Switzerland

Gänsehaut trotz Corona: Nie hat dem FCB das Fehlverhalten der Fans so gut getan, wie bei der irren Wende in Salzburg

Der Matchbericht von damals:

Titel: Das rotblaue Wunder von Salzburg

Lead: Der FCB siegt in Unterzahl nach Rückstand bei Red Bull 2:1 und ist Viertelfinalist in der Europa League

von Markus Brütsch

Jubelnd rissen die Spieler des FC Basel die Arme hoch und bildeten kurz danach eine rotblaue Traube. Sie konnten selber wohl kaum fassen, was sie an diesem Märzabend vollbracht hatten.

Ein Jahr nach seinem gefeierten Einzug in den Halbfinal der Europa League gegen den FC Chelsea hatte der FCB auf der internationalen Bühne ein weiteres Mal ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Und nach dem 0:0 im St. Jakob-Park nach einem 0:1-Rückstand dank zwei Kopftoren von Marco Streller (51.) und Gaston Sauro (60.) die Wende geschafft. Zu beiden Toren hatte jeweils Fabian Frei die Cornerflanke geschlagen.

Der FCB steht mit diesem grossen Sieg nach den Partien gegen Middlesbrough im Uefa-Cup und Tottenham Hotspur am 3. und 10. April zum dritten Mal innerhalb von acht Jahren im Viertelfinal eines europäischen Wettbewerbs. Der Gegner wird ihm heute Nachmittag in Nyon zugelost.

Als «eidgenössische Wundertüte» hatte das österreichische Blatt «Der Standard» am Donnerstag in seiner Vorschau den FC Basel bezeichnet. Einen solchen Ausdruck für ein Team zu gebrauchen, das in der Liga seit 20 Spielen ungeschlagen ist, ist zwar frech, weil doch gerade die Konstanz ein Markenzeichen dieses FCB ist. Und doch hatten die Österreicher unfreiwillig ein Wort benützt, das zur Hälfte die Leistung des FCB an diesem Abend auf den Punkt bringt: ein Wunder. Denn ab der 9. Minute hatten die Basler in Unterzahl gespielt, nachdem Mittelverteidiger Marek Suchy dem Salzburger Alan unnötig weitab der Gefahrenzone in die Beine gefahren und vom Platz gestellt worden war. Als dann nach 22 Minuten und einem Fehler von David Degen – ein Junior hätte sich nicht blamabler anstellen können – Jonatan Soriano die krass überlegenen Gastgeber auch noch 1:0 in Führung brachte, schien klar: Goodbye FCB aus der Europa League.

Fans provozieren Unterbruch

Einige der Basler Fans liessen ihrer Frustration freien Lauf und warfen so lange und so viele Gegenstände aufs Spielfeld und in Richtung der Schiedsrichterassistenten, dass Referee Manuel Gräfe entschied, die Mannschaften in die Garderobe zu schicken und das Spiel erst nach einer knappen Viertelstunde fortzusetzen.

Es schien danach, als habe der FCB diesen Unterbruch genützt, sich zu sammeln und zu schwören, alles dafür zu tun, diese Partie nicht zu verlieren. Mit einer unglaublichen Willensleistung wehrten sie sich gegen alle Unbill, hatten die Klasse, aus dem Nichts zwei Tore zu erzielen, etwas Glück, dass Arlind Ajeti nach einem Kopfstoss gegen Alan nicht auch die rote Karte sah und sie überstanden dank einem hervorragenden Goalie Yann Sommer alle verzweifelten Bemühungen der Bullen, die riesengrosse Enttäuschung des Ausscheidens doch noch vermeiden. Als aber fünf Minuten vor dem Ende ihr Captain Soriano mit gelb-rot vom Feld musste, war klar: Der FCB hatte das Wunder von Salzburg geschafft.

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