Switzerland

Furios in den Schweizer Bücherherbst: Wir stellen die vier besten Neuerscheinungen vor

  1. Elmiger im Zuckerschock: Dorothee Elmiger lotet in «Aus der Zuckerfabrik» Begehren und Kolonialismus aus. Mit tollen Funden, aber allzu vielstimmig. Einen Schluss findet sie nicht.
  2. Ein rätselhafter «Hässlicher»: Auf traumhaft-surreale Weise betrauert im Roman «Späte Gäste» eine Frau ihren toten Geliebten.
  3. «Es führt kein Weg zurück»: Mit seinem Riesenroman «Leben ist ein unregelmässiges Verb» ist Rolf Lappert trotz Mängeln ein aussergewöhnliches Stück Schweizer Literatur geglückt.
  4. Ein früher Höhepunkt als Geburtstagsgeschenk: Sein Verlag beschenkt Klaus Merz zu seinem 75. mit der Neuauflage von «Im Schläfengebiet».

Elmiger im Zuckerschock

Dorothee Elmiger lotet in «Aus der Zuckerfabrik» Begehren und Kolonialismus aus. Mit tollen Funden, aber allzu vielstimmig. Einen Schluss findet sie nicht.

Dorothee Elmiger spürt das verrückte, mystische Begehren nach dem Zucker auf.

Die Autorin macht es einem fast zu leicht, sich über ihr neues Buch zu ärgern: chaotischer, mühsamer Montagetext, extreme Sprunghaftigkeit von Minifragment zu Minifragment, selbstverliebtes poetisch-politisches Tagebuch, hochtrabende Zitatschwemme aus Kulturtheorien, nervige Intertextualität. Kurz: ein anstrengender Spätling der Postmoderne.

Aber da sind eben auch die brisanten Themen und die interessante, weil fragile und vielfältig poetische Erzählperspektive. Dies zeichnet Dorothee Elmiger seit je als faszinierende Autorin aus, die sich querstellt zur gegenwärtigen Renaissance des relativ einfachen Erzählens.

Aber Achtung: «Aus der Zuckerfabrik» muss man sich erarbeiten und zweimal lesen. Da raucht schon mal der Schädel bei der Frage, wie das alles zusammenhängt. Also nichts für Leser, die einfach kluge, schön erzählte Romane mögen.

Als listige Rache tauscht sie bei Max Frisch die Geschlechterrollen

Mit ihren zwei bisherigen Romanen war die 35-Jährige 2010 und 2014 für den Schweizer Buchpreis nominiert. In «Schlafgänger» hatte sie 2014 in einem faszinierenden Stimmenorchester Emigration und Asyl aus der Sicht der Einheimischen erhellt.

In ihrem neuen Buch nun erweitert sie ihren Stil mehrstimmiger Echolotungen in politisch-zeitkritische Themen mit einer autobiografischen Erzählerin. Und das ist das Hauptproblem dieses Buches. Denn die Erzählerin geht zwar den Spuren des ersten Schweizer Lottokönigs nach, der als braver Sanitärinstallateur in Haiti gratis Leitungen verlegt, sich aber in der Schweiz verzockt und bankrottgeht.

Und packend schreibt sie unter anderem über die Mystikerin Teresa von Avila und den haitianischen Revolutionär Louverture. Aber die Zürcher Spaziergänge und Liebeleien der Erzählerin wirken banal und wie Lückenfüller, weil sie sich nicht recht mit der Recherche verbinden.

Listig-witzig erfährt man hingegen vom zuckersüchtigen Ökonomen Adam Smith und von Max Frisch, dem bei seinem privaten Liebesweekend in Montauk nicht aufgefallen sei, dass vor derselben Küste 170 Jahre zuvor eine Meuterei von haitianischen Sklaven ein deprimierendes Ende gefunden hat. Als kleine Rache schreibt Elmiger eine Passage von Frischs Erzählung «Montauk» mit vertauschten Geschlechterrollen.

Humor findet sich leider selten. Die Ich-Erzählerin liest über die Leckerheit in mittelalterlichen Romanen, psychoanalytisch gedeutetes weibliches Begehren, die Revolution in Haiti, die Geschichte der Sklaverei und findet überraschende Verbindungen aus der Schweiz zur ehemaligen Sklaveninsel Haiti.

