Switzerland

Für Filmpremiere in Zürich – Russi trifft Klammer: Eine Freundschaft, die niemals endet

Österreich Tourismus hat eingeladen, um die beiden zu feiern. Sie kommen auf den letzten Drücker, in Gala-Robe, sie werden bejubelt. Stargäste eben. Der Film über die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck hat die Vergangenheit wieder präsent gemacht. Die Fahrt von Franz Klammer (67) zu Olympia-Gold, bei Bernhard Russi (73) ist sie präsent, als ob es gestern gewesen wäre. Noch immer ist der Schweizer überzeugt, dass die Linienwahl von Franz Klammer eigentlich nicht fahrbar ist. «Ich habe es mir immer und immer wieder angeschaut. Das kann eigentlich nicht gehen.»

Es ist die Linie, die den Österreicher zur Goldmedaille geführt hat. Sein Fahrstil wurde als ruppig oder gar kriminell bezeichnet. «Ich wusste eigentlich, wo die Ideallinie war, ich fand sie nur nie», sagt Klammer beim Legendentreffen am Rande des Filmfestivals schmunzelnd. Stolz ist er noch heute auf seinen Finish in der Olympia-Abfahrt: «Die Zielkurve? Eine der besten Kurven, die ich je gefahren bin.»

Klammer: «Russi war stilistisch immer besser. Auch von der Frisur her!»

Bernhard Russi, Klammers grösster Konkurrent zu jener Zeit, weiss, warum Klammer trotz seines wilden Stils so erfolgreich sein konnte: «Er hatte auf der Piste die perfekte Intuition.» Einen Lacher landet Russi bei der nächsten Frage: «Sprungtechnik? Klammer hatte nie eine!», meint der Olympiasieger von 1972. Klammer bleibt cool: «Stimmt. Stilistisch war Russi immer besser. Auch von der Frisur her!»

Besonders in Erinnerung blieb eine intensive Begegnung im Starthaus, Sekunden bevor sich Russi den Patscherkofel hinunter stürzen wollte. Es war eine Aktion, die Klammer nicht geplant hat. «Das ist einfach so passiert. Ich ging zu ihm, wollte ihm alles Gute und viel Glück wünschen.» Russi wusste nicht, wie ihm geschah: «Schwer zu sagen, was es ausgelöst hat. Ich habe sowas noch nie erlebt.»

Russi: «Ich war plötzlich eine gespaltene Persönlichkeit.»

Der Urner, mit Nummer 3 ins Rennen gestartet, liegt an der Spitze des Klassements. Dann fährt Klammer mit der 15 los, die 60'000 Fans jubeln dem Top-Favoriten auf Gold zu. Russi: «Die Zwischenzeiten sprachen zwar für mich. Doch der Berg hat vibriert. Ich war plötzlich eine gespaltene Persönlichkeit: Als er in den Zielschuss einbog, dachte ich, der darf das Rennen nicht verlieren, sonst ist die Party vorbei».

Klammer, immer noch Rekordsieger in der Abfahrt, schlägt Russi um 33 Hundertstelsekunden. Doch keine Spur von Groll oder Enttäuschung beim Schweizer. «Ich hatte ja schon eine Goldmedaille, das hat sicher geholfen.» Klammer erinnert sich an den Gratulanten Russi: «Eine so herzliche Umarmung von einem Konkurrenten habe ich zuvor noch nie erlebt.» So begann diese Freundschaft, die bis heute andauert.

Die Oberschenkel zur Schau gestellt

Nun wurde die Geschichte von Klammer bei Olympia 1976 verfilmt. Nachgezeichnet wird auch die Beziehung zu Klammers damaliger Freundin und heutigen Ehefrau Eva. In deren Anwesenheit holt sich Klammer am Zurich Film Festival Szenenapplaus als er erzählt, dass die beiden sich im Sommer 1975 in Tunesien kennengelernt hätten: «So sah sie gleich zu Beginn, was sie an mir hatte. Meine Skifahrer-Oberschenkel waren recht auffällig und eindrücklich.»

Der Skisport ist immer noch omnipräsent im Leben der beiden Ski-Giganten. Sofern möglich, schauen sie jedes Rennen. Erfreut stellen sie fest, dass auch heutzutage «die Burschen ans Limit gehen.» Und was braucht es für spannende Rivalitäten und packende Rennen wie zu ihren Zeiten? Russi ist sich sicher: «Es braucht in erster Linie einen Österreicher und ein Schweizer.»

Wird die Geschichte im Film neu geschrieben?

Der Olympiasieg in der Heimat ist zweifelsohne Klammers schönster Triumph in seiner Karriere. Obschon Russi Zweiter wurde, ist auch für ihn die Erinnerung an Innsbruck eine durchwegs positive: «Ich habe zwei Sachen gewonnen. Eine Silbermedaille und einen Freund.» Es folgt eine spontane Umarmung der beiden auf der Bühne, wie damals im Zielraum von Innsbruck. Bevor die beiden Festival-Stargäste in den Kinosaal geführt werden, setzt Russi eine letzte Pointe: «Wer weiss, vielleicht gewinne im Film ja ich?!»

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