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Freulers Platzverweis, Guardiolas Mantel und was in der Champions League noch zu reden gab

Die Rote Karte – Remo Freuler kann es nicht fassen. Bild: keystone

Freulers Platzverweis, Guardiolas Mantel und was in der Champions League noch zu reden gab

Remo Freuler fliegt beim 0:1 von Atlanta gegen Real Madrid bereits in der 18. Minute vom Platz, was seinen Trainer Gian Piero Gasperini so richtig in Rage bringt. Das 2:0 von Manchester City gegen Borussia Mönchengladbach hat aufgezeigt, wer der Schlüsselspieler im System Guardiola ist.

Freuler hofft vergebens auf den VAR

Champions League gegen Real Madrid die tragische Figur. Der Schweizer Nationalspieler fliegt nach einem umstrittenen Entscheid des deutschen Schiedsrichters Tobias Stieler bereits in der 18. Minute mit Rot vom Platz.

Freuler muss nach einem Stellungsfehler seiner Kollegen ganz hinten aushelfen, kommt gegen davongeeilten Real-Verteidiger Ferland Mendy aber zu spät und rennt diesen über den Haufen. Stieler taxiert das klare Foul als Notbremse und als Vereiteln einer klaren Torchance. Der Deutsche zögert keine Sekunde und zeigt Freuler die Rote Karte.

Die Rote Karte gegen Freuler nach dem Foul an Mendy. Video: streamable

Die Entscheidung lässt aber Raum für Diskussionen offen. Zwar war Freulers Eingreifen ein klares Foul, doch ob Mendy, der sich den Ball unsauber vorgelegt hatte, wirklich zu einer klaren Torchance gekommen wäre, kann nicht eindeutig beurteilt werden.

Das sagen die Experten:

Peter Knäbel (SRF):

«Für mich ist das keine Rote Karte. Aber ob es wirklich ein so krasser Fehlentscheid ist, dass der VAR eingreifen muss? Freuler darf nicht so einsteigen. Er trifft Mendy ganz klar, aber ob der dann ganz alleine vor dem Torhüter steht, ist eine andere Frage.»

Urs Meier (Blue):

«Freuler ist der letzte Mann, es ist eine klare Torchance. Diese zunichte zu machen, gibt eine Rote Karte. Eins und eins gibt zwei.»

Nach seinem Platzverweis schaut sich Freuler beim Eingang in die Katakomben des Gewiss Stadium die Szene selbst noch einmal an. Insgeheim hofft er wohl, dass der VAR eingreift und die Rote Karte zurücknimmt. Doch das tut er nicht, denn der VAR darf nur bei einer klaren Fehlentscheidung eingreifen und das war Stielers Entscheid nicht. So bleibt Freuler nichts anderes übrig, als enttäuscht in Richtung Garderobe zu stapfen.

Freuler schaut sich seinen Platzverweis noch einmal an. bild: Screenshot srf

Gasperinis Wutrede

Remo Freuler äusserte sich nach dem Spiel nicht über seine Rote Karte, auf Instagram postete er am Tag danach ein Bild, liess seinem Frust aber nicht freien Lauf: «Es gibt wenig zu sagen. Es tut mir sehr leid und ich möchte mich bei der Mannschaft und den Fans entschuldigen. Über die Szene möchte ich lieber nicht sprechen. Wir sind noch am Leben. Ich danke den Jungs, die gestern zu zehnt ein grosses Spiel gezeigt haben. Ich bin sicher, dass wir in Madrid ein grossartiges Spiel sehen werden.»

Sein Trainer Gian Piero Gasperini konnte oder wollte sich dagegen nicht zurückhalten und kritisierte Schiedsrichter Stieler scharf: «Vielleicht hätten wir sowieso verloren, doch der Schiedsrichter hat das Spiel ruiniert», erklärte der Atalanta-Coach bei «Sky Italia».

Dann begann das grosse Poltern: «Was bleibt, ist die Verbitterung darüber, dass wir nicht das Spiel spielen konnten, auf das wir gewartet hatten. Elf gegen elf wäre es ein ganz anderes Spiel gewesen. Wenn ich sagen würde, was ich denke, würde die UEFA mich für einen Monat sperren. Soll denn jede Form des Kontakts aus dem Fussball verbannt werden? Das wäre Selbstmord für den Sport.»

Gasperini redet sich bei «Sky Italia» so richtig in Rage. bild: screenshot sky italia

Gasperini forderte ausserdem: «Es sollte keine Schiedsrichter geben, die nicht selbst gespielt haben und nicht den Unterschied zwischen einem Tackling und einem Foul erkennen.» Fürs Rückspiel bleibt Atalanta deshalb nur eines übrig: «Wir müssen in Madrid gewinnen, wir haben ja nur diese eine Möglichkeit. Es ist einfach, können wir gar nicht zu viel nachdenken. Wir müssen gewinnen.»