Dorothee Elmiger: Aus der Zuckerfabrik Hanser Verlag 271 Seiten. ab 17.8. im Handel

Sie sucht in Literatur, Kolonialgeschichte und Kulturtheorie nach dem Zusammenhang von Begehren, Wahnsinn, Patriarchat, Kapitalismus. Und findet immer wieder neue Äste der Gier – vor allem der verheerenden kolonialen Gier nach Zucker. Allesamt spannende Themen. Ein Roman ist daraus nicht geworden. Was uns Dorothee Elmiger präsentiert, ist eher ein Tagebuch, das Echos, Analogien und Theoriefragmente als Erklärungsansätze einer «unlösbaren Szene» anbietet.

Im Wirrwarr wird alle Welterklärung neurotisch

Diese Szene geht so: Sie sieht im Fernsehen die Versteigerung von Objekten des bankrotten Lottomillionärs. Zwei Frauenfiguren, 30 Zentimeter hoch, schwarz, mit entblössten Brüsten, sind es, die sie nicht mehr loslassen. Als ob in diesem Moment «unterschiedliche Gesteinsobjekte, Himmelskörper, die sich zuvor lange Zeit scheinbar losgelöst voneinander um die Sonne bewegten» kollidierten und für sekundenlange Erleuchtung sorgten.

Das klingt hochtrabend, aber man merkt: Die Erzählerin reflektiert ihr Interesse und später auch skeptisch ihr Schreiben als «Unsinn». Sklaverei, kolonialer Kapitalismus, patriarchales und feminines Begehren, Revolution. Das sind die «Himmelskörper», die in dieser Sekunde auf die Erzählerin einschlagen. Eine Abwehr scheint nicht möglich.

Die obsessive Recherche, sei sie noch so fragmentarisch, neurotisch, anekdotisch, märchenhaft und vage, bestimmt ihre Existenz. Schön bringt sie dies in einer der wenigen erzählerischen Passagen auf den metaphorischen Punkt: Als Kind sah sie sich zuerst fasziniert, dann immer verzweifelter von ungestümen Ziegen bedrängt. Es ist womöglich jene Situation, in der sich alle befinden, die sich aus Engagement ein klares, eindeutiges Bild der Welt machen wollen. Wenn man sich in diese fragile, vorläufige Warte versetzt, bringt man dem Buch Sympathie entgegen. Neugier ist ja bei aller Vergeblichkeit das Gegenteil von Ignoranz.

Hansruedi Kugler

Ein rätselhafter «Hässlicher»

Auf traumhaft-surreale Weise betrauert im Roman «Späte Gäste» eine Frau ihren toten Geliebten.

Gertrud Leutenegger ist Mitglied in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Es ist Fastnacht, es dämmert. Vor der geschlossenen Tür der Friedhofkapelle in einem Tessiner Bergdorf steht eine Frau und späht im Halbdunkel nach einem Sarg. Orion, der Vater ihrer Tochter, von dem sie vor Jahren die Flucht ergriffen hat, ist gestorben. Ohne jemandem zu begegnen, geht sie zum alten Hotel, in dem sie und das Kind jeweils vor dem zornigen Mann Zuflucht suchten, und hält – mal im Park davor, mal unter den Paradiesfresken des Gartensaals – eine Nacht lang Totenwache.

«Späte Gäste» setzt auf eine noch geheimnisvollere Weise «Pomona» aus dem Jahr 2004 fort, den Roman des Aufbruchs, als die Erzählerin Abschied von ihrem Tessiner Zuhause und von ihrer Liebe nahm. «Jahre vergehen, und die Zeit heilt nichts», weiss sie inzwischen. «Sie macht uns nur mutig, unsere Erschütterungen zu tragen.» Und wie Maurice Chappaz, der nicht müde wurde, die Sterbestunden geliebter Menschen zu hinterfragen, ist sie sich sicher: «Nie so wie im Tod wird das Geheimnis eines Menschen offenbar.»

Die Liebe ist nicht tot

Bald ist klar: Die Gefühle für Orion sind nicht erkaltet. In den Hochzeitsanzug, in dem er kremiert werden will, «ist unsere Liebe eingenäht, die wir einmal beschworen, stark wie der Tod zu sein.» Gegen seine «Schreckensherrschaft» hat sie sich seinerzeit nicht mit Hass, sondern mit ihrer «ganzen unverminderten Liebe» aufgelehnt, und auch jetzt kann sie sich nicht «gegen das Schluchzen wehren».

