Switzerland

Für die Grünen wäre bei den eidgenössischen Wahlen 2019 noch viel mehr dringelegen

Der grösste Anteil der Grünen-Wählerschaft hatte bei den Wahlen von 2015 noch SP gewählt. Dies zeigt die Wahlstudie Selects, die am Freitag präsentiert wurde.

Die Klimademonstrationen vermochten vor allem junge Wähler für den Urnengang vom Oktober 2019 zu mobilisieren.

Die Klimademonstrationen vermochten vor allem junge Wähler für den Urnengang vom Oktober 2019 zu mobilisieren.

Gian Ehrenzeller / Keystone

Nicht auszumalen, was für ein bombastisches Ergebnis die Grünen (GPS) im Oktober 2019 eingefahren hätten, wäre es ihnen gelungen, ihre Wählerschaft von 2015 auch bei diesen eidgenössischen Wahlen an die Urne zu bringen. Doch genau darin sind die Grünen kolossal gescheitert, wie die neuste Schweizer Wahlstudie Selects zeigt: 44 Prozent derjenigen, die 2015 grün einlegten, nahmen 2019 überhaupt nicht mehr an den Wahlen teil. Angesichts dessen, dass das Klimathema den Wahlkampf dominierte und somit auch die grüne Stammwählerschaft hätte mobilisieren sollen, ist dies eine äusserst erstaunliche Erkenntnis, welche vor allem den Grünen selbst zu denken geben muss. Zumal in der hiesigen Politiklogik jedes zusätzliche Wählerprozent ein gewichtiges Argument für einen eigenen Bundesratssitz sein kann.

Die Wahlen 2019 waren für die Grünen natürlich dennoch ein Grosserfolg. Mit einem Wähleranteil von 13,2 Prozent fuhr man ein Traumergebnis ein. Wo konnte die Partei also zulegen, wenn dieses Unterfangen bei der eigenen Wählerbasis von 2015 scheiterte? Die Selects-Studie bestätigt nun, was bereits nach den Wahlen offensichtlich war: Die GPS wilderte vor allem bei der linken Konkurrenz, namentlich bei der SP.

SP verlor nach links und rechts

Wahlentscheid 2019 nach gewählter Partei 2015 in % (nur Befragte, die 2019 gewählt haben)

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Die Sozialdemokraten selbst bekundeten am meisten Mühe, ihre Wählerschaft von 2015 erneut zu einer Stimmabgabe für die Sozialdemokraten zu bewegen. Ein grosser Teil (22 Prozent) wanderte 2019 zu den Grünen ab. Nicht unwesentlich war auch der Anteil derjenigen, die neu der GLP ihre Stimme gaben (6 Prozent). Die SP ist somit jene Partei, die im Vergleich mit 2015 am meisten Abwanderung zu verkraften hatte. Der Konkurrenz links und rechts, die das Label «grün» im Namen trägt, hatte die SP im Klimawahljahr 2019 nicht viel entgegenzusetzen.

Schaut man sich an, wie sich die Wählerschaft der Grünen Partei 2019 zusammensetzt, dann wird das Bild für die SP nochmals etwas trüber. Denn bei der GPS überragt neu der Anteil derjenigen Wähler, die 2015 SP gewählt hatten (34 Prozent), den Anteil jener, die bereits vier Jahre vorher den Grünen ihre Stimme gegeben hatten (30 Prozent). Oder anders ausgedrückt: Neu stellt die ehemalige SP-Wählerschaft den grössten Teil des jetzigen Grünen-Elektorats. Wie treu diese ehemaligen SP-Wähler den Grünen dann sein werden, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Junge strömten an die Urnen wie noch nie

In den Wochen und Monaten vor den Wahlen wurde Politik in der Schweiz vor allem auf der Strasse gemacht. Die Klimabewegung mobilisierte in sämtlichen grösseren Städten Hunderttausende. Doch nicht nur dort war es ein Thema. So zeigt die Selects-Studie deutlich, dass die Klimadiskussion auch sonst in den Monaten vor den Wahlen in den Schweizer Haushalten präsent war. Interessanterweise spielte das Thema Krankenkassenprämien (Gesundheitswesen), das sonst bei so vielen Umfragen die Hauptsorge von Herrn und Frau Schweizer ist, überhaupt keine Rolle. Die CVP, die ihren Wahlkampf stark darauf abstützte, hatte daher auch einen schweren Stand.

