Switzerland

Französisch lernen mit der Anti-Sexismus-Queen

Was tun in der Krise? Musik hören und gleichzeitig Französisch lernen mit den Liedern der belgischen Musikerin Angèle.

In Belgien und Frankreich ist sie ein Star: Angèle in Action.

In Belgien und Frankreich ist sie ein Star: Angèle in Action.

Getty Images

Jetzt wäre der Moment. Der Moment, die Zeit zu nutzen und seine Französischkenntnisse aufzubessern. Am besten lerne man Sprachen vor Ort, wird gern gepredigt, aber das geht jetzt nicht. Die Alternative: Wir schlagen Französischlektionen mit der belgischen Musikerin Angèle vor. Das ist Sprachenlernen am Puls der Zeit – ihre Songtexte handeln von der Generation Y, der französischen #MeToo-Bewegung und Angèle selbst. Und abgesehen davon macht ihre Musik ziemlich viel Spass.

Wer Angèle van Laeken als Newcomerin bezeichnet, wirkt inzwischen ziemlich verschlafen. Die 25-jährige Belgierin ist in ihrem Herkunftsland wie auch in Frankreich ein Star, vergangenen Sommer brachte sie die Menschenmeere vor den grossen Festivalbühnen in Aufruhr – Tausende sangen ihre Songs auswendig mit.

2018 erschien Angèles erstes Album, «Brol» – belgischer Slang für «Chaos». Das Cover zeigt Angèle als Kind, mit fehlendem Schneidezahn und zerfressenem Pony. 2019 erschien mit «Brol – La suite» eine Fortsetzung des Erstlings mit sieben neuen Titeln. Angèles Musik erinnert an klassische französische Chansons – ihre Lieder sind melodiös und erzählend. Gleichzeitig pumpen Bässe, im Hintergrund gluckst der Synthie wie ein nervöser Schluckauf. Im Lied «Loi de Murphy» (dt.: «Murphys Gesetz») rappt sie die Strophen – Rap habe sie inspiriert, erklärt sie in einem Interview.

Der endgültige Durchbruch gelang Angèle mit dem Lied «Balance ton quoi» (dt.: «Verpfeif dein – was auch immer»), einem heiter klingenden, aber bitterbösen Stück an die Adresse aller Sexisten. Der Titel ist inspiriert vom Slogan der französischen #MeToo-Bewegung: «Balance ton porc», was ungefähr so viel bedeutet wie «Verpfeif dein Schwein» – eine Aufforderung, die Namen von Tätern sexueller Übergriffe öffentlich zu machen. Im Musikvideo mimt Angèle die geduldige Leiterin einer Anti-Sexismus-Akademie, die ihren Schülern erklären muss, dass Nein tatsächlich Nein bedeutet. «Balance ton quoi» wurde zur Hymne der französischen Anti-Sexismus-Bewegung: An Frauenstreiks und LGBT-Paraden wird das Lied von Massen gebrüllt wie Fan-Gesänge im Fussballstadion.

Bekannt wurde Angèle über Instagram: Sie postete kurze Videos, in denen sie wahlweise singt, am Klavier improvisiert oder herumblödelt. Wie ein roter Faden ziehen sich körnige Filmaufnahmen aus ihrer Kindheit durch ihren Instagram-Feed. Immer wieder taucht ihr Bruder auf, der als Rapper Elvis Roméo erfolgreich ist.

Dabei scheut sich Angèle nicht, politisch zu sein. Im letzten Juli postete sie ein Video mit einem kurzen Lied über den Klimawandel – Greta Thunberg habe sie inspiriert, und sowieso, in Belgien sei es gerade 42 Grad heiss. Zudem engagiert sie sich für die LGBTQ-Bewegung und besingt im Lied «Ta reine» die weibliche Homosexualität: Zwei Königinnen – «deux reines» – seien noch immer nicht akzeptiert.

Inszeniert sie sich selbst, tut sie dies durchgehend mit Selbstironie. Angèle ist das, was man schön nennt – es wäre wohl ein Leichtes, ihr Aussehen auf Instagram, diesem Universum der glatten Oberflächen, zu vermarkten. Angèle nutzt ihre Schönheit jedoch lieber, um mit Klischees zu brechen. In ihren Musikvideos zeigt sie sich wahlweise als Femme fatale oder niedliches Mädchen von nebenan, um sich im nächsten Moment einen Schnauz anzukleben oder sich demonstrativ im Schritt zu kratzen. Zum Selfie mit Lippenstift schreibt sie «le narcissme» (dt.: «der Narzissmus») und schickt ein Bild hinterher, das sie mit Grimasse und offensichtlich auf dem Klo sitzend zeigt. Angèle lässt sich nicht auf eine hübsche Hülle reduzieren – lieber entlarvt sie die selbstverliebt-gelangweilten Millennials, die sich selbst während des Kackens fotografieren müssen.

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