Switzerland

Geht es wirklich nur um Resultate im Sport? Mitnichten

Bernhard Fluck muss als Nationaltrainer der Turner gehen. Obwohl er während insgesamt 19 Jahren eine Erfolgsstory sonder­gleichen geschrieben hat (acht EM-Medaillen).

Bei einer so langen Zusammenarbeit können wir davon ausgehen, dass er kein Querulant ist. Aber er darf die helvetischen Turner bei der WM im nächsten Frühjahr in Basel und bei den Olympischen Spielen im August 2021 in Tokio nicht mehr betreuen.

Er würde gerne bleiben. Aber er muss gehen, weil er das Pensionsalter erreicht hat. So zumindest die offizielle Begründung.

Mit 65 Jahren ist man nicht zu alt für den Spitzensport

Ist einer mit 65 zu alt für den Spitzensport? Nein, sicher nicht. Roy Hodgson, 73, trainiert nach wie vor ein Team in der Premier League, einer der wichtigsten Fussballligen der Welt. Scotty Bowman coachte Detroit mit 69 zum Stanley Cup und war mit 77 nach wie vor Berater beim Stanley-Cup-Sieger Chicago.

Alex Ferguson trat bei Manchester mit 72 in den Ruhestand. Und ich erinnere mich noch gut, wie ich mich im Sommer 1968 als sport­begeisterter Bub über die olympische Medaille von Louis Noverraz freute. Der Genfer war mit 66 der älteste Teil­nehmer der Spiele in Mexico und gewann im Segeln Silber. Und der amerikanische Präsident Donald Trump ist schon 74. Keine Frage: auch die grauen Panther beissen.

Ein Akt geistiger Beschränkung?

Aber Bernhard Fluck ist mit 65 zu alt, um seine erfolgreiche Arbeit fortzusetzen. Was für eine Diskriminierung. Mir fällt ein Wort wie «Alters- Rassismus» ein.

Ein Mindestalter für gewisse Situationen und zum Schutz der Jugend macht ja Sinn. Ich habe Verständnis dafür, dass ich im Tankstellen-Shop nach wie vor meine ID vor­weisen muss, wenn ich geistige Getränke oder Tabakwaren einkaufe.

Aber eine Alterslimite für erfolgreiche Sporttrainer? Der Entscheid der Turn­verbands-Bürokraten ist eigentlich a) keine Altersbeschränkung. Es handelt sich eher um b) einen Akt geistiger Beschränkung.

Und wenn diese Altersbeschränkung bloss ein vorgeschobener Grund für die Trennung von Bernhard Fluck sein sollte, dann handelt es sich um eine so faule und dumme Ausrede, dass es sich definitiv um b) handelt.

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