Switzerland

Fortpflanzung: Ethikkommission befürwortet Zugang zur Samenspende auch für gleichgeschlechtliche Paare

Die nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) empfiehlt den Zugang zur Samenspende auch für gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Frauen. Zudem sollten bereits urteilsfähige Minderjährige das Recht auf Auskunft über ihre Abstammung erhalten.

Seit den späten neunziger Jahren hätten sich die Techniken der Reproduktionsmedizin stark entwickelt, schreibt die Ethikkommission.

Seit den späten neunziger Jahren hätten sich die Techniken der Reproduktionsmedizin stark entwickelt, schreibt die Ethikkommission.

Christian Beutler / NZZ

(sda)

Die aktuelle Regelung der Samenspende werde den Entwicklungen nicht gerecht und sollte deshalb geändert werden, schreibt die NEK in einer Mitteilung vom Donnerstag. Aus ethischer Perspektive werfe sie eine Reihe von Fragen bezüglich Gleichbehandlung, Diskriminierung, persönlicher Freiheit und Recht auf Information auf. Kontrovers diskutiert werde auch der Zugang zur Samenspende, der heute Ehepaaren vorbehalten sei.

Das Fortpflanzungsmedizingesetz stammt aus den späten 1990er Jahren. Seither hätten sich die Techniken der Reproduktionsmedizin stark entwickelt, schreibt die Ethikkommission. Zugleich habe ein deutlicher Wandel hinsichtlich der Lebensformen und des Familienbildes stattgefunden.

Gleichgeschlechtliche Paare und alleinerziehende Frauen liessen nicht selten die Behandlung in ausländischen Kliniken durchführen, schreibt die NEK weiter. Oder es gebe die Möglichkeit, Samenspenden ausserhalb eines medizinischen Verfahrens wie die sogenannte Selbst- oder Heiminsemination in Anspruch zu nehmen.

Für die Ethikkommission wird die heute geltende restriktive Regelung des Fortpflanzungsmedizingesetzes den neueren medizinischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nicht gerecht. Sie empfiehlt, neu gleichgeschlechtlichen Paaren sowie alleinstehenden Frauen den Zugang zur Samenspende zu gewähren. Sie äussert die Meinung, dass auch die gerichtete Samenspende durch Angehörige und sonstige nahestehende Personen erlaubt werden sollte.

Aus der Sicht der NEK lässt sich auch die gesetzliche Limitierung der Aufbewahrungsfrist für Spendersamen nicht rechtfertigen und sollte daher aufgehoben werden. Während eine mittels Spendersamen gezeugte Person heute erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres Auskunft über ihre Abstammungsdaten verlangen könne, empfiehlt die NEK, dieses Recht bereits urteilsfähigen minderjährigen Personen einzuräumen.

Mehr Transparenz und mehr Forschung

Die Ethikkommission fordert zudem mehr Transparenz, wenn es um die Kosten und Entschädigungen einer Spendersamenbehandlung oder um genetische Untersuchungen bei Samenspendern geht. Aus ihrer Sicht liegt es auf der Hand, die Forschung und Datenerhebung im Bereich der Samenspende zu intensivieren, um Praxis und Entwicklungen in diesem Bereich besser einschätzen zu können.

Bei der Samenspende handle es sich um ein relativ einfaches, gut erprobtes und im Vergleich zu anderen Reproduktionstechniken günstiges medizinisches Verfahren, das in der Schweiz seit Jahrzehnten angewendet werde. Seit 2001 sei das Verfahren im Fortpflanzungsmedizingesetz geregelt. Seither könnten mittels Samenspende gezeugte Kinder ab ihrer Volljährigkeit Auskunft über die Identität des Samenspenders verlangen.

In diesen Jahren würden die ersten der im Register erfassten Kinder volljährig und könnten dann Auskunft über die Identität des Samenspenders verlangen. Samenspende-Behandlungen seien in knapp einem Drittel der rund 35 Zentren für Reproduktionsmedizin durchgeführt worden. Einige von ihnen verfügten über eine eigene Samenbank, andere importierten Spendersamen aus dem Ausland.