Switzerland

Gerbers Dank an den Mentalcoach

Drei Spiele – mehr brauchte Lyss nicht, um sich in der Best-of-5-Viertelfinalserie gegen Chur für die Halbfinals zu qualifizieren. Am Dienstag machten die Seeländer alles klar. 3:1 gewannen sie auswärts. Es war der unglaublich anmutende 13. Sieg in Folge für den MSL-Neuling, der noch vor zwei Monaten den letzten Platz belegt hatte, dann aber, wie diese Zeitung vor ein paar Wochen titelte, die Auferstehung feierte.

Es gibt in der MSL Clubs mit einem wesentlich höheren Budget als Lyss, wie Viertelfinalgegner Chur. Die Truppe um Captain Gerber beweist jedoch, dass nicht immer nur Geld über Erfolg und Misserfolg entscheiden muss. Es sei wunderschön, was man geschafft habe, erzählt Gerber.

«Und es ist immer noch nicht fertig. Wir wissen, dass es qualitativ bessere Mannschaften gibt, und gleichwohl ist alles möglich.» Auch gegen Martigny oder Dübendorf, die möglichen Halbfinalkontrahenten. Fast alles. Der Aufstieg in den Profibereich kommt nicht infrage. Eine allfällige Ligaqualifikation gegen den Letzten der Swiss League würde Lyss nicht bestreiten.

Man kann Lyss die Unheimlichen aus dem Seeland nennen, von einem Märchen reden, von einem Wunder. Die Unheimlichen? Da schmunzelt Captain Florin Gerber. Ein Märchen? Ein Wunder? «Für Aussenstehende ist es überraschend, was wir geleistet haben», sagt der 27-Jährige. «Doch wenn das Selbstvertrauen da ist, wenn man in einen Flow kommt, dann bringt man eben auch enge Spiele über die Runden.» Wie jene gegen Chur.

«Noch nie erlebt»

«Was in Lyss abgeht, habe ich bei den Aktiven selber noch nie erlebt», sagt Gerber. Erlebt hat er sonst viel. Je 24 Spiele in der NLA und NLB bestritt er für Biel, Basel und Thurgau. Seit der Saison 2013/14 stürmt er für Lyss, seit 2015/16 ist er Captain. Und ob in der 1. Liga oder seit dieser Spielzeit in der MSL wirbelt er mit einer bemerkenswerten Spielintelligenz sowie läuferischen und technischen Fähigkeiten die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander.

Gerber ist Topskorer. Laut Statistiken hat er sich in der 1. Liga in 237 Partien exakt 400 Skorerpunkte gutschreiben lassen. Im laufenden Championat ist er bei 17 Toren und 18 Assists angelangt. Er hat viel dazu beigetragen, dass sich Lyss aus dem Tabellenkeller zum Playoff-Halbfinalisten hochgearbeitet hat. Über sich redet der Stürmer aber weniger gern als über andere – etwa über René Schmid, den der Club im Dezember als Mentalcoach engagiert hat und der den Akteuren eine positive Energie vermittelte. «Ein grosses Dankeschön an Schmid», sagt Gerber.

«Dieser impfte uns unter anderem ein, dass jeder selber für jede Aktion verantwortlich ist, dass man stets lachen soll, auch wenn ein Fehler passiert. Damit verwirrt man auch die Gegner.» Es fanden, als der Playoff-Zug abgefahren schien, auch Gespräche statt, «aber nie Krisengespräche», wie der Captain der Seeländer versichert. Aus dem Negativen habe man das Positive herausgeholt. «Wir haben einander nie kritisiert, keiner hat je am Coach gezweifelt.»

Der Zusammenhalt ist eine der grossen Stärken des SC Lyss. Gerber bestätigt: «Unser Trumpf ist der Teamgeist.» Zudem ist inzwischen das Selbstvertrauen so gross, dass in einer Partie geschehen kann, was will. Am Ende verlassen die Seeländer das Eis als Sieger, wie im Viertelfinal.

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