Switzerland

Führungswechsel im Schweizer Struki-Markt

Ein einzelnes Produkt katapultiert die UBS 2019 an die Spitze. Der Markt hofft in den kommenden Jahren auf die Pensionskassen.

Die UBS dominiert mit dem höchsten Marktanteil das Schweizer Jahrbuch für Strukturierte Produkte.

Die UBS dominiert mit dem höchsten Marktanteil das Schweizer Jahrbuch für Strukturierte Produkte.

Arnd Wiegmann / X90184

Der Umsatz mit Derivaten hat gemäss dem «Schweizer Jahrbuch für Strukturierte Produkte» im vergangenen Jahr in der Schweiz um rund 6% zugenommen. Das sei vergleichbar mit dem Turnover der SMI-Titel, der im Jahr 2019 rund 8% höher ausfiel als im Vorjahr, sagt Serge Nussbaumer von Derivative Partners. Die Schweiz ist das «Mekka der Sturkis». Der hiesige Derivate-Markt ist mit einem Volumen von 175 Mrd. € der grösste in Europa, auf Platz zwei folgt Deutschland mit 66,8 Mrd. €.

Gemäss der Statistik der Schweizerischen Nationalbank stieg der Bestand strukturierter Produkte in den Kundendepots in den ersten zehn Monaten des Jahres um 10,5% auf 197,8 Mrd. Fr. Der relative Anteil verharrte jedoch bei 3%. Das Kundeninteresse konzentrierte sich mengenmässig auf die Renditeoptimierungsprodukte, vor den Partizipationsprodukten.

Vontobel ist nicht mehr top

Augenfällig ist, wie bezüglich Marktanteil die UBS der Bank Vontobel – und auch anderen Mitbewerbern – den Rang abgelaufen hat. Die Grossbank wies Ende 2019 mit 44,2% (Vorjahr 27,1%) den höchsten Marktanteil auf. Die Verfolger büssten alle an Gewicht ein (vgl. Grafik) – am meisten Vontobel.

Neuer Umsatzchampion

UBS legt im Handel mit Zertifikaten deutlich zu, Marktanteile in %

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Die Dominanz der UBS trägt einen Namen: OEUSA. Dieses Tracker-Zertifikat auf den MSCI vereinte etwa im Februar des vergangenen Jahres 77% des Handelsumsatzes bei den Anlageprodukten auf sich. Die dominante Stellung des Zertifikates hat sich seit 2017 und 2018 noch weiter akzentuiert. Bereits im Vorjahr wies OEUSA in jedem einzelnen Monat bei den Anlageprodukten den höchsten Umsatz auf. Der Sekundärmarkt an der Schweizer Börse SIX bei den strukturierten Produkten wird von wenigen Produkten dominiert. 

Einfache Replikation des US-Marktes

Das Tracker-Zertifikat wird von der UBS vor allem in den Depots von Kunden mit Verwaltungsmandaten platziert. Die hohe Beliebtheit verdankt das Produkt dem Umstand, dass der US-Aktienmarkt wichtig ist und eine erfreuliche Performance aufweist. Das Tracker-Zertifikat erlaubt es, den Basiswert kosteneffizient zu verfolgen. So betragen die Verwaltungsgebühren lediglich 0,13% im Jahr.

Das Überholen durch die UBS sei nicht schmerzhaft, da es ein Sondereffekt wegen eines speziellen Einzelprodukts sei, sagt ein Sprecher von Vontobel. «Bei Hebel- und Renditeoptimierungsprodukten sind wir weiterhin die Nummer 1 und bei der Anzahl Transaktionen ebenfalls.»

Liebling bleibt Liebling

Der beliebteste Produkttyp in der Schweiz bleibt wie in den Jahren zuvor der Barrier-Reverse-Convertible (BRC). Die beliebteste Kombination der Basiswerte ist bei diesen Zertifikaten Nestlé, Novartis, Roche sowie SMI, Euro-Stoxx 50 und S&P-500. Unter die zehn meistgehandelten Produkte schaffen es BRC jedoch eher selten.

Gemäss Beobachtern hat das Zurückfallen von Vontobel wenig mit den personellen Umwälzungen bei der Bank zu tun. Mitte Dezember nahm überraschend Roger Studer seinen Hut, der als Leiter Investment Banking auch die Bereiche strukturierte Produkte und den Handel geleitet hatte. Die Bank Vontobel löste die Investmentbank und damit auch die Plattform Deritrade auf. Bereits auf Ende 2018 hatte Georg von Wattenwyl, der bis dahin den Bereich «Financial Products und Handel» geleitet hatte, innerhalb von Vontobel gewechselt.

Riesige Produktevielfalt

Mittlerweile gibt es über 35 000 kotierte Produkte in der Schweiz. Der Grossteil dieser Produkte weist dabei kaum Handelsaktivität auf, da die Strukis meist gekauft und bis zum Verfall ins Depot gelegt werden. Trotz dieser riesigen Anzahl leidet die Transparenz gemäss Nussbaumer nicht: «Verschiedene Anbieter wie die Emittenten, die SIX oder wir selbst bieten eine Suche von Produkten nach Basiswerten an.»

Kotiert ist hingegen nur etwa ein Drittel der Produkte, zwei Drittel werden nicht an der Börse gehandelt. Immer mehr Derivate werden individuell massgeschneidert. Auf verschiedenen Plattformen erhält der Anleger Zugriff auf die entsprechenden Werkzeuge der Emittenten. So können die Anleger Strukis punkto Parameter wie Laufzeit, Basiswerte, Währung und Coupons selbst gestalten und online abschliessen. Zwei Tage später ist das so kreierte Derivat im Kundendepot eingebucht.

Krypto noch klein

Noch wenig relevant sind Krypto-Zertifikate, obwohl der Bitcoin Tracker von Vontobel gemessen am Umsatz im vergangenen Jahr den zweiten Rang einnahm. Gemäss Serge Nussbaumer habe dieser Bereich noch wenig Gewicht: «An der SIX dürfte über ETP (Exchange-Traded Products) mit Krypto-Anlagen mehr Umsatz erzielt werden.»

Hoffnungsträger AMC und PK

«In einem Kapitalmarktumfeld mit Negativzinsen bieten strukturierte Produkte grossen Mehrwert», sagt der Vontobel-Sprecher. Diese Erkenntnis, die durch zahlreiche akademische Studien unterlegt sei, müsse noch stärker zum Berater und Anleger transportiert werden. Seit kurzem sind strukturierte Produkte auch für Pensionskassen als kostentransparente Produkteart klassiert und können so einfacher eingesetzt werden. Dies wird gemäss Vontobel zum Wachstum beitragen.

Die Autoren des Derivate-Jahrbuchs, und auch Experten, die darin zu Wort kommen, sind überzeugt, dass in den kommenden Jahren Actively Managed Certificates (AMC) deutlich an Popularität gewinnen werden. Mit solchen Derivaten, die bereits 2019 beeindruckende Mittelzuflüsse verzeichneten, lassen sich individuelle Anlagestrategien investierbar machen. Bei Aktien ist es vor allem die Umsetzung von Themen, welche im Fokus steht. Bei Obligationenanlagen steht das Thema Diversifikation im Vordergrund.