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Gibt es genügend Flugzeuge, und reichen die Kühlbehälter für all die Impfungen? Derart gefordert war die Logistikbranche noch nie

Airlines, Flughäfen und Logistikfirmen winkt dank Covid-19 ein grosses Geschäft. Doch bei mangelhafter Vorbereitung und Umsetzung droht manches schiefzugehen. Zudem gibt es Gefahren aus dem Bereich der organisierten Kriminalität.

Die Deutsche-Post-Tochterfirma DHL sieht mit der Verteilung von Impfstoffen eine riesige Aufgabe auf die Logistikbranche zukommen.

Die Deutsche-Post-Tochterfirma DHL sieht mit der Verteilung von Impfstoffen eine riesige Aufgabe auf die Logistikbranche zukommen.

Marco Prosch / Getty

Die Verteilung von Impfstoffen und anderen pharmazeutischen Produkten ist selbst in normalen Zeiten eine höchst anspruchsvolle Aufgabe. Besonders Medikamente, die gespritzt werden, benötigen eine permanente Kühlung, in gewissen Fällen bei Temperaturen von bis zu –80 °C. Langjährige Erfahrungswerte zeigen, dass rund 8 bis 10% der Lieferungen verderben, noch bevor sie ihren Bestimmungsort erreicht haben.

Riesige Zusatznachfrage

Weltweit werden pro Jahr ungefähr 1 Mio. Paletten im Auftrag der Pharmabranche umgeschlagen. Doch in den beiden kommenden Jahren könnten auf einen Schlag je 100 000 allein für den Transport von Vakzinen dazukommen. Davon geht eine Schätzung der weltgrössten Logistikfirma DHL aus, die auf der Annahme beruht, dass über zwei Jahre 10 Mrd. Dosen von Impfstoffen gegen Sars-CoV-2 ausgeliefert werden.

Logistikkonzerne, die wie die Deutsche-Post-Tochterfirma DHL oder der Schweizer Anbieter Kühne + Nagel über geschultes Personal sowie eine eigene Infrastruktur für den internationalen Transport der empfindlichen Ware verfügen, können auf ein einträgliches Geschäft hoffen. Selbst Airlines, die sonst vor allem Passagiere befördern, nun wegen der vielen Reisebeschränkungen aber unter enormen Einnahmeausfällen leiden, winkt ein willkommener Nebenerwerb. Im transatlantischen Luftfrachtgeschäft mit Pharmazeutika gelten Fluggesellschaften wie United Airlines, KLM, Lufthansa, Swiss und – trotz langjähriger geschäftlicher Schieflage – interessanterweise auch Alitalia als gut positioniert. In Richtung Fernost sind es primär die drei Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways.

Seeweg ist keine Alternative

Kein Wunder, arbeiten Logistikfirmen, Fluggesellschaften sowie die Betreiber von Flughäfen seit Wochen emsig an der Vorbereitung von eigentlichen Impfstoff-Luftbrücken. In der Branche ist man sich weitgehend einig, dass der Transport von den wenigen – auf Westeuropa, die USA und China konzentrierten – Produktionsstätten zu den Abnehmern in aller Welt wohl fast ausschliesslich per Flugzeug erfolgen wird. Die Seefracht gilt nicht als Alternative, zu viel Zeit würden die meisten Fahrten beanspruchen. Zudem gebe es nur sehr wenige Schiffscontainer, die für den Transport von Pharmaprodukten zertifiziert seien, sagt Richard Ettl, der Chef des aufstrebenden Zürcher Pharmatransport-Dienstleisters Skycell.

In Dubai, der Heimat der Fluggesellschaft Emirates, hat man schnell reagiert und mit der Einrichtung eines «Impfstoff-Hubs» begonnen. Dieser werde «der grösste der Welt mit direktem Zugang zu einem Rollfeld» sein, erklärte ein Manager der Luftfrachtsparte von Emirates, Skycargo, jüngst gegenüber dem Aviatik-Nachrichtenportal Simple Flying. Insgesamt sollen die Räumlichkeiten mit kontrollierter Kühlung für 4600 Paletten Platz bieten und es ermöglichen, ein vollgeladenes Frachtflugzeug des Typs Boeing 777 beispielsweise aus den USA zu entladen und die Fracht für den Weitertransport in kleineren Chargen in diverse asiatische oder afrikanische Länder vorzubereiten.

Basel und Zürich brauchen sich nicht zu verstecken

Auch am Frankfurter Flughafen versucht man, sich für das grosse Geschäft mit dem Transport von Impfstoffen in Stellung zu bringen. Man sei europaweit führend beim Umschlag temperaturempfindlicher Güter, teilte der Betreiber Fraport bereits Ende August in einer Medienmitteilung mit. Allerdings ist aus Branchenkreisen zu vernehmen, dass sich der grösste deutsche Flughafen mit Investitionen in die Infrastruktur lange Zeit zurückgehalten habe und nun Dienstleistungen für Kunden aus der Pharmabranche biete, die in Basel oder in Zürich längst Standard seien.

Bis die Luftbrücken für den Transport von Covid-19-Impfstoffen stehen, kann allerdings noch manches schiefgehen. Der globale Verband der Airlines, Iata, weist mahnend darauf hin, dass die Branche vor der «grössten und komplexesten Logistikaufgabe» stehe, die sie je zu bewältigen gehabt habe. Ein Fragezeichen setzt der Verband bereits hinter die Verfügbarkeit von Flugverbindungen. Laut Iata wurden vor dem Ausbruch der Pandemie 22 000 Strecken von Linienfluggesellschaften bedient. Diese Anzahl habe nun «dramatisch» abgenommen.

Für Ettl, der mit seinen gut 120 Mitarbeitern Lufttransporte für Pharmafirmen organisiert sowie Spezialcontainer für die Beförderung von Medikamenten und Impfstoffen vermietet, stellt indes nicht das Flugangebot die grösste Herausforderung dar. Dieses sei eine Frage des Preises – bei entsprechender Bezahlung würden sich genügend Anbieter finden, ist der Startup-Unternehmer überzeugt. Üblicherweise machen bei einer 15 $ teuren Impfstoffdosis die Aufwendungen für die Logistik ungefähr 5% oder 75 Cent aus. Selbst wenn nun 2 $ verlangt würden, könnte die Branche dies laut Ettl ohne weiteres verkraften.

Föderalismus bremst Vorbereitungen

Den Flaschenhals ortet der gebürtige Wiener bei den Kühlbehältern. Er sagt dies nicht uneigennützig, gehört Skycell laut eigenen Angaben doch zu den weltweit fünf führenden Anbietern von Spezialcontainern für den Transport von Pharmaprodukten. Seit Wochen wird die Firma von Interessenten bestürmt. Dabei macht man laut Ettl die Erfahrung, dass sich zentralistisch geführte Länder bei der Vorbereitung der Impfstoffverteilung schneller bewegten als solche mit eher föderalen Strukturen.

Eine grosse Sorge, welche die gesamte Branche umtreibt, betrifft Fälschungen und Diebstähle. Die riesige Nachfrage nach den Vakzinen werde unweigerlich «skrupellose Kreise» anlocken, war Ende Oktober an einer Online-Medienkonferenz des europäischen Pharmaverbands Efpia zu erfahren. Ein Vertreter des Impfstoffherstellers Pfizer sprach sich für die Einführung von einheitlichen globalen Identifikationsnummern auf den Verpackungen aus. Auch die Iata möchte Kriminellen ihr Handwerk so schwer wie möglich machen und betont die Wichtigkeit strenger Sicherheitsvorschriften beim gesamten Transport sowie bei der Lagerung der Impfstoffe. Ein Albtraum für die Branche wäre, wenn aus Flugzeugen oder Zwischenlagern im grossen Stil Vakzine entwendet sowie allenfalls gegen minderwertige Ware ausgetauscht würden.

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