Klimathema dominiert

Wichtigstes Problem der Wählerinnen und Wähler im Zeitverlauf (in %)

Soziale Sicherheit und Wohlfahrtsstaat

Politisches System, Parteien und Politiker

Int. Beziehungen und Armee

Welle 1 Mai/Jun.Welle 2 Sept. /Okt.Welle 3 Okt./Nov.0102030

Ein perfekteres Wahlkampfvehikel als Klimademonstrationen kann man sich als Grüne eigentlich gar nicht vorstellen. Vor allem auch, um eine junge Wählerschaft für die eigene Sache zu gewinnen. Und wenig überraschend ging die Rechnung für die Grünen auf: Einerseits zeigt sich nämlich, dass die allgemeine Wahlbeteiligung gegenüber 2015 in der Alterskategorie der 18- bis 24-Jährigen zunahm (+3 Prozentpunkte). In allen anderen Alterskohorten blieb sie derweil mehr oder minder konstant. Es erscheint daher naheliegend, diese erhöhte Mobilisierung der Jungen mit den Protestaktivitäten gegen den globalen Klimawandel in Zusammenhang zu bringen.

SVP und Grüne bei unter 35-Jährigen gleichauf

Wahlentscheid 2019 der unter 35-Jährigen

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Die Selects-Ergebnisse zeigen zudem, dass die Grünen und die Grünliberalen ihren Wahlerfolg vor allem den unter 35-jährigen Wahlberechtigten zu verdanken haben. Denn im Vergleich zu 2015 war der Zuwachs beim jeweiligen Wähleranteil in dieser Altersgruppe eindrücklich: Der Grünen-Wähleranteil stieg bei den 18- bis 34-Jährigen von 8 auf 19 Prozent. Die GLP ist im jungen Elektorat mit einem Wähleranteil von 15 Prozent ähnlich gut verankert.

Des einen Freud, des anderen Leid

Die SVP und die Jugend sind eine Paarung, die 2019 ganz offensichtlich nicht spielte. Dies dürfte mit ein Grund gewesen sein, weshalb die SVP im Oktober deutlich an Wählergunst einbüsste. Sie schaffte es schlicht nicht, die unter 35-Jährigen für sich zu gewinnen. Dies war sonst oft ihre Stärke – so zum Beispiel auch vor vier Jahren: Dannzumal legten noch 29 Prozent dieser Alterskohorte für die SVP ein und damit gleich viele wie für die vereinigte Linke (SP und Grüne) zusammen. 2019 sackte dieser Anteil auf 19 Prozent ab. Es ist für die SVP seit 1995 das zweitschlechteste Ergebnis bei den Jungen. Die Partei ist neu unter den unter 35-Jährigen gleich beliebt wie die Grünen. Ein Novum.

Interessanterweise gelang es der SVP trotz allem relativ gut, die eigene Basis zu mobilisieren. Dabei hat die Partei ein klar beschränktes Wählerpotenzial, wie die Selects-Studie vorrechnet: Nur etwas über ein Drittel der Wähler kann sich überhaupt vorstellen, je die SVP zu wählen. Dieser Anteil ist über die letzten 30 Jahre erstaunlich stabil geblieben, einzig bei den Wahlen 2015, welche unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise standen, nahm dieser Anteil minim zu. Und der SVP gelang es bekanntlich auch, diese Stimmung in der Bevölkerung in einen deutlichen Wahlerfolg umzumünzen.

Das eigene potenzielle Elektorat hat die SVP auch 2019, trotz bescheidenem Wahlergebnis, relativ gut abgeholt. Es zeigte sich einmal mehr, dass es bei der SVP nur bedingt auf die Grösse des eigenen Wählerpotenzials ankommt und vielmehr darauf, dass sie dieses abzuschöpfen vermag. 2019 gaben 80 Prozent jener Wähler, die sich gut überhaupt vorstellen können, SVP zu wählen, auch tatsächlich der Partei ihre Stimme. Das ist im Vergleich zu den übrigen Parteien ein absoluter Spitzenwert. Die FDP kommt beispielsweise auf 44, die SP auf 48 Prozent.

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