für beunruhigend.

Beginn des Live Tickers

( SDA /aru )

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