Switzerland

Geldberater: Der Marktschrei(b)er: Kluger Einsatz von Nestlé

Die Jungfraubahnen behalten die rosarote Brille auf +++ Die Blätter von Zur Rose sind am Welken +++ Bucher ist im Hoch +++ Comet erhält Schub.

Nestlé: Fleischersatzprodukte können ein Riesengeschäft werden.

Nestlé: Fleischersatzprodukte können ein Riesengeschäft werden.

Foto: PD

Nestlé: Dosiert kaufen

Es vergeht kaum eine Woche ohne Meldung von Nestlé: Investitionen in die Tierfutterproduktion, Investitionen in die Forschung an Nahrungsergänzungsmitteln und seit einiger Zeit auch hohe Investitionen in Nachhaltigkeitsthemen. Klar, der mit rund 84 Milliarden Franken Umsatz grösste Nahrungsmittelkonzern der Welt kann schon mal was springen lassen. Doch die eingesetzten Mittel müssen auch richtig ankommen. Das traue ich Konzernchef Mark Schneider zu. In den vergangenen Jahren hat er das Innovations­tempo des Kolosses deutlich erhöht. Die Investitionen machen sich bezahlt, und ich bin der Überzeugung, dass es sich auch lohnt, auf Nachhaltigkeit zu setzen. Fleischersatzprodukte sind nicht nur ein Hype, sie haben das Potenzial, das angestaubte Angebot von Fertigpizzas und Hot ­Pockets aufzufrischen. Das ist ein Riesen­geschäft – und gute News für Anleger. Dank der klug eingesetzten Mittel wachsen die Schweizer im Branchenvergleich rasch. Die Margenverbesserung leidet zwar unter den Investitionen, aber Rendite und Gewinn je Aktie entwickeln sich weiter positiv. Dosiert kaufen

Jungfraubahnen: Halten

Die grossen Bergbahnen schwingen normalerweise bei Profitabilität und Gewinn obenaus. Mit der Pandemie hat sich das geändert. Die Jungfraubahnen-Gruppe gab erstmals seit der Gründung der Holding für 2020 einen Verlust bekannt. Besonders bitter: Das Unternehmen sitzt auf einer nigel­nagelneuen, teuren Bahn, die sich nicht rechnen wird, wenn Gäste aus dem Ausland fernbleiben. Trotzdem verbreitet der Chef Urs Kessler weiterhin Optimismus. Vor einem Jahr, mitten im ersten Lockdown, sagte er in der «Finanz und Wirtschaft», das Unternehmen komme mit einem «hellblauen Auge» davon, wenn das Geschäft im Mai wieder laufe. Es kam bekanntlich anders. Im Interview mit der «Jungfrauzeitung» hat er dann vor wenigen Tagen gesagt, dass er persönlich «vielleicht etwas zu optimistisch» gewesen sei. Am hellblauen Auge hält er aber fest. Immerhin sei man auf Stufe Ebitda noch in den schwarzen Zahlen. Trotz Kurzarbeit, Entlassungen und weiteren Sparmassnahmen sehen die darunterliegenden Zeilen aber auch mit rosa Brille noch ziemlich rot aus. Viel mehr als Optimismus bleibt da nicht. Halten

Zur Rose: Halten

Der Hype um Zur Rose ist einstweilen verduftet. Die Aktien der grössten Onlineapotheke Europas haben im Vergleich zum Höchstkurs vom Februar ein Drittel ihres Werts verloren. Auch vergangene Woche notierten sie im Minus. Der Vorschlag an die Aktionäre, bedingtes und genehmigtes Kapital im Maximalumfang von 10 Prozent des aktuellen Gesamtkapitals zu schaffen, stiess offensichtlich nicht auf Begeisterung. Das kann ich verstehen. Erst 2020 hat sich Zur Rose frische Mittel in Höhe von 388 Millionen Franken beschafft. Sie sollen vor allem für Investitionen in Deutschland eingesetzt werden. Dort wird das elektronische Arzneirezept ab Anfang 2022 obligatorisch. Als Nummer eins mit einem Marktanteil von 43 Prozent am deutschen Medikamenten-Onlinekanal macht sich Zur Rose berechtigte Hoffnungen, überproportional zu profitieren. Warum aber schafft das Unternehmen nun neue Aktien quasi auf Vorrat? Sind weitere Übernahmen im Busch? Klar, Gelegenheiten wie die Marktveränderung in Deutschland gibt es nur einmal. Aber eher früher als später täte eine Verschnaufpause gut. Halten

Bucher: Verkaufen

Bucher ist eine der erfolgreichsten Industriegruppen der Schweiz. Und das seit langem. Mit seinen Landmaschinen hat sie nicht nur in Europa Erfolg, sondern auch in den USA und Lateinamerika. Jetzt steht der Sektor dank deutlich höherer Preise etwa für Soja und Mais wieder mitten in einem Aufschwung, und die Bucher-Aktien stiegen vergangene Woche erstmals über 500 Franken, rund 20 Prozent höher als Anfang Jahr und 50 Prozent über dem Stand von Ende 2019. Bucher gibt sich zurückhaltend für 2021. Umsatz und Marge sollen bloss leicht steigen, nachdem sie 2020 wegen Corona deutlich gefallen sind. Die Börse bewertet Bucher mit dem 27-Fachen des für 2021 geschätzten Gewinns. Selbst wenn 2022 ein Rekordgewinn erzielt werden sollte, wären die Titel noch mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 bewertet. Das mutet hoch an, denn die Wachstumsraten der Geschäfte von Bucher ausserhalb der Landwirtschaft werden 2021 niedrig bleiben. Und es sind höhere Kosten zu gewärtigen, etwa für Stahl. Das Kurshoch kann für einen Teilverkauf genutzt werden. Verkaufen

Comet: Kaufen

Der Chef von Comet, Kevin Crofton, ist guter Dinge. Er sieht die Halbleiterindustrie, mit der das Technologieunternehmen mehr als die Hälfte seines Umsatzes erzielt, vor einem kräftigen Wachstumszyklus. In der «Finanz und Wirtschaft» sagte der Brite, der über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Halbleiterindustrie verfügt, der Zyklus sei stärker als alles, was er bisher gesehen habe. Drei bis fünf Jahre sollte er anhalten, vielleicht sogar länger. Mit einer neuen Produktfamilie will sich Comet zusätzliche Märkte innerhalb der Industrie erschliessen, die bis 2025 ein Volumen von mehr als 925 Millionen Franken erreichen könnte. Davon will sich Comet mindestens ein Zehntel sichern. Verglichen mit den 396 Millionen Franken Umsatz im Jahr 2020, würde dies das Wachstum ordentlich beschleunigen. Das Unternehmen wird zudem profitabler. Der Gewinn hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Mir scheint viel Potenzial in Comet zu stecken, auch wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 42 hoch ist. Das ist für die Zulieferbranche zurzeit jedoch nicht ungewöhnlich. Kaufen

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung. Weitere Artikel der «Finanz und Wirtschaft» finden Sie unter www.fuw.ch

Football news:

In unserem Serie-A-Telegramm führen wir weiterhin Umfragen durch, um den besten Spieler der italienischen Meisterschaft in der Saison 2020/2021 zu wählen. Die Abstimmung findet in Form eines Playoff-Rasters statt. Es ist 1/4 gegangen, es ist Zeit, die Ergebnisse zusammenzufassen
Strafe für 9 Superliga-Klubs: eine Gesamtspende von 15 Millionen und eine Absage von 5% der Euroeinnahmen. Mit Real, Juve und Barça verspricht die UEFA, sich ernsthafter mit der Rebellion auseinanderzusetzen
Neymar verlängert seinen Vertrag bei PSG bis 2026. Am Samstag wird Stürmer Neymar weiter bei PSG spielen. Der 29 Jahre alte Brasilianer habe sich mit dem Verein auf eine Vertragsverlängerung bis 2026 geeinigt, teilte die L ' Equipe mit
Arsenal kann Onan unterschreiben, wenn seine Disqualifikation verkürzt wird. Ajax will 14 Millionen Euro für den Torwart
Lille hält zwei Runden vor dem Ende die Führung in der 1.Liga. Die letzten Spiele - mit St. Etienne und Angers steht die Saison in der französischen Meisterschaft kurz vor dem Abschluss. In der 36. Runde der 1. Liga war Lille stärker als Lance
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat die Frage nach drei Klubs beantwortet, die noch nicht aus der Super League ausgeschieden sind: Real Madrid, Juventus Turin und Barcelona
Golovin hat einen negativen Coronavirus-Test bestanden