Switzerland

Französische Küstenwache rettet 38 Migranten im Ärmelkanal, deutsche Soldaten beobachten Zurückdrängen von Migrantenbooten im Mittelmeer – die neusten Entwicklungen in der Migrationskrise

Mit den steigenden Temperaturen nimmt der Flüchtlings- und Migrationsstrom nach Europa zu. Allein in Griechenland leben rund 100 000 Geflüchtete dicht gedrängt in Lagern.

Die neusten Entwicklungen

  • Die französische Küstenwache hat im Ärmelkanal 38 Migranten gerettet, die versucht hatten, auf Booten nach Grossbritannien zu gelangen. Zunächst hatte eine Gruppe von 16 Migranten, darunter sieben Kinder, einen Notruf an eine britische Rettungsstation abgesetzt. Die französische Küstenwache berichtete, ein  Patrouillenboot habe die Gruppe  13 Kilometer nördlich der französischen Stadt Sangatte nahe Calais gerettet.  Auf dem Rückweg habe die Patrouille neun weitere Migranten von einem Schlauchboot mit einem defekten Motor aufgenommen. Die Besatzung einer Jacht habe die französischen Behörden zudem auf ein weiteres Migrantenboot in Seenot aufmerksam gemacht. Mithilfe eines Rettungsbootes seien daraufhin 13 Menschen in Sicherheit gebracht worden, darunter drei Kinder und eine schwangere Frau.
  • Deutsche Soldaten haben beobachtet, wie Boote mit Migranten im Mittelmeer auf dem Weg in Richtung Griechenland in türkische Gewässer zurückgedrängt werden. Auf Anfrage des Linke-Abgeordneten Andrej Hunko, der wissen wollte, ob die Besatzungen deutscher Schiffe oder Flugzeuge in der Ägäis beobachtet hätten, dass Geflüchtete von der griechischen Küstenwache oder Schiffen der EU-Grenzschutzagentur Frontex an der Weiterfahrt gehindert oder in türkische Gewässer abgedrängt worden seien, berichtete die deutsche Regierung von einem Vorfall am 19. Juni. Dieser sei von der «Berlin», dem Führungsschiff der Einsatzgruppe der Standing NATO Maritime Group 2 in der Ägäis beobachtet worden. «Die Bundesregierung ist in stetem Kontakt mit der griechischen Regierung und weist dabei auf geltende völkerrechtliche Bestimmungen hin», teilte die Regierung weiter mit. Die Berlin habe am 4. Juni 32 Menschen von einem Schlauchboot gerettet.
  • Über 130 Iraker sind am Donnerstag (6.8.) freiwillig aus Griechenland in ihre Heimat zurückgekehrt. Die 134 Personen, darunter 38 Kinder, wurden mit einem Charterflug von Athen im Rahmen eines Rückkehrprogramms der Internationalen Organisation für Migration (IOM) ausgeflogen, wie griechische Medien berichten. Im Rahmen des Programms sollen weitere rund 5000 Migranten und Flüchtlinge auf freiwilliger Basis ausgeflogen werden, die vor dem 1. Januar 2020 in Griechenland angekommen sind. Sie sollen je 2000 Euro in bar als Starthilfe erhalten. Personen aus mehreren nord- und westafrikanischen Staaten, sowie aus der Ukraine, Indien und Armenien können nicht an dem Programm teilnehmen.
  • Deutschland hat am Freitag (31. 7.) eine weitere Gruppe kranker Minderjähriger und deren Familienmitglieder aufgenommen. Es handelt sich um 90 Jugendliche und Angehörige, wie das griechische Migrationsministerium mitteilte. Bereits am Donnerstag waren 85 Minderjährige und 90 Angehörige aus Athen nach Deutschland gebracht worden. Diese Flüchtlinge hatten zuletzt in völlig überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis gelebt.
  • 65 aus Seenot gerettete Migranten sind in Malta positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das gab das Gesundheitsministerium des Landes am Dienstag (28. 7.) bekannt. Die Menschen gehören zu einer grösseren Gruppe, die am Montag im Mittelmeer aufgenommen und nach Malta gebracht worden war. Insgesamt waren 94 Bootsflüchtlinge von den maltesischen Militärs an Land gebracht worden, nachdem ihr Boot leck geschlagen war. Der kleinere Teil der Gruppe habe negative Testergebnisse gehabt, einige Auswertungen stünden noch aus.
  • Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind etwa 200 Migranten aus Afrika angekommen, doch die Unterkünfte dort sind bereits überfüllt. Bürgermeister Totò Martello sagte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa am Samstag (25. 7.), die Situation sei unkontrollierbar geworden und er werde gegebenenfalls den Ausnahmezustand ausrufen. Auf der 20 Quadratkilometer grossen Insel befinden sich aktuell mehr als 1000 Migranten. Etwa 50 Migranten seien derzeit in Zelten am Hafen untergebracht, berichtet Ansa. Auf Lampedusa gibt es ein einziges Aufnahmelager, das nach offiziellen Angaben lediglich 95 Menschen beherbergen kann. Die Zahl der Migranten, die auf dem Seeweg nach Italien kommen, ist in den vergangenen Wochen wieder gestiegen. Allein im Juli wurden nach Behördenangaben mehr als 4300 Menschen registriert, verglichen mit etwa 1000 im Juli 2019 und knapp 2000 im Juli 2018. 

Zeitweise standen im März und April zwei Flüchtlingslager auf dem griechischen Festland nahe Athen unter Quarantäne, nachdem sich dort Bewohner mit dem Coronavirus infiziert hatten. Auch wenn die Unterbringung in den Lagern nicht ideal ist, so ist sie nicht so katastrophal wie auf den Inseln. Zudem sind Spitäler in Athen einfacher erreichbar.

Flüchtlinge aus Somalia und dem Sudan werden im griechischen Kranidi auf das Coronavirus getestet.

Flüchtlinge aus Somalia und dem Sudan werden im griechischen Kranidi auf das Coronavirus getestet.

Greek Organisation For The Publi / EPA

Bis anhin gibt es noch keine Fälle des Coronavirus in den Flüchtlingslagern auf den ostägäischen Inseln. Ein Ausbruch in Moria ist ein Schreckensszenario sondergleichen: Einfachste Schutzmassnahmen, wie Social Distancing und regelmässiges Händewaschen, die die Gefahr einer Infektion verringern, sind hier nicht umsetzbar.

Die Lager auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios, Kos und Leros sind völlig überfüllt. Zurzeit leben dort laut dem griechischen Zivilschutzministerium rund 32 250 Migranten (Stand Juni 2020). Das grösste Flüchtlingslager ist Moria auf Lesbos. Dort sind derzeit mehr als 19 000 Menschen untergebracht. Vorgesehen war die Einrichtung für 2840 Personen. Die Menschen leben in Zelten und Containern dicht an dicht, rund 200 Personen müssen sich eine Dusche und eine Toilette teilen, ein Wasserhahn kommt auf 1300 Personen. Drei Ärzte sind für die Lagerbewohner zuständig. Auf der ganzen Insel mit ihren 86 000 Bewohnern und 20 000 Migranten gibt es nur sechs Intensivbetten in den Spitälern.

Viele Flüchtlinge sind durch das monatelange Leben in Zelten unter katastrophalen unhygienischen Bedingungen und ohne Zugang zur medizinischen Versorgung bereits geschwächt. Laut Ärzte ohne Grenzen gibt es in Moria viele Babys und Kinder, die an chronischen Krankheiten wie Herzkrankheiten, Asthma und Diabetes leiden.

Ein älterer Migrant in einem provisorischen Flüchtlingslager nahe des berüchtigten Moria-Camps auf der griechischen Insel Lesbos trägt wegen der Coronavirus-Pandemie eine Maske.

Ein älterer Migrant in einem provisorischen Flüchtlingslager nahe des berüchtigten Moria-Camps auf der griechischen Insel Lesbos trägt wegen der Coronavirus-Pandemie eine Maske.

Elias Marcou / Reuters

Die konservative Regierung unter Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis möchte auf den Inseln neu ankommende Flüchtlinge zunächst isolieren. So hat Athen die Gesundheitskontrollen rund um die Lager auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos mit zusätzlichem Personal und Container-Isolierstationen verstärkt. Zudem dürfen Migranten die Lager nur begrenzt und mit Genehmigung der Polizei verlassen.

Auch in den Lagern auf dem Festland, in denen Infizierte leben, sind spezielle Container mit Isolierstationen eingerichtet worden.

Zudem hat Athen seit Januar rund 14 000 Personen aufs Festland evakuiert. Im März lebten noch 42 000 Migranten auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos. Anfang Juni waren es dann mit Neuankünften rund 32 250.

Das völlig überfüllte Migrantenlager Vathy auf der griechischen Insel Samos wird bis Ende des Jahres schliessen. Dies kündigte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis Ende April nach einer Inspektion des Lagers an, das auf einem Hügel oberhalb von Vathy liegt. Die in dem Lager lebenden Menschen sollen in einem anderen Camp untergebracht werden, das zurzeit rund sieben Kilometer von Vathy entfernt gebaut wird.

Im Migrantenlager Vathy auf Samos hat es gebrannt. Nun soll es geschlossen werden.

Im Migrantenlager Vathy auf Samos hat es gebrannt. Nun soll es geschlossen werden.

Jose Cortez / Reuters

Anfang März versprachen acht EU-Staaten, rund 1600 unbegleitete minderjährige Migranten aufzunehmen. Etwa die Hälfte sollte alleine nach Deutschland und Frankreich ausgeflogen werden – weitere 900 Minderjährige nach Finnland, Portugal, Luxemburg, Kroatien, Irland und Bulgarien. Auch die Schweiz erklärte sich als assoziierter Staat des Dublin-Abkommens grundsätzlich bereit auszuhelfen.

Nachdem die Ausreise minderjähriger Flüchtlinge wegen der Corona-Pandemie vorübergehend ausgesetzt war, werden nun wieder Asylsuchende ausgeflogen. In der Woche vom 20. Juli wird Deutschland 85 kranke Minderjährige und Mitglieder ihrer Familien aufnehmen, in den kommende Wochen sollen weitere 243 kranke Minderjährige und ihre Familienmitglieder nach Deutschland ausreisen. Mehr als 200 Minderjährige wurden bereits von Deutschland, der Schweiz, Finnland und Portugal aufgenommen.

Die Schweiz unterstützt Projekte von Hilfsorganisationen in Flüchtlingscamps mit zusätzlichen 1,1 Millionen Franken. Der Betrag soll Kindern und Jugendlichen in den Camps auf den griechischen Ägäis-Inseln zugutekommen.

Die EU unterstützt die Türkei mit weiteren 485 Millionen Euro, um zwei humanitäre Hilfsprogramme bis Ende 2021 zu verlängern, mit denen die Flüchtlinge versorgt werden.

Ein Kind sucht inmitten des Mülls im Migrantenlager von Moria auf der ostägäischen Insel Lesbos nach Murmeln.

Ein Kind sucht inmitten des Mülls im Migrantenlager von Moria auf der ostägäischen Insel Lesbos nach Murmeln.

Alkis Konstantinidis / Reuters

Am 28. Februar erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, er habe die Grenzen Richtung Europa geöffnet. Laut der Uno befanden sich Ende Februar mindestens 13 000 Flüchtlinge in den Gebieten entlang der 212 Kilometer langen türkisch-griechischen Grenze. Erdogan hatte erklärt, sein Land könne eine neue Flüchtlingswelle nicht bewältigen. Die EU müsse ihre Versprechen halten und ihren Teil der Last übernehmen. Die Präsenz von 3,6 Millionen syrischen Flüchtlingen in der Türkei belastet das Land, und die EU zögert, ob und wie sie die Türkei weiter bei der Versorgung und Integration der Syrer unterstützen soll. In Nordsyrien drängt eine Million Vertriebener zur (geschlossenen) türkischen Grenze.

Gefährliche Grenzübergänge halten die Menschen nicht davon ab, sich auf den Weg zu machen. In Syrien oder Nordafrika, wo viele herkommen, herrschen schlimmere Bedingungen. (Symbolbild)

Gefährliche Grenzübergänge halten die Menschen nicht davon ab, sich auf den Weg zu machen. In Syrien oder Nordafrika, wo viele herkommen, herrschen schlimmere Bedingungen. (Symbolbild)

Imago Stock&people / Imago

Am 6. März wies Erdogan die Küstenwache an, Flüchtlinge und Migranten nicht mehr mit Booten die Ägäis durchqueren zu lassen. Gemeint ist die Überfahrt nach Griechenland, also in die EU. Dies scheine die verkündete einseitige Öffnung der Grenzen zur EU nicht zurückzunehmen. Das «Prinzip der Nichteinmischung», wenn Migranten illegal das Land verlassen wollten, gelte weiterhin, heisst es in der Stellungnahme weiter. Diese Herangehensweise decke aber wegen der «lebensbedrohlichen Gefahr» Seereisen nicht ab.

Türkisches Militär soll laut griechischen Medien Flüchtlinge und Migranten regelrecht dazu gedrängt haben, die Grenze in Richtung EU illegal zu überwinden. Der griechische Staatssender ERT zeigte am 7. März Videos, in denen zu sehen ist, wie türkische Soldaten Menschen mit Schlägen und Tritten Richtung griechische Grenze treiben. Die Bilder dokumentierten ausserdem einen Rauchbomben- und Tränengasregen, der von der türkischen Seite über den Zaun abgefeuert wurde.

Die Recherchen internationaler Teams haben derweil laut dem deutschen Magazin «Spiegel» den Verdacht erhärtet, dass griechische Grenzschützer am 4. März an der Grenze zur Türkei den Migranten Muhammad Gulzar erschossen haben. Griechenland dementierte dies umgehend. Der «Spiegel» verweist auf gemeinsame Ermittlungen mit den Rechercheteams Forensic Architecture, Lighthouse Reports und Bellingcat. Die Rechercheure hätten Augenzeugen befragt, offizielle Dokumente wie den Autopsiebericht sowie Fotos ausgewertet. Sie könnten nachweisen, dass Gulzar am 4. März an der Grenze griechischen Soldaten mit Gewehren gegenüberstand. Er sei durch eine Kugel getötet worden, die zu den Schnellfeuergewehren der griechischen Soldaten vor Ort passe.

Nach der von der Türkei angekündigten Öffnung ihrer Grenzen Richtung EU sind mehr als 13 000 Migranten an der Grenze zu Griechenland angekommen. Aufnahme vom 2. März.

Nach der von der Türkei angekündigten Öffnung ihrer Grenzen Richtung EU sind mehr als 13 000 Migranten an der Grenze zu Griechenland angekommen. Aufnahme vom 2. März.

Osman Orsal / Getty

Seit dem 1. April werden in Griechenland wieder Asylanträge bearbeitet, nachdem die griechische Regierung das Asylrecht für einen Monat suspendiert hatte. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk und Rechtsexperten hatten den Schritt als widerrechtlich und gefährlich bezeichnet. Griechenland sei durch internationale Verträge und seine EU-Mitgliedschaft zur Einhaltung der Flüchtlingskonvention gebunden.

Migrationsminister Notis Mitarakis sagte am 7. März dem griechischen Fernsehsender Skai, dass Athen plane, die finanzielle Unterstützung für Flüchtlinge zu kappen. Denn diese hätte dazu beigetragen, «dass die Menschen ins Land kommen und diese Leistungen ausnutzen».

Griechenland hat ausserdem angekündigt, den Zaun an der Grenze zur Türkei auszubauen. Der Zaun soll an drei Grenzabschnitten um 36 Kilometer verlängert werden. Auch der bereits bestehende Zaun soll verstärkt werden.

Griechische Behörden, die Bevölkerung und die Migranten klagen, die EU lasse sie im Stich. Umgekehrt sagen EU-Beamte, die griechischen Behörden seien nicht in der Lage oder nicht willens, ein funktionierendes Asylsystem aufzubauen.

Nach der Öffnung der Grenze durch die Türkei Ende Februar versprach die EU 700 Millionen Euro für den Grenzschutz. Auch die Unterstützung durch Frontex werde aufgestockt. Die EU-Asylagentur Easo will zudem 160 Experten aus den EU-Staaten nach Griechenland entsenden.

Die EU möchte die Zahl neu ankommender Migranten generell stark begrenzen. Sie geht dafür auch Vereinbarungen ein, die aus ethisch-humanitärer Sicht zumindest fragwürdig sind. So kooperiert sie zum Beispiel mit dem Bürgerkriegsland Libyen. Das Regime in Tripolis und die sogenannte Küstenwache, die in kriminelle Aktivitäten aller Art verstrickt sein soll, werden finanziell unterstützt dafür, möglichst viele Flüchtlinge im Land zu behalten und sie nicht über das Mittelmeer in die EU gelangen zu lassen. Dafür nimmt die EU in Kauf, dass die Migranten und Flüchtlinge in libyschen Lagern massiver physischer und sexueller Gewalt ausgesetzt sind, die gut dokumentiert ist.

Die Zahl der Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa kommen, ist 2019 weiter zurückgegangen. Laut Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Uno (UNHCR) gelangten im vergangenen Jahr 125 472 Menschen nach Italien, Griechenland, Spanien, Malta und Zypern, die allermeisten von ihnen reisten über den Seeweg. 1327 Personen kamen dabei ums Leben oder werden vermisst. Im Jahr 2018 waren es 141 472 Ankömmlinge und 2277 Tote oder Vermisste. An den italienischen Küsten ergibt sich gegenüber 2017 sogar ein Rückgang um gut 90 Prozent, wie aus einer Statistik des Innenministeriums hervorgeht. Demnach landeten 2019 bis zum 24. Dezember 11 439 Flüchtlinge an den italienischen Küsten. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 23 210, im Jahr davor 118 914. Dieses Jahr kamen die meisten von ihnen (2654) aus Tunesien.

Der starke Rückgang liegt hauptsächlich an Vereinbarungen der EU mit Transitländern wie der Türkei oder Libyen, die Migranten zurückhalten. Die Bedingungen, unter denen das geschieht, sehen Hilfsorganisationen allerdings kritisch: Im Fall von Libyen spricht die NGO Women’s Refugee Commission von Beweisen dafür, dass Migranten dort gefoltert und sexuell missbraucht würden.

Ebenfalls weisen Experten darauf hin, dass zwar die Gesamtzahl der Migranten abgenommen hat, die Überfahrt für den Einzelnen aber statistisch gesehen mit einem höheren Sterberisiko verbunden ist. Starben 2015 4 von 1000 Migranten, die die Reise über das Mittelmeer wagten, sind es inzwischen 17 von 1000.

Immer wieder kommt es laut Aussagen von Migranten sowie Flüchtlingsorganisationen und Juristen zu sogenannten Push-Backs an den Aussengrenzen der EU. Das heisst, dass Flüchtlinge und Migranten zurückgewiesen werden, ohne die Chance zu haben, einen Asylantrag zu stellen. Dabei gehen die Sicherheitskräfte teils sehr brutal vor.

So drängt Spanien in seinen nordafrikanischen Enklaven Migranten zurück, Malta im Mittelmeer, Kroatien an der bosnischen Grenze und Griechenland an der See- und Landgrenze zur Türkei. Die beschuldigten Staaten weisen die Anschuldigungen jeweils vehement von sich.

In der Meinung vieler Juristen verstossen Push-Backs gegen Völker- und EU-Recht. Die Genfer Konvention besagt, dass Flüchtlinge nicht zurückgewiesen werden können, auch wenn sie illegal ein Land betreten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hielt die Praxis ebenfalls lange für rechtswidrig. Allerdings gab er Mitte Februar 2020 dem spanischen Staat recht, der 2014 zwei Migranten aus Mali und Côte d’Ivoire im Express-Verfahren deportierte, ohne ihre Personalien festgestellt zu haben.

Kritiker monieren, das Urteil ignoriere die Realität an den EU-Aussengrenzen. Dort gebe es meist nicht die Möglichkeit, auf geordnetem Weg Asyl zu beantragen. Das Urteil legalisiere die gewaltsamen Push-Backs.

Die rechtliche Lage ist kompliziert. Italien und Malta haben im vergangenen Jahr Rettungsschiffen privater Helfer wiederholt das Anlegen in ihren Häfen verwehrt. Malta stimmte mehrfach erst zu, nachdem andere EU-Länder zugesichert hatten, die geretteten Migranten aufzunehmen.

Die deutsche Kapitänin Carola Rackete wurde im Juni 2019 vorübergehend festgenommen, nachdem sie ihr Rettungsschiff mit 40 Migranten an Bord ohne Genehmigung in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa gesteuert hatte. Im Januar 2020 hat das Oberste Gericht in Italien die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen ihre Freilassung abgewiesen. Ein Verfahren unter anderem wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur illegalen Einwanderung läuft noch; es ist aber unklar, ob es zu einem Prozess kommt. Seit die Regierung aus der rechten Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung in Rom aus dem Amt ist, werden Rettungsschiffe nicht mehr – oder nicht mehr so lange – auf dem Meer blockiert.

Ein Grund für die vertrackte Situation sind die sogenannten Dublin-Regeln, laut denen derjenige EU-Staat für Migranten zuständig ist, den diese zuerst erreichen. Seit Jahren kann sich die EU nicht auf eine verbindliche Quote zur Verteilung von Asylbewerbern auf EU-Mitgliedsländer einigen.

Mehrfach gab es Anstrengungen innerhalb der EU, einen Verteilschlüssel aufzustellen, der nach vier Kriterien bis zu 120 000 Flüchtlinge verteilen würde. Die Kriterien sollen die Fähigkeit der Mitgliedstaaten zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingen spiegeln. Sie lauten gemäss einem Beschluss des Europäischen Rates vom 22. September 2015 (die Prozente geben an, wie stark ein Kriterium gewichtet wird):

Dementsprechend sähe die Verteilung von neu ankommenden Flüchtlingen wie folgt aus.

Welchen Anteil der Migranten jedes EU-Land laut Verteilschlüssel aufnehmen müsste

Angaben in Prozent

0510152025DeutschlandFrankreichSpanienPolenNiederlandeRumänienBelgienSchwedenÖsterreichPortugalTschechische RepublikUngarnFinnlandBulgarienSlowakeiKroatienLitauenSlowenienLettlandLuxemburgEstlandZypernMalta

Tatsächlich haben sich aber mehrere Staaten in Ostmitteleuropa gegen diesen Beschluss gesperrt und tun dies weiterhin. Entsprechend wird der Verteilschlüssel bisher nicht angewandt.

Die europäische Grenz- und Küstenwache Frontex sprach 2017 in einem Bericht davon, dass private Seenotretter «ungewollt Kriminellen helfen, ihre Ziele mit minimalen Kosten zu erreichen, und das Businessmodell der Schlepper stärken, indem sie die Erfolgschancen steigern». Das UNHCR dagegen unterstützt bereits seit 2016 private Missionen, da man dort der Überzeugung ist, dass es ohne die privaten Retter noch mehr Tote gäbe.

Mitarbeit: Nachrichtenredaktion, Haluka Maier-Borst, Marie-José Kolly, mit Agenturen.

Football news:

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