Switzerland

Genf will seine Zeitung zurück

Bestätigungen sind keine zu erhalten. «Zu Gerüchten nehmen wir nicht Stellung», erklärt ein Ringier-Pressesprecher. Doch unbestritten ist: Der Zürcher Medienkonzern würde gerne seine Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» abgeben. Sie steht nicht nur isoliert im Portfolio des Unterhaltungs- und Boulevardkonzerns, sie schreibt auch rote Zahlen und wird dies voraussichtlich auch die nächsten Jahre tun.

Verschiedene Interessenten haben sich schon gemeldet und wieder abgemeldet. Rund zwanzig Millionen Franken soll Ringier verlangen. Ein Westschweizer Unternehmer mit besten Verbindungen und dem nötigen finanziellen Polster meint, für fünf bis zehn Millionen Franken werde sie wohl zu haben sein. Er hat die Bücher geprüft, daraufhin aber dankend den Rückzug angetreten.

Die Genfer Gesellschaft will das Renommee zurück

Eine Bewerberin bleibt: die Genfer Fondation Aventinus. Der Namensgeber Johannes Aventinus, ein deutscher Gelehrter des 16. Jahrhunderts, zeigt, worin ihre Ambition besteht: Aventinus gilt als Begründer der modernen Philologie – ein Intelligenz-Blatt will die Stiftung für die Romandie er­möglichen. Treiber der Idee ist François Longchamp, FDP-­Politiker und Genfer Staatsrat bis 2018. Er hat für die Finanzierung drei finanzstarke Unternehmensstiftungen gewonnen, in deren Gremien sich die Genfer Prominenz wiederfindet. Für die Umsetzung setzt Longchamp auf den erfahrenen Medienprofi Eric Hoesli. Dieser sagt, was schon der Ringier­Sprecher sagte, dass sich derzeit nichts dazu sagen lasse.

Wer mit Westschweizer Exponenten spricht, merkt bei allen Differenzen der Darstellung, dass es nicht bloss um eine Zeitung geht: Die Genfer Gesellschaft will vielmehr die Zeit zurück, in der sie über ein Publikationsorgan mit Renommee und intellektuellem Anspruch verfügte – koste es, was es wolle.

Ringier-CEO Marc Walder

Im Ehrgeiz, sich diese Plattform leisten zu können, steckt Frustration über die aktuelle Mediensituation. Aber auch eine geballte Aversion gegen den anderen grossen Zürcher Medienkonzern, die TX Group/Tamedia. «Ausgeblutet» ist eine der vornehmeren Formulierungen, der für den journalistischen Zustand der «Tribune de Genève» gefunden wird, der letztverbliebenen Genfer Zeitung. Erschwerend komme hinzu, dass das Genfer Blatt bloss noch als Kopfblatt der Lausanner «24 heures» wahrgenommen wird.

Einst besass die bürgerliche Genfer Gesellschaft, vertreten durch Privatbanken, aber auch durch die Familienstiftung Sandoz, das angesehene, liberale «Journal de Genève». Anfang der 1990er-Jahre übernahm die Zeitung die angeschlagene «Gazette de Lausanne» und betonte damit ihren überregionalen Anspruch. Dem Genfer Anspruch setzte eine Allianz von Ringier und dem damals dominierenden Lausanner Edipresse-Konzern den frech auftretenden «Nouveau Quotidien» entgegen. Die Gründung erfolgte, obwohl erkennbar war, dass aus dem beschränkten Westschweizer Markt nicht zwei Zeitungen mit diesen Qualitätsansprüchen finanziert werden können. Nach sieben Jahren war der Spuk vorbei: Beide Zeitungen waren schwer defizitär und standen zum Kauf, doch für keine fand sich ein Käufer. Auch die NZZ prüfte eine Übernahme des «Journal de Genève» und verzichtete. In der Not fusionierten 1998 das «Journal de Genève» und «Le Nouveau Quotidien» zu «Le Temps». 90 Prozent der Aktien lagen nun bei den Medienkonzernen, nur ein Genfer Bankier behielt ein kleines Aktienpaket. Die Genfer Gesellschaft hatte ihre Plattform verloren.

Kompliziert wurde die Lage, als die TX Group den Edipresse-Konzern schluckte und damit zusammen mit Ringier Hauptaktionär von «Le Temps» wurde. Eine gemeinsame Weiterführung war undenkbar, doch weder die TX Group noch Ringier wollten das Blatt. Ein Käufer fand sich nicht. So fiel nicht zuletzt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen die Zeitung Ringier zu. Der Verein «Cercle des Amis du Temps» war an einem Engagement interessiert, doch dies lehnte Ringier ab. Stattdessen brachte der Zürcher Konzern die Beteiligung in das Joint­Venture mit dem deutschen Verlag Axel Springer ein. So halbierte sich das Risiko für das Schweizer Medienhaus.

Ringier mag die Zeitung nicht der Stiftung abtreten

Trotz dieser Vorgeschichte scheut sich der Ringier-Konzern, der nach eigenen Angaben indirekt und direkt 55 Prozent der Aktien an der Le Temps AG hält, die Zeitung der Stiftung abzutreten: Es wäre das Eingeständnis, nicht fähig zu sein, in der Schweiz eine Qualitätszeitung herauszugeben. Nachdem Ringier mit diesem Anspruch einst schon beim Berner «Bund» gescheitert war, droht sich die Geschichte bei «Le Temps» zu wiederholen.

Die Skepsis gegen eine Übernahme durch die Fondation Aventinus speist sich jedoch auch aus anderen Quellen. Sie richtet sich etwa gegen die Person Hoesli, dem Gründungschefredaktor von «Le Temps», der mit Ringier verhandelt. Ihm wird das notwendige Verlags-Know-how zugestanden, doch ihm werden auch Revanche­gelüste unterstellt. Schliesslich ist er im Unfrieden bei der TX Group ausgeschieden und führt wegen einer Berichterstattung ein presserechtliches Verfahren gegen «24 heures». Es geht um eine Russlandreise, die Hoesli mit Politikern und dem Indus­triellen Frederik Paulsen, dem russischen Honorarkonsul in der Schweiz, durchgeführt hat.

Unsicher ist zudem, wofür die Stiftung eigentlich steht. Sicher ist, dass «Le Temps» nach Genf geholt würde, was einer Bedingung der Geldgeber entspricht. Und wahrscheinlich ist ein Verbund mit der Online-Publikation Heidi.news, an der die Stiftung bereits beteiligt ist. Allerdings müsste sie deutlich in die Redaktion von «Le Temps» investieren, da auch diese ausgedünnt wurde und nur mit Mühe dem Anspruch an eine Zeitung mit überregionalem Anspruch genügt.

Kritiker fürchten, die drei Unternehmensstiftungen, die als Geldgeber bereitstehen, würden die Zeitung auf einen strikten, wirtschaftsliberalen Kurs verpflichten, was mit der derzeitigen Redaktionsleitung kaum zu machen wäre. «Das ist Unsinn», sagt ein Stiftungsrat einer beteiligten Stiftung. Es gehe allein darum, dass in der Romandie nicht «Internet-Fastfood», sondern auch «guter Journalismus» angeboten werde. Dass sich dies rechnet, glaubt er nicht: «Wir gehen von der pessimistischen Variante aus, dass «Le Temps» ein Zuschussgeschäft bleiben wird.»

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