Switzerland

Für 100 Franken einen Anteil an einem Ferrari kaufen

Schon längere Zeit geistert in der Blockchain-Branche die Idee ­herum, mit der neuen Technologie breiten Bevölkerungsschichten Luxusgüter zugänglich zu machen, die bislang reichen Leuten vorbehalten sind. Das Jungunternehmen Curioinvest mit Sitz im liechtensteinischen ­Vaduz steht nun kurz davor, diese Idee umzusetzen. Es startet mit einem Ferrari F12TDF.

Wie der Internetseite von ­Curioinvest zu entnehmen ist, wurde dieses Modell in limitierter Stückzahl hergestellt, weshalb das unter Autoliebhabern begehrte Fahrzeug an Wert stark gestiegen sei. Interessierte können sogenannte Token kaufen, die ihnen gewisse Rechte am Fahrzeug einräumen. Derzeit werden noch im privaten Umfeld Token verkauft, ab März soll die breite Öffentlichkeit einsteigen können, wie Geschäftsführer Fernando Verboonen erläutert. Für Investoren liegt der Mindestbetrag bei 100 Franken. Später sollen über diese Plattform ­weitere Fahrzeuge in den Verkauf gehen – Verträge für rund 500 Sammlerstücke seien bereits eingefädelt.

Kein Fahrspass

Es sind zwei Wege denkbar, um Kleinanleger über Blockchain und Token an Luxusgütern teilhaben zu lassen: Entweder können sie das erworbene Objekt selber nutzen, oder sie sind bei einem Weiterverkauf am Gewinn beteiligt. Im vorliegenden Beispiel will Curioinvest die Fahrzeuge nach einiger Zeit zu einem höheren Preis verkaufen. Wenn das Auto nicht mit Gewinn weiterverkauft werden kann, verzichte auch Curioinvest auf einen Profit, sagt Verboonen. Autofans, die beispielsweise für den Fer­rari F12TDF eine kleine Summe ausgeben, dürfen den Wagen an jährlichen Events vor Ort oder via Webcam nur besichtigen.

Mit der Blockchain-Technologie können via Token auch kleinere Beträge in verschiedenste Sachwerte wie Gold, Liegenschaften, Kunst oder anderes mehr investiert werden. Eine solche ­Tokenisierung eröffne neue und spannende Investitions- und Transaktionsmöglichkeiten, sagt der auf Blockchain und Fintech spezialisierte Anwalt Andreas Glarner, Partner bei der Kanzlei MME in Zürich. Bei solchen Geschäftsmodellen gibt es aber zusätzliche Risiken, weshalb sich interessierte Anleger vorgängig über die rechtlichen Grundlagen informieren sollten.

Was geschieht bei Konkurs?

«Im vorliegenden Beispiel erhalten Investoren ein Forderungsrecht gegenüber Curioinvest – sie werden nicht Miteigentümer», sagt Glarner. Es gibt andere Geschäftsmodelle, bei denen Käufer mit Token Eigentum erwerben. Rechtlich ist das ein Unterschied, wie Glarner erläutert: «Liegt eine Tokenisierung von Eigentum vor, fällt das Eigentum der Token-Halter bei einem Konkurs des Herausgebers nicht in die Konkursmasse, sondern bleibt bei den Besitzern der Token.» Liegt hingegen nur ein Forderungsrecht vor, müssten sich Investoren bei einem Konkurs mit dem zufriedengeben, was in der dritten Gläubigerklasse übrig bleibt.

Auf jeden Fall sollten sich ­Investoren erkundigen, was das Forderungsrecht beinhaltet und wie der Erlösanteil berechnet ­sowie ausbezahlt wird. Bei ­Curioinvest erhalten Anleger eine pfandgesicherte Forderung. Weiter empfiehlt Glarner eine unabhängige Kontrollinstanz, welche sowohl die Vermögenswerte wie auch die Berechnung des Erlösanteils überwacht. ­Genau zu prüfen ist beispielsweise, welche laufenden Kosten das Unternehmen für Lager, Unterhalt, Versicherungen und Löhne anrechnet.

Laut Curioinvest gibt es für die Kapitalgesellschaft eine ­unabhängige Revisionsstelle, aber keine separate für die Umsetzung der Blockchain. Löhne, Lager, Versicherung und Marketing würden während der ersten fünf Jahre durch eine 5-Prozent-Provision des Verkäufers finanziert. Die Token-Besitzer seien davon nicht betroffen.