Die (mal scheinbare, mal – was ihn betraf – reale) Erfolglosigkeit schweisste sie zusammen. Und wenn sie sich von ihm löste, dann, weil sie sich durch ihn «in dem ihr Empfindlichsten» herausgefordert wurde: «Meine Kraft, mit Wörtern als einer lebendigen Wirklichkeit zu leben, kehrte sich gegen mich.»

Diese Kraft ist ihr, der Text macht es augenfällig, längst wiedergegeben. In der beziehungsvollen Darstellung der Paradiesfresken als mythisches Pandämonium, in der Deutung der gemalten Tell-Geschichte als Ausbruch in die Freiheit, aber auch in den Assoziationen, die von einfachen Dingen und Lebewesen ausgehen und den Text ins Allgemeingültige heben.

So ruft ein Tausendfüssler die Bootsflüchtlinge im Mittelmeer und ihre über die Schlauchboote herabhängenden Füsse in Erinnerung, so verweisen herumstehende Schuhe auf das Flüchtlingslager von Lesbos und zurückgelassene verschlissene Schuhe und Schwimmwesten, assoziieren Wilhelm Tells kuriose Puffhosen die Birnensorte «Schweizerhose» und wecken Erinnerungen an die Mutter, die nicht nur die Äpfel züchtete, die im Roman «Pomona» eine wichtige Rolle spielten, sondern auch in Sachen Birnen Altertümliches liebte.

Gertrud Leutenegger: Späte Gäste Roman, Suhrkamp 174 Seiten. ab 17.8. im Handel

Ein imaginärer Totentanz

Diesmal steht nicht die Mutter, diesmal stehen die «späten Gäste» im Mittelpunkt, die sich zur Totenfeier versammeln: «die Lebenden und die Toten, die Geliebten und die Gefürchteten». Um Orion herum, diesen Sternegucker, mythischen Faun, Desperado und genialischen Architekten, tanzen sie einen imaginären Totentanz: die Hässlichen und die Schönen des Fastnachtsballs, die als maskiertes Schweinchen herumgeisternde Tochter, die ferne Japanerin mit ihrem Reis-Opfer, aber auch die Exponenten des Dorfes, die zu den Themen Liebe, Tod und Flucht eigene Geschichten beisteuern.

Der Wirt, der in Sizilien Emigranten beherbergt, die unerschütterliche Serafina, die ihr verbranntes Kind betrauert, Matilde, die aus der Weihnachtskrippe eine Dorfchronik macht.

Die Nacht endet in einem Wachtraum, der dem Düsteren etwas Helles gegenüberstellt. Ein Maskierter, einer der «Schönen» vom Fastnachtsball, bittet die Erzählerin, als Fährgeld für Charon, um eine Münze. Ein rätselhafter «Hässlicher», der mit ihm kam, einer «mit dunklen Augen, bedingungslos offen für jede gemeinsame Freude, jeden Aufbruch, jedes Leid», gibt ihr das Pfand.

Schliesslich erscheint der Wirt, und ihm ist ein Blick eigen, «in dem das versammelte Schweigen der vergangenen Jahre ruht, der unverbrüchliche Halt, der Glaube, mit dem er ihr ganzes Wesen erwärmt hat». Als spräche er auch für den rätselhaften anderen, mahnt er, den in den Fresken gespiegelten Orpheus vor Augen: «Es ist Zeit, die Glocken läuten schon. Aber schauen Sie nicht zurück!»

Charles Linsmayer

«Es führt kein Weg zurück»

Mit seinem Riesenroman «Leben ist ein unregelmässiges Verb» ist Rolf Lappert trotz Mängeln ein aussergewöhnliches Stück Schweizer Literatur geglückt.

Rolf Lappert kümmert sich in seinem neuen Roman um vier Schützlinge.

Es liesse sich mühelos einiges gegen Rolf Lapperts neuen Roman vorbringen. Angefangen bei der schieren Detailversessenheit seines Autors geschuldeten Länge von irrwitzigen 976 Seiten, welche die Lektüre zu einer Herausforderung machen.

Dazu Lapperts Hang, auch das Letzte ausformulieren zu müssen, womit er seine Grosserzählung jener Leerstellen beraubt, die dem Ganzen womöglich eine noch grössere epische Spannung verliehen – und es dem Leser ermöglicht hätten, eigene Fantasien zu dem Vorgeführten zu entwickeln; ganz zu schweigen von den unnötig oft durchschimmernden literarischen Referenzen, von Thomas Manns «Zauberberg» bis zu Agota Kristofs finster-verstörenden Adoleszenzromanen.

Trotzdem: Mit seinem Epos um vier in einer norddeutschen Landkommune entdeckte elternlose Kinder, deren weitere Lebensstationen er in Bildern und Episoden von bisweilen schmerzhafter Dichte und Schönheit erzählt, ist dem 1958 geborenen Rolf Lappert etwas Besonderes geglückt: Ein Buch, das im panoramatischen Anspruch vier Jahrzehnte wechselvoller Geschichte miterzählen und beleuchten zu wollen, alles wagt – und am Ende triumphiert!

Denn so in sich geschlossen Lappert die Lebensläufe seiner vier Protagonisten bisweilen abzuspulen pflegt, so fühlbar wird die Empathie, mit welcher er sie in das – ihnen von ihrer oft verständnislosen Umwelt abverlangte – Erwachsen-werden-Müssen begleitet. Entsprechend folgen wir ihm gern durch seine vier raumgreifenden, zu einem stimmigen Romanganzen vereinten Schicksalserzählungen.

Rolf Lappert begleitet fürsorglich seine literarischen Schützlinge

Im Zentrum stehen Linus, Leander, Frida und Ringo: vier in der Parallelwelt einer Landkommune zwischen Feldarbeit und den Büchern von Charles Dickens und Daniel Defoe aufwachsende Sonderlinge, die weder lesen noch schreiben können – und ihr gesamtes Wissen aus den Romanen beziehen, aus denen man ihnen vorliest. Nach der Räumung der Kommune verstreut es sie in alle Winde und erfahren traurige Berühmtheit: Man zerrt sie vor Radiomikrofone und in Fernsehstudios, damit sie einem voyeuristischen Millionenpublikum ihre traurige Legende enthüllen.

Rolf Lappert: Das Leben ist ein unregelmässiges Verb Roman, Hanser Verlag 976 Seiten. ab 17. 8. im Handel

Hubert Fichte hat Wesen wie Lapperts Fremdlinge einst in seinem berühmten Roman «Das Waisenhaus» mit einem rhetorischen Kniff zur Diskussion zu stellen und für sie zu werben versucht, indem er ketzerisch fragte: «Sind Waisen krank? Sind Waisen böse? Müssen sie eingesperrt werden? Kriegen Waisen deshalb kalte, nasse Hände, weil sie in ein Waisenhaus zusammengesperrt sind?»

Fragen, denen Rolf Lappert auf seine ganz eigene Weise entgegentritt – und ihnen ihre dämonisierende Kraft nimmt, indem er die Lebensabschnitte der ihm literarisch Schutzbefohlenen wie ein treu sorgender Begleiter Schritt für Schritt überwacht. Bis aus den einstigen Wildfängen halbwegs alltagstaugliche Wesen geworden sind, denen ihr antrainiertes neues Leben in letzter Konsequenz aber fremd bleibt.

Die vier jungen Sonderlinge werden im Leben nicht heimisch

So erleben wir, wie der erwachsene Ringo in Hamburg, wohin es ihn verschlägt, als Retter von durch einen Brand bedrohten Heimbewohnern gefeiert wird. Um wenig später der fahrlässigen Tötung einer Frau und eines Kinds bezichtigt zu werden, die während eines gemeinsamen Segeltörns in Griechenland ums Leben kommen.

Oder wie Linus, «diese von den Dämonen der Vergangenheit heimgesuchte Seele», einen Selbstmord vortäuscht, um seine Spur zu verwischen – und wenig später in Köln auftaucht. Dort arbeitet er in einem Trödelladen und legt sich mithilfe gefälschter Papiere eine neue Identität zu. Seinen Namen streift er erfolgreich ab, seine Geschichte aber wird er nicht los.

Berührend, wie die bei ihrer Grossmutter aufwachsende Frida sich ganz in einem Reich um sich her erfundener Gestalten einrichtet – lange nicht bereit, sich auf eine jenseits davon existierende Welt einzulassen. Bleibt am Ende Leander, der weder auf dem Internat, auf das man ihn schickt, noch auf all den weiteren Stationen seiner Odyssee heimisch wird.

Er ist es, an dem Lappert zuletzt das Kernproblem seiner Figuren festmacht, als Lotte, die er im österreichischen Refugium, wohin man ihn schickt, kennen lernt, zu ihm sagt: «Entspann dich! Lass dich fallen. Stell dir vor, du bist wieder in dieser komischen Kommune.» Denn genau davon erzählt Rolf Lapperts Roman: Von der schmerzhaften, sich aus unzähligen Facetten zusammensetzenden Erkenntnis, dass kein Weg dorthin zurückführt, wo wir einst glücklich oder zumindest geborgen waren – wie intensiv wir ihn uns auch ausmalen.

So beleuchtet sein ergreifender Roman die existenzialistische Idee, der zufolge der Mensch in den Fluss des Lebens geworfen wird, ohne schwimmen gelernt zu haben. Seine Figuren kämpfen bis zuletzt mit aller Kraft gegen die sie fortreissende Strömung an. Die eine mit mehr, die andere mit weniger Erfolg. Über Frida, die es am Ende an den Ort ihrer Anfänge, nach Norddeutschland, zurückzieht, heisst es stellvertretend für die anderen: «Hier hatte sie die ersten zwölf Jahre ihres Lebens verbracht, eine Insel, umspült von den abgrundtiefen Gewässern des Unbekannten, Unbetretbaren … Die Ankunft in der Einöde könnte der Anfang ihres Romans sein.» Rolf Lappert hat ihn geschrieben.

Peter Henning

Ein früher Höhepunkt als Geburtstagsgeschenk

Sein Verlag beschenkt Klaus Merz zu seinem 75. mit der Neuauflage von «Im Schläfengebiet».

Klaus Merz in seinem Arbeitszimmer.

Die Erzählung zeige den Autor auf der Höhe seiner Kunst, hiess es 1994 in etlichen Besprechungen. «Im Schläfengebiet» war die Schlusserzählung im Band «Am Fuss des Kamels», der zugleich den Durchbruch des Autors zum bewunderten Meister der Kurzprosa bedeutete. Dem Band folgte 1997 mit «Jakob schläft» ein noch grösserer Verkaufserfolg. Sein Verlag beschenkt den Autor nun, kurz vor seinem 75. Geburtstag am 3. Oktober, mit einem Sonderdruck jener Erzählung, dem die langjährige NZZ-Literaturkritikerin Beatrice von Matt ein längeres Nachwort als Würdigung seines literarischen Schaffens anfügt.

Auch 26 Jahre später stimmt man dem Urteil zu. Wie Klaus Merz auf 40 Seiten die letzten, einsamen Spaziergänge seines Vaters als dessen Lebensbilanz in Episoden und Erinnerungen schildert, ist klassisch, mustergültig schön. Was ein wenig irreführend sein kann. Von einer Idylle wird hier nämlich keineswegs berichtet. Denn vom Leben erschöpft, von epileptischen Anfällen und Selbstmitleid zermürbt – seine zweite Ehefrau ist deshalb weggelaufen – den Aktivdienst, Kriegstote und den Tod der ersten geliebten Ehefrau nicht bewältigt, sind die Spaziergänge ein melancholischer Abschied vom Leben.

Was die Erzählung auszeichnet: Die präzise, dennoch dezent eingesetzte Metaphorik; die Leichtigkeit, mit der tödliche familiäre Schicksalsschläge mit feinsinnig schwarzem, skurrilem Humor und teils erfundenen Episoden skizziert werden; die jederzeit spürbare Liebe zur mentalen Einfältigkeit, Bescheidenheit und stillen Tapferkeit des Vaters; der dank der lakonisch inszenierten Beobachterperspektive zum präzisen Porträt eines Kleinbürgermilieus verdichtete Stoff – frei von Häme oder Klischee. Das alles hob die zuvor ein wenig spröde Prosa von Klaus Merz auf eine neue Ebene einer farbig-lebenssatten Erzählweise.

Klaus Merz: Im Schläfengebiet Erzählung. Mit einem Nachwort von Beatrice von Matt Haymon, 48 Seiten. ab 18.8. im Handel

Klaus Merz strebe «eine liebende Utopie im Umgang mit seinen lädierten Figuren» an, schreibt Beatrice von Matt im Nachwort. Dass darin Platz ist für unterhaltsame, hintersinnige Schreckmomente, macht dessen Literatur auch zur fröhlichen Lektüre. Das sei all jenen gesagt, die solches beim auf allen Porträtfotos strengen Blick des Autors nicht vermuten würden.

Hansruedi Kugler

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