Linksfuss Mendy trifft mit rechts

Real, das ohne seine verletzten Superstars Karim Benzema, Eden Hazard und Sergio Ramos antreten musste, tat sich nach Freulers Platzverweis ausserordentlich schwer, die numerische Überzahl in etwas Zählbares umzumünzen. Erst in der 86. Minute erzielte Linksverteidiger Mendy mit einem traumhaften Schlenzer den 1:0-Siegtreffer.

Das goldene Tor von Linksverteidiger Mendy. Video: streamable

Für den französischen Nationalspieler war es der erste Champions-League-Treffer seiner Karriere und der erst der dritte im Trikot von Real Madrid. Dass der Linksfuss ausgerechnet mit rechts traf, erstaunte Trainer Zinedine Zidane nur teilweise. «Diesen rechten Fuss hat er schon lange. Sein linker Fuss ist allerdings präziser, mit Rechts schiesst er normalerweise schärfer.» Am Ende war das Zidane aber egal: «Was zählt, ist das gute Ergebnis. Wir erzielen ein Auswärtstor, wir kassieren kein Gegentor. In Madrid müssen wir aber ein anderes Spiel machen.»

Gladbach absolut chancenlos

Manchester City dominierte Borussia Mönchengladbach in deren «Heimspiel» in Budapest beinahe nach Belieben und fuhr mit dem 2:0 den 19. Pflichtspielsieg in Serie ein. Die nackten Zahlen (61:39 Prozent Ballbesitz und 9:3 Torschüsse) zeigen das nur bedingt. Guardiolas Spielstil zielt mittlerweile voll darauf ab, den Gegner mit ständigem Druck körperlich und geistig müde zu spielen. Man lässt Ball und Gegner laufen, macht die Räume eng und zieht ein konsequenten Pressing/Gegenpressing auf. Gladbach kam so phasenweise kam aus der eigenen Platzhälfte.

Die Raumaufteilung der beiden Mannschaften. bild: squawka

Gladbachs Mittelfeldspieler Christoph Kramer brachte die Ohnmacht seiner Mannschaft nach der Partie auf den Punkt:

«Ich glaube, dass es von aussen sehr passiv von uns aussah. Aber City hat eine unglaublich gute Raumaufteilung, sie lassen den Ball gut laufen und man kommt gefühlt nicht so richtig hin. Dann sieht so ein Spiel sehr zäh aus und du bist in Anführungszeichen chancenlos. Aber so wie City spielt, sind sie einfach eine Klasse für sich.»

Trotz der puren Dominanz hat ManCity gemäss Trainer Guardiola noch Steigerungspotenzial: «Unser Pressing war ziemlich gut, aber nicht unsere Entscheidungen im Angriffsdrittel», kritisierte der Spanier. «Auch im Abschluss waren wir nicht entschlossen genug. Daran müssen wir arbeiten. In diesem Wettbewerb musst du deine Chancen nutzen.»

Cancelo, der falsche Verteidiger

Bester Mann bei ManCity war gestern João Cancelo. Der 26-jährige Portugiese hatte als eigentlicher Linksverteidiger 118 Ballkontakte und bereitete beide Tore vor. Doch Cancelo nur auf dem Papier ein klassischer Linksverteidiger, immer wieder verlässt er seine Position, rückt ins zentrale Mittelfeld und bringt als Schlüsselspieler im fluiden System von Guardiola, das stets Überzahl in Ballnähe kreieren will, viel Variabilität ins Spiel.

Offiziell tritt City zwar meist mit einem 4-2-3-1, in Ballbesitz wird daraus dank Cancelo aber oft ein 3-4-3 oder gegen den Ball ein 4-4-2. Auf Social Media wurde für die Position des Portugiesen deshalb bereits eine neue Bezeichnung ins Leben gerufen: «False Back», falscher Verteidiger. Das trifft den Nagel auf den Kopf.

Guardiolas Mantel

Neben der erdrückenden Dominanz von Manchester City sorgte vor allem der Mantel von Pep Guardiola für reichlich Gesprächsstoff. Auf dem Rücken prangte ein riesiges, silbrig-glänzendes ManCity-Logo, was freilich nicht allen gefiel. Nicht nur auf Social Media («Eine Beleidigung für die Mode-Welt», so der Tenor) auch im «BT Sport»-Studio mit Moderator Gary Lineker wurde fast mehr darüber diskutiert als über das Spiel selbst.

Der Heimnachteil

Die Achtelfinal-Hinspiele haben deutlich aufgezeigt, dass sie Corona-Pandemie den Heimvorteil endgültig zunichte gemacht hat. Vor leeren Rängen wird ja schon seit längerer Zeit gespielt, dass einige Klubs wegen den Einreisebestimmungen für den Gegner ihre Heimspiele aber ins Ausland verlegen müssen, ist neu und lässt den Modus mit Heim- und Auswärtsspiel endgültig zu einer Farce verkommen.

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