Switzerland

«Gesucht, gefunden und gelebt»

Kinderreiche Arbeiter- und Bauernfamilien in der Zwischenkriegszeit sind der Ausgangspunkt für das neue Buch des Berner Autors: Filomena Gulder ist die Tochter des Trinkers Karl und der machtlosen Barbara. Als erstes Kind des unglücklichen Paares ist sie eine Enttäuschung. Der Vater hätte eben lieber einen Sohn gehabt und ignoriert das Kind völlig. Die drei Söhne, welche die liebevolle Mutter darauf gebiert, reichen jedoch nicht aus, um Karl zufriedenzu­stellen.

Die mittleren Kinder, Bruno und Peter, werden von ihrem Vater mit Gewalt verzogen, sodass sie auch ihren Geschwistern üble Streiche spielen. Filomenas Kindheit wird nur durch das Kinderbuch «Vom Esel, der fliegen wollte» erträglich gemacht, welches ihre Mutter immer wieder vorliest. Viele Schicksalsschläge muss das Mädchen ertragen, bis es flüchtiges Glück kosten kann. Mit ihrem Sohn Lionel wird das Buch im zweiten Teil fortgesetzt.

Geprägt von Schicksalen

Raphael Romano hat als Psychotherapeut und Notfallpsychologe viel Leid kennen gelernt. Gewalt, die von Generation zu Generation weitergereicht wird, und auch Schlechtes, das den «guten» Menschen unversehens zustossen kann. Er weiss, dass es wichtig ist, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, und tut dies mit einer Prise Humor. Auch die Liebe kommt dabei nicht zu kurz und manchmal auch unverhofft ein zweites Mal.

«Von Menschen und Eseln» erzählt in leichter Sprache von schweren Themen. Die titelgebenden Esel kommen immer wieder vor, echte auf der Weide, der kleine Esel im Kinderbuch und die menschlichen. Ein Buch, das trotz wiederholenden Handlungsmotiven immer wieder überrascht und berührt. Am Ende bleibt die Gewissheit, dass sich das Leben trotz vielen Verlusten lohnt, wenn es von Liebe berührt wurde und man seine Träume nicht aufgibt.

Raphael Romano: «Von Menschen und Eseln». Schweizer Literaturgesellschaft, Zug, 2020. 212 Seiten, ca. 28 Franken.