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Gartenkolumne «Nachgehackt»: Hurra, wir messen den Selbstversorgungsgrad

Sorglos kochen? Das war einmal. Denn in der Familie unserer Gartenkolumnistin gibt es jetzt eine Skala des Selbstversorgertums.

Schon beim Kochen der Spaghetti wird der Kolumnistin heiss und kalt, denn sie weiss: Sie erhält in der Selbstversorgungsskala keine gute Note.

Schon beim Kochen der Spaghetti wird der Kolumnistin heiss und kalt, denn sie weiss: Sie erhält in der Selbstversorgungsskala keine gute Note.

Foto: Getty

Es gab Spaghetti, und der Mann fand: «Hattest du wieder keine gute Idee?» Dabei gehen Spaghetti doch immer. Oder gingen immer, bisher. Denn neuerdings teilt der Mann das Selbstversorgertum in vier Kategorien ein. Spaghetti gehören in die Kategorie vier.

So kommt es, wenn man rund um die Uhr zu Hause sitzt und nicht einmal in den Garten kann, weil der unter einer matschigen Schneedecke liegt. Man beschäftigt sich zu sehr mit sich selbst. Und dem eigenen Konsum. Was ja eigentlich ganz schön wäre, denn Kochen und Essen gehören zu den Lieblingsbeschäftigungen von vielen Menschen. Und auch ich freue mich, wenn das Gemüse aus dem Garten kommt, das Ei von unserem Huhn, die Milch von den Kühen des Nachbarn, das Mehl vom Hofladen und der Znüni für die Kinder ums Haus gewachsen ist.

Kategorie eins: gut, Kategorie vier: böse

Aber alles hat jetzt Kategorien. Kategorie eins: selbst produzierte und selbst verarbeitete Lebensmittel. Äpfel, Apfelringli, Apfelmus. Eigene Eier, eigener Honig, Wintergemüse, eingefrorenes Gemüse, selbst angebaute Salate. Eine Kategorie, in der wir brillieren können. «Ja!», meldet sich der Mann in diesem Moment zu Wort, «die Überraschung des Jahres ist hier Popcornmais.» Genau, sogar unsere Snacks bekommen nun eine Eins.

Zur Kategorie zwei gehören selbst verarbeitete Lebensmittel aus gekauften Rohstoffen. Ein typischer Vertreter dieser Gattung ist bei uns das Sauerkraut, das wir selbst machen, aber den Kabis dafür im Gürbetal holen. Eine Zwei gibt es auch für selbst gemachtes Brot und Joghurt.

Kategorie drei umfasst gekaufte Lebensmittel von kleinen Anbietern. Darunter fällt das Gemüse vom Hofladen oder Märit, der Käse aus der Käserei, kurz gesagt, das lokale Einkaufen. Womit wir unweigerlich zur bösen Nummer vier kommen: Produkte vom Grossverteiler. Teigwaren, Reis, Cornflakes, Chips. Und schon hat man eine Vier eingesackt.

Die Selbstversorgungsskala ist etwas für Ultras

Ja, plötzlich ist da dieser Druck. Hocken einem diese Zahlen im Nacken, ob man will oder nicht. Auch wenn gar niemand davon spricht, schon beim Kochen des Spaghettiwassers wird mir heiss und kalt, denn ich weiss: Hier produziere ich gerade eine Vier. Und spätestens beim Essen wird eben doch jemand davon sprechen, und dieser Jemand wird neutral registrieren, dass wir in der Selbstversorgungsskala schon wieder versagt haben. Mache ich hingegen Spätzli mit Krautstiel aus dem Garten, uff, dann gibts eine Eins.

Ganz ehrlich? Die Selbstversorgungsskala ist etwas für Ultras. Etwas für Erbsenzähler, Kürbiswäger, Angefaulte-Äpfel-Esser. Und da wir privilegierten Hobbygärtner das sind, passt sie perfekt zu uns.

Trotzdem musste ich neulich ein Lachen unterdrücken, als der Sohn statt Apfelringli zum Znüni diese kleinen Würstli wollte, die seine Kindergartenkollegen immer haben. Ein glatter Rückfall von eins auf vier in der Selbstversorgungsskala